Gelungener Auftakt der Vortragsreihe „WAZ Wissen“

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  Essen: Haus der Technik | Fast ausverkauft war der Auftakt der neuen Vortragsreihe im Essener Haus der Technik. Bis Jahresende stehen acht hochkarätige Referenten auf der Bühne und vermitteln den Zuhörern Wissen für Beruf und Privatleben. Den Auftakt machte der Essener Knigge-Experte Dr. Hans-Michael Klein. Er informierte über Knigge, Stil und Etikette. Die Zuhörer nutzten die Möglichkeit, dem bekannten Buchautor und Vorsitzenden der Deutschen Knigge-Gesellschaft ihre Fragen zu stellen. Dr. Klein bewies Sachkunde und Humor und überzeugte das Publikum mit seinem rund zweistündigen Vortrag. Mit Witz und Charme nahm Dr. Klein den Kampf gegen „Knigge-Neandertaler“ auf und gab jede Menge alltagstaugliche Tipps.

„Ich bin der Herr Dr. Klein“, begrüßte der Referent sein Publikum, um gleich zu einem Quiz überzuleiten, bei dem es galt die drei Fehler des Referenten in den ersten Sekunden zu erkennen. Während manche Knigge-Verstöße wie die Vorstellung mit Doktortitel oder der Artikel vor dem Namen schnell auffielen, waren andere Aspekte der Benimm-Lehre komplizierter. So erklärte Dr. Klein, dass die Sitte vor Redebeiträgen zur Gewinnung der Aufmerksamkeit ans Glas zu klopfen, heute als Unsitte gilt. Auch das Räuspern oder Klopfen auf ein Mikrofon ist nicht mehr angesagt. Vielmehr gewinnt man gemäß Knigge-Regeln die Aufmerksamkeit durch Aufstehen und Charisma. Tischsitten, Dresscode und Begrüßungsrituale sind drei große Themen bei allen Knigge-Seminaren. Eine Vielzahl von Tipps konnten die Gäste des Vortrags der Reihe „WAZ Wissen“ bereits mitnehmen. So erfuhren Sie, dass die Krawatte am oberen Rand der Gürtelschnalle enden soll und der Gürtel so lang sein soll, dass neben dem Dorn noch zwei Löcher hervorschauen.

2,5 cm dürfen Spaghetti maximal von der Gabel herabhängen, so Dr. Klein, der über manche Knigge-Regel schmunzeln musste. Gemacht werden Knigge-Regeln vom in Bielefeld beheimateten Arbeitskreis Etikette International e.V.. Mitglied in diesem Verein, der sich in der Tradition des Freiherrn von Knigge sieht, sind Tanzlehrer, die einmal im Jahr die Knigge-Regeln überarbeiten und dabei als eher konservativ gelten. Beim Jacket mit zwei Knöpfen schließt man den oberen. Bei drei Knöpfen schließt man die Mitte und auf Wunsch auch den oberen. Die Manschette sollte zwei Zentimeter aus dem Ärmel des Jacketts hervorragen. Und Jacketts mit vier Knöpfen gehören genau wie Krawattennadeln in die Kleiderspende. „Eigentlich war Knigge gar kein Benimm-Onkel“, berichtete Dr. Klein über den Namensgeber seiner Akademie. Das Buch des Freiherrn über den Umgang mit Menschen wurde von anderen Autoren erweitert und hat sich so mit der Zeit zur Benimm-Fibel gemausert. In der steht nicht nur, dass der Zweireiher immer geschlossen bleiben muss, sondern auch dass das Sakko da endet, wo die Finger beginnen, und dass Frauen im Business stets blickdichte Strümpfe und damit auch geschlossene Schuhe tragen sollen.

In gewisser Weise ist Knigge Geschmacksache. Was in Mailand und Paris angesagt ist, muss nicht das Gefallen der Knigge-Vertreter in Bielefeld finden. So sollen Schuhe und Socken immer eine Schattierung dunkler getragen werden als der Anzug. Auch für die Kommunikation empfiehlt der Knigge-Arbeitskreis klare Regeln. Statt dem einstigen Zofen-Wunsch „Guten Appetit“ soll bei Tisch nur noch genickt werden. Statt „Gesundheit“ zu wünschen, soll sich der Niesende entschuldigen. Und statt „Prost“ ist nun „zum Wohl“. Laut Knigge-Arbeitskreis ist Anstoßen anstößig und nur zum Jahreswechsel angemessen.

Mit einer Freiwilligen aus dem Publikum führte Dr. Klein anschließend durch die Klippen eines Restaurantbesuchs. Dabei erklärte er, wer beim Betreten des Restaurants vorangeht, wer wem die Jacke abnimmt und wie man optimal am Tisch sitzt. Deutlich machte Dr. Klein, dass in Knigge-Fragen zwischen privat und Business unterschieden wird. Während Frauen bei privaten Veranstaltungen wie Hochzeiten bei der Begrüßung sitzen bleiben dürfen, gilt „Ladys first“ im Business nicht mehr. Bei der Frage nach dem Duzen entscheidet ausschließlich die Hierarchie. Bei Gesprächspartnern auf gleicher Ebene kommt als Kriterium die Betriebszugehörigkeit hinzu. Tipps zur korrekten Anrede, zum Naseputzen in der Öffentlichkeit und zum Umgang mit Suppentassen und –tellern rundeten den Vortrag ab. Nach rund zwei Stunden machten sich die Gäste auf den Weg nach Hause – ausgestattet mit vielen wertvollen Informationen für ihr berufliches und privates Auftreten.

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2 Kommentare
5.161
Jan Kellendonk aus Bedburg-Hau | 16.05.2012 | 08:36  
5.161
Jan Kellendonk aus Bedburg-Hau | 19.05.2012 | 19:33  
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