Kupferdreh: Selbstverteidigung mit Ving Tsun Kung Fu

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Ruhig ist es in der Halle, lediglich das Quietschen der Turnschuhe auf dem Boden ist zu hören. Arme schnellen nach vorne und verrenken sich in für mich eigenartiger Form. Ich bin mittendrin im Ving Tsun-Training im Kung Fu-Center Essen, Bahnstraße 7, in Kupferdreh. An vier Tagen in der Woche wird vor Ort ein gemeinsames Training für Anfänger und Fortgeschrittene angeboten.

Die Übungen sehen eigentlich gar nicht so schwer aus, denke ich im Stillen, aber die angestrengten und voll konzentrierten Gesichter der Teilnehmer sprechen eine andere Sprache.
Vor einem Jahr hat Inhaber Selcuk Dönmez das Center eröffnet. Anfänglich trainierten hier zwölf Sportler - mittlerweile sind es 120 Kung Fu-Begeisterte, die diese Kampfsportart erlernen wollen.
Alle Altersgruppen sind vertreten von Kindern über Jugendliche bis hin zu den Erwachsenen. Ob zur reinen Selbstverteidigung, um Kondition und Muskeln aufzubauen oder das Selbstbewusstsein zu stärken, die Beweggründe, diese Sportart auszuüben, sind oft unterschiedlich.

Hassan ist das 120. Mitglied im Kung Fu-Center und erst seit ein paar Wochen dabei. „Als Polizist bin ich oft Gefahrensituationen ausgesetzt. Bereits in der Ausbildung haben wir Ving Tsun trainiert. Jetzt komme ich so oft wie möglich nach Kupferdreh, um fitter zu werden und die verschiedenen Techniken zu perfektionieren. Ich lerne u.a. Drehungen, Tritte und Schritte, um den Gegner mit einfachen Mitteln zu besiegen.“
Sagt‘s und greift zu einem Langstock, mit dem man den souveränen Umgang mit Waffen im Kampf trainiert.
Auch ich greife zu einer dieser Stangen und versuche die Übung nachzumachen. Ich scheitere kläglich - mir fehlt halt eben die richtige Technik - oder liegt‘s doch eher an der nicht vorhandenen Oberarmmuskulatur?
Gehen die Teilnehmer vielleicht alle ins Fitnessstudio, um Muckis aufzubauen?

"Nein“, belehrt mich Selcuk Dönmez, „während des Trainings werden viele Muskelgruppen des gesamten Körpers eingesetzt und somit auch trainiert. Da braucht man keine Maschinenarbeit mehr.“ Beim Ving Tsun gibt es auch keine Prüfungen, Gurte und Graduierungen. Fähigkeiten und Fertigkeiten werden durch das Training fortlaufend verbessert.
„Ich komme supergerne hierher“, betont Bastian. Der 14-jährige Realschüler ist erst seit sieben Wochen dabei und arbeitet hart an sich. „Selcuk erklärt sehr gut und nimmt sich auch viel Zeit für jeden Einzelnen.“
Auch das Konditionstraining kommt selbstverständlich nicht zu kurz. Hierfür werden Sandsäcke, Wandschlagpolster, aber auch ganz klassisch Medizinbälle und Springseile eingesetzt.
Während die Männer das Seil durch die Luft schwingen, wende ich mich der einzigen Frau, die an diesem Tag mittrainiert, zu.
Karin kommt fünf- bis sechsmal in der Woche zum Training und das seit nun neun Monaten.
„Nein, vor den Schlägen der Männer habe ich keine Angst“, antwortet sie auf meine Frage, ob das Training mit den Herren der Schöpfung nicht zu hart für eine Frau sei.
Von Mal zu Mal habe sie an Schnelligkeit und Zielstrebigkeit zugelegt. Aber auch ihre Reflexe und ihre Schlagkraft seien nach dem monatelangen Training nun schon viel besser. Ein Schlag muss beim Training wohl ganz besonders gut gesessen haben. Denn ihr Spitzname „Killer-Karin“ kommt sicherlich nicht von ungefähr...

Da die Nachfrage nach einem Selbstverteidigungskurs speziell für Frauen sehr groß ist, plant Selcuk Dönmez auch für sein Kung Fu -Center eine Gruppe, in der die Teilnehmerinnen in ruhiger und sicherer Atmosphäre trainieren können. Interessierte können einen Probetermin vereinbaren.
Ob ein reiner Frauenkurs auch eine Option für Karin wäre, will ich zum Schluss wissen. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Nee, ich bleibe auf jeden Fall bei meinen Jungs!“
Nähere Informationen zum Training erteilt Selcuk Dönmez unter der Rufnummer 02052/ 80 022 63.

Autor:

Beatrix von Lauff aus Essen-Ruhr

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