Svea Streckert: Kopfüber zum Erfolg

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Svea Streckert: Kopfüber zum Erfolg!
 
Svea Streckert bei einer Übung im Rhönrad. Trotz ihres Titel als Mono Wheel-Weltmeisterin bleibt sie dem klassischen Rhönrad weiter treu.
 

Rhönradturnerin Svea Streckert: Diese Ärztin kennt keine Grenzen...


Svea Streckerts holte sich nicht nur den Weltmeistertitel bei den 10. Rhönrad-Weltmeisterschaften in Chicago in der Disziplin Mono Wheel, sondern wurde dafür auch mit dem Titel Essener Sportlerin 2013 ausgezeichnet. Doch auch 2014 blieb die junge und ambitionierte Sportlerin nicht untätig.

Niemand, auch Svea Streckert selbst, hätte ahnen können, dass die Turnerin 2013 erste Weltmeisterin in der Disziplin Mono Wheel werden würde. In Chicago wurden erstmalig Weltmeistertitel in dieser Disziplin vergeben - Vergleichsmöglichkeiten gab es im Vorfeld daher nicht. Der Gewinn des Weltmeistertitels und der Goldmedaille kamen für Svea, da sie gerade ihre amerikanische Konkurrenz viel stärker eingeschätzt hatte, deshalb völlig unerwartet. Vielleicht auch, da ihr sportlicher Werdegang nicht ganz hindernisfrei verlief.
In Witten beim TuS Bommern fing alles an. Die Turnhalle des Vereins lag in der Nähe von Sveas Zuhause und viele ihrer Freundinnen waren bereits der dortigen Rhönradgruppe beigetreten. So entschied sich Svea mit sechs Jahren das Rhönradturnen mal auszuprobieren. Aus dieser eher zufälligen Begegnung wurde für sie letztlich eine Passion. Acht Jahre lang blieb sie dem Sport und dem TuS Bommern treu, doch dann löste der Verein die Rhönradgruppe auf. Für die damals 14-Jährige Svea gab es keine Möglichkeit, ihren Sport weiter auszuüben und so folgten sechs rhönradfreie Jahre.
Sportlich gesehen pausierte die junge Athletin, doch natürlich ging ihr Leben weiter. Nach dem Abitur verschlug sie ihr Wunsch, Medizin zu studieren nach Essen. Hier machte sich Svea nicht nur daran, ihren Berufstraum zu verwirklichen, sondern fand mit der SG Heisingen auch einen Verein, in dem sie ihren alten Lieblingssport wieder praktizieren konnte. Doch sechs Jahre einen Sport nicht auszuüben heißt auch, vor ganz neuen Herausforderungen zu stehen. Das Niveau hatte sich gesteigert und neue Disziplinen wie das Springen waren hinzugekommen. Besonders stolz ist Svea deshalb auch auf ihren Titel als Deutsche Vizemeisterin im Spiraleturnen, den sie ebenfalls im letzten Jahr ergattern konnte. „Die Spirale ist meine Lieblingsdisziplin und da mit der Spitze mithalten zu können, obwohl ich so lange Zeit ausgesetzt habe, war besonders schön“, schwärmt sie.

Im Kreis drehend durchstarten


Seit ihrem zweiten Karrierestart ist Svea nicht mehr nur mit dem Rhönrad aktiv, sondern entdeckte auch das Mono Wheel für sich. Das Mono Wheel ist eine Variante des Rhönrads, sieht aus wie ein zu groß geratener Hula-Hoop-Reifen und ist weitaus kippeliger als das klassische zweirädrige Rhönrad. Im Rahmenprogramm der Rhönrad-Weltmeisterschaft 2011 in Arnsberg fand eine Show mit Mono Wheel-Artisten statt und Svea war sofort begeistert von den neuen Möglichkeiten, die das Sportgerät bietet: „Es ist einfach innovativ und hat noch viel Potential und Luft nach oben“, erklärt sie ihre Leidenschaft für das Mono Wheel. Das sie nur zwei Jahre später als Mono Wheel-Weltmeisterin aus den USA zurückkommen sollte, ahnte sie da bestimmt noch nicht. Sicherlich kam ihr die langjährige Wettkampferfahrung aus dem Rhönradturnen zugute. Die letzten Jahre hat Svea Streckert sechs Tage die Woche trainiert, war nebenbei selbst als Trainerin tätig und hat vor der WM extra Tango-Tanzstunden genommen. Svea Streckert selbst sieht noch einen Grund für ihren Erfolg: „Die meisten Mono Wheel-Turner sind Artisten und keine klassischen Turner. Artisten sind es eher gewohnt, ihre Show vorzuführen, als um Punkte zu kämpfen.“

„Ehrgeizig, zielstrebig und strukturiert“


Welche Gründe es auch für ihren Weltmeister-Titel gegeben haben mag, ihre sportliche Leistung hat dabei sicherlich die Hauptrolle gespielt. Noch viel beachtenswerter wird ihr Erfolg jedoch, wenn man weiß, was Svea neben dem Turnen sonst noch alles geschafft hat. Neben der sportlichen Karriere auf Höchstleistungsniveau studierte sie zusätzlich Medizin, schrieb ihre Doktorarbeit und absolvierte das Praktisches Jahr (PJ). Auf die Frage, welche drei Worte sie am besten beschreiben, antwortet sie: „Ehrgeizig, zielstrebig und strukturiert“. Dass sie diese Eigenschaften tatsächlich besitzt, wird spätestens deutlich, wenn man ihre Aussagen vom Anfang des Jahres heranzieht.
Nach ihrem Weltmeistertitel war ihre weitere Zukunft noch ungewiss. Sie wollte sich zunächst auf ihre 2. Ärztliche Prüfung („Hammerexamen“) konzentrieren, danach erstmal in die USA fahren, um ihre bei der WM neu gewonnenen Freunde zu besuchen und plante, als Trainerin weiterzumachen und aktiv den Rhönradsport zu unterstützen sowie populärer zu machen. Mittlerweile ist das 2. Examen bestanden und Svea Streckert vollwertige Ärztin. In den USA hat sie eine schöne Zeit verbracht und dort viele ihrer ehemaligen WM-Konkurrenten getroffen. Als Trainerin hat sie ihren Beitrag dafür geleistet, dass sich drei Heisinger Turnerinnen für die deutschen Meisterschaften in Rhönrad qualifiziert haben (Tami und Finja Süßelbeck sowie Paula Stennes). Nebenbei unterstütze sie ihre „Zweitmama“ und Trainerin Stefanie Jochem dabei, die vorhandenen Cyr Wheel Wertungsbestimmungen zu überarbeiten und für deutsche Wettkämpfe anzupassen. (Mittlerweile wurde vom Internationalen Rhönradturn-Verband der Name des Mono Wheels in „Cyr Wheel“ geändert.) Seit einigen Monaten ist Stefanie Jochem nämlich verantwortlich für die Entwicklung des Cyr Wheel-Turnens. Gemeinsam mit Svea Streckert veranstaltete sie im Juni einen Workshop für Sportler, Trainer und Kampfrichter. „Der Lehrgang war sehr schön und ein großer Erfolg“, berichtet Svea, „Es waren viele interessierte Turner und Kampfrichter anwesend. Bei der Kampfrichterschulung kamen auch viele neue Ideen für die weitere Verbesserung der Wertungsbestimmungen auf.“ Unter anderem haben so auch Sveas Ideen dafür gesorgt, dass der Katalog der Wertungsbestimmungen von Stefanie Jochem nochmals angepasst wurde. Die neuen Bestimmungen gelten bereits seit August.
Alles, was sich Svea Streckert vorgenommen hat, hat sie bisher auch umgesetzt. Ihren Weg geht die Weltmeisterin so konsequent, weil sie tatsächlich viel Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und Strukturiertheit besitzt. Doch sie weiß, dass dies nicht der einzige Grund für ihren Erfolg ist, denn sie wird nicht müde zu erwähnen, wie dankbar sie für die Unterstützung durch ihre Familie, Freunde sowie ihren langjährigen Freund (mittlerweile sind beide sogar verlobt) und besonders ihrer Trainerin Stefanie Jochem ist. Eine Weltmeisterin mit großem Herz eben!
Sicherlich wird man von Svea Streckert noch viel hören, dann allerdings mit neuem Nachnamen.
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