Münster kulinarisch entdecken

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  Rund eine Stunde nördlich des Ruhrgebiets liegt Deutschlands Fahrradhauptstadt Münster. Auf jeden der 280.000 Einwohner der Großstadt kommen rein rechnerisch zwei Fahrräder. Münster, das ist auch die Stadt des Westfälischen Friedens. Die große Universitätsstadt im dünn besiedelten Münsterland. Und es ist nach einer Untersuchung aus dem Jahr 2004 eine der lebenswertesten Städte der ganzen Welt. Vier Kilometer lange, parkähnliche Wallanlagen umschließen die Stadt mit ihren zahlreichen historischen oder nach dem Krieg im historischen Stil wieder aufgebauten Gebäuden. Stadtführerin Maren Kampmann lädt seit April 2011 dazu ein, das Münsteraner Kreuzviertel bei einem kulturell-kulinarischen Stadtrundgang zu entdecken.

Klassische Stadtführungen bietet Maren Kampmann schon viele Jahre an. Doch als sie in Berlin an einer kulinarischen Tour des Anbieters „Eat the World“ teilnahm, war sie so begeistert, dass die leidenschaftliche Münsteranerin eine eigene Tour für ihre Heimatstadt entwickelte. Zweimal pro Woche führt Kampmann seitdem kleine Gruppen durch die Stadt und zeigt Orte, die selbst Einheimische selten gesehen haben. Sieben kulinarische Kostproben in alteingesessenen Betrieben kitzeln den Gaumen und zeigen, dass es sich auch kulinarisch lohnt eingelaufene Wege zu verlassen. Die Tour beginnt gegen Mittag an einer Brücke über die Aa. Einst teilte der Fluss die beiden Siedlungsschwerpunkte Überwasserviertel und Domhügel und war zugleich natürliche Trennung zwischen einer sächsischem Siedlung und dem Wirkungskreis des Missionars Liudger. Was heute ein sanft dahinfließendes Gewässer ist, war einst Wasserversorgung und Kanalisation zugleich. Nicht ohne Grund begannen die Münsteraner das oft ungenießbare Wasser in mehr als 50 Altbierküchen in Gerstensaft zu verwandeln. Eindrucksvoll ist nicht nur der Dom, sondern auch die nur einen Steinwurf entfernt liegende gotische Überwasserkirche. Die gehörte einst zu einem adligen Damenstift, in dem reiche Frauen für begrenzte Zeit ein klosterähnliches Leben führten.

In unmittelbarer Nähe der Kirchen blickt die familiengeführte Fischbrathalle auf eine über 80jährige Tradition zurück. Qualität und Service stehen bis heute im Mittelpunkt der 1926 eröffneten Halle, bei der eindeutig die Speisen im Mittelpunkt stehen. Milder und zarter Lachs, gut gewürzte Flusskrebse und viele andere Köstlichkeiten stehen auf der Speisekarte. Veganer und Vegetarier finden bei der nächsten Station im Kuhviertel ihr Paradies. Täglich frisch zubereitete Köstlichkeiten zeigen, dass gesunde und schnelle Küche kein Widerspruch sein müssen. Dazu schmeckt hervorragend ein frisches Bier. Doch von einst 150 Brauereien, die es einst in Münster gab, ist nur noch eine übrig geblieben. Die braut neben Altbier zwölf weitere Spezialitäten und verdankt ihren Namen einer besonderen Begebenheit. Der Legende nach versprach Brauereigründer Müller seinen Freunden eine Gaslaterne auf unkonventionelle Weise zu löschen und bekam dafür den Beinamen „Pinkus“, der bis heute die älteste Bio-Brauerei der Welt ziert. Ausgeschenkt wird das Bier auch im studentischen Ausgehviertel rund um die Kreuzstraße. Die zahlreichen Kneipen entstanden nachdem ein auswärtiger Student einst vor dem langweiligen Münster warnte. „Hüte dich vor Münster“, schrieb er und prägte damit den Namen der „akademischen Bieranstalt“ Cavete. Wenige Häuser weiter liegt „Die Ziege“. Mit 12 Quadratmetern ist die Kneipe eine der kleinsten der Welt.

Doch nicht nur kulinarische Genüsse gehören zu Münster. Einst entstand in den Elendsvierteln von Münster ein außergewöhnlicher regionaler Dialekt. Masematte wurde hauptsächlich von Männern gesprochen und besteht aus rund 500 Wörtern, die die soziale Unterschicht bei Handel und Geschäften gegenüber Außenstehenden verbal abschirmten. Ein eigenes Wörterbuch sorgt dafür, dass man die fast vergessene Sprache heute noch nachschlagen kann – und dabei durchaus Begriffe entdeckt, die in der Umgangssprache überlebt haben. Erhalten geblieben ist ein die ganze Innenstadt umfassender und mit Bäumen bepflanzter Ring an der Stelle der einstigen Stadtbefestigung. Heute gilt die Promenade mit ihren 4.000 Linden als Radler-Highway. An manchen Stellen werden pro Stunde mehrere tausend vorbeifahrende Radfahrer gezählt.

Viel entspannter geht es im Kreuzviertel in einer heimeligen Kaffeerösterei zu. Wo einst die schwarzen Bohnen veredelt wurden, ist heute Platz für Torten, Kuchen und Suppen – und natürlich Kaffeespezialitäten aus Münsteraner Röstung. In einem anderen Kaffee lädt eine dem Jugendstil nachempfundene Einrichtung zum Verweilen ein. Suppen und Quiches aus biologischem Anbau stehen zur Mittagszeit auf der Speisekarte, während an manchen Samstagen ein Pianist für Unterhaltung sorgt. An den Wänden hängen von der Cafébesitzerin gestaltete Kunstwerke. Während man mit Maren Kampmann durch Münster streift, entdeckt man zudem die älteste Pizzeria der Stadt und ein Café, das sich ganz dem Dessert verschrieben hat. In drei Stunden entdeckt man Münster von einer neuen Seite. Das ganze Jahr über bietet Maren Kampmann mit ihren beiden Kollegen geführte Touren durch ihre Heimatstadt an. Für 30 Euro (Kinder 15 Euro) lernt man die Stadt auf angenehme Weise kennen, genießt sieben Kostproben, die durchaus einem Mittagessen entsprechen, und erfährt eine Menge über Geschichte, Architektur und Restaurants.
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