Braucht der Mensch ein Lebenselixier?

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Braucht der Mensch ein Lebenselixier?
Das Café philosophique in Essen-Steele am 3. Januar 2016, 11-13 Uhr
Sokrates und die alchemistische Lebensform

Aus einer neujährlichen euphorischen „Schnapslaune“ wählten die Gäste des Cafés den Themenvorschlag eines Herrn J. Sch., der dieses Thema schon oft vorgeschlagen hatte. Leider hatte sich J. Sch. noch nie mit der Wort- und Begriffsgeschichte von Elixier auseinandergesetzt. Sein Lebenselixier ist musikalische Dauerberieselung aus dem Radio und Urlaubmachen sooft wie möglich im Jahr.
Das Doppelwort „Lebenselixier“ ist seit der Mitte des 19.Jh. belegt und bezeichnet einen Trank mit mirakulösem Nimbus, der lange Jugend, lange Schönheit und langes Leben verspricht und angeblich auch in vielen Fällen gewährt. Das Wort „Trank“ kann auch im übertragenen Sinn gebraucht werden.
Man darf nicht vergessen, dass das Wort Elixier einem antik-mittelalterlichen-(frühneuzeitlichem) Weltbild entstammt, der Alchemie, der Kunst der Metallverwandlungen mit Hilfe der kosmischen Urelemente Feuer, Wasser, Luft und Erde. Das Wort „Elixier“ ist im Deutschen seit dem 16. Jh. (Reformation, Gegenreformation, Humanismus) als elixir belegt. Im Mittellateinischen ist es seit dem 13. Jahrhundert (Hochscholastik, beginnender Nominalismus) als elixirium belegt. Dieses Wort ist aus dem Arabischen „al-iksir“ entlehnt worden. Es bedeutet dort „Droge, Stein der Weisen“,. wörtlich „trockene Substanz mit magischen Energien“ Dem Arabischen liegt das späte Altgriechische “xerion“ (trockenes Heilmittel) zugrunde. (xeros = trocken)
Wer sich mit der alchemistischen Lebensform auseinandersetzen möchte, der sei verwiesen auf Al-Ghazali (1058-1111), Das Elixier der Glückseligkeit (Diedrichs Gelbe Reihe)(Erneuerung der orthodoxen sunnitischen Religionsphilosophie durch Integration sufistischen Gedankengutes, eigenes mystisches Erleben), Paracelsus (1493- 1541) Mikrokosmos und Makrokosmos, 2004 .(Auseinandersetzung mit Basler Reformatoren, Das Schlagwort: Die Dosis macht das Gift, Alternativmediziner), E.T.A. Hoffmann (1776-1822), Die Elixiere des Teufels, 1815/6 (beispielhafter Roman der „Schwarzen Romantik).
Ein Elixier ist also ein geistig-materielles Gebräu, das, wenn man es zu sich nimmt, einen nüchternen, trockenen und geerdeten Humor(ursprünglich: Körpersaft) verleiht, mit dem Religionen, Philosophien, Theologien, Weltanschauungen und andere Lebensformen innerlich und wertkonservativ gewandelt und erneuert werden können, damit in einem Vorgriff das künftige Leben in Fülle gelingt. Trocken geerdeter Humor schenkt nüchterne Unterscheidungskraft. Zum Beispiel unterscheidet er bei Lebensmitteln zwischen Nahrungs-, Genuss-, Heil-, Enhancement- und Rauschmitteln (Hier gilt die Regel der Alchemisten; Die Dosis macht das Gift!) Mit dieser Unterscheidung im Kopf blickt man skeptisch auf die Entwicklungen der heutigen Pharma-Industrie, die aus einem Contraceptivum („Anti-Baby- Pille) ein Life-Style-Dragee mit Nebenwirkungen machen (aktuelle Klage gegen BAYER).
Zur weiteren Lektüre (d.h. hier: zum aufmerksamen Schmökern) sei empfohlen:
C.G. Jung(1875-1961), Paracelsus, 2002.
P. Coelho, Der Alchemist, Zürich 2000.
J.K. Rowling, Harry Potter und der Stein der Weisen, Hamburg 1998.

Karlheinz H, Keukens
Philosophische Praxis Essen
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