Trommeln in Freisenbruch: "Die Rhythmen lebendig halten!"

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  Essen: Antoniusschule |

Heute ist alles anders. Als ich zuletzt - im Winter 2010 - die Trommler von der Antoniusschule besuchte, da begrüßte mich Daniel Bazanta mit einem strahlenden Lächeln. Erzählte von Musik im Allgemeinen, der Arbeit mit den Kindern und untermauerte viel Gesagtes mit Trommelklängen. Getrommelt wird immer noch, aber ohne Daniel Bazanta. Im Musikraum liegt auch wieder (Trommel-)Musik in der Luft - aber auch große Trauer.

Trommeln, das ist etwas für Jung und Alt. Und: Man kann‘s ganz flott - zwar muss an Feinheiten gefeilt werden, aber man kann schon in der ersten Stunde mitmachen. Das begeistert an der Antoniusschule seit mehr als 13 Jahren die Menschen. Denn nicht nur Kinder schnappen sich hier die Congas, auch einen Erwachsenen-Kurs gibt es.
Die Freude an der Musik hat ihnen allen Daniel Bazanta vermittelt. Der große kolumbianische Musiker, Musiklehrer und Kulturvermittler. Der, mit der Löwenmähne und dem großen Herzen, das am 13. März 2012 aufhörte zu schlagen.
Der plötzliche Tod ihres Trommlers, der immer versuchte, alle zwei Wochen aus dem heimischen Münster nach Freisenbruch zu kommen, riss eine große Lücke in die Schulgemeinschaft. Die spürt man noch heute. Es fehlt ein Gesicht. Dieses Lachen...
Doch ein neues Gesicht ist an der Antoniusschule angekommen: Dorothee Marx ist die Witwe von Daniel Bazanta. Heute hat sie die Trommeln ausgepackt. Aber nicht nur heute! Schon seit dem Sommer des Vorjahres kommt sie monatlich an die Grundschule, setzt das fort, was ihr Mann 13 Jahre lang aufgebaut hat. „Das war schon ein großer Schritt“, sagt sie. Denn, eine Lücke zu füllen, dass sei sehr schwer. Sie habe aber schnell gemerkt, dass man hier nichts füllen muss, man trauert eher gemeinsam.
In Freisenbruch trommelt man jetzt weiter, um dem großen Daniel Bazanta ein lebendiges Andenken zu setzen. „Das hat er so gewollt, dass alle weitermachen. Durch das, was wir tun, halten wir seine Rhythmen lebendig und sie verstummen nicht“, sagt Dorothee Marx. „Wir sind sehr glücklich, dass Dorothee den Schritt gemacht hat und heute mit uns trommelt“, freut sich Clarissa Waclawek, Schulleiterin der Antoniusschule. Wer sonst auch sollte das Werk des smarten Kolumbianers besser weiterführen, als seine ehemalige Schülerin?! Dorothee Marx lernte Daniel Bazanta schon 1980 kennen - später lieben. Er brachte sie an die Trommel, denn eigentlich spielte die Sängerin Geige und Bass. „Ich habe mich wirklich lange dagegen gesträubt. Ich sollte bei einem Kollegen in die Lehre gehen?“, erinnert sie sich. Doch dann packte sie das Trommelfieber. „Ich habe Workshops von Daniel besucht und mich von seiner feinen, filigranen Art musikalisch verzaubern lassen“, schwärmt sie und ihre Augen füllen sich mit Tränen. „Daniel war ein Meistertrommler!“
Ein Meister seines Faches, aber auch ein Top-Lehrer. Marx lernte nämlich vor allem, dass sie zu hohe Ansprüche an sich selbst hatte. „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, weiß sie heute. Als Lehrerin verlangt sie keine Perfektion von ihren Schülern. Unterrichtet wird - wie bei Bazanta - in Trommelsprache. „Die Leute sollen ausprobieren, erfahren und merken, dass es ganz einfach ist“, beschreibt Dorothee Marx. Noten gehören der Vergangenheit an und das ist auch gut so, findet die Trommlerin. „Man könnte auch andere Instrumente so erlernen“, ist sie sich sicher und stellt noch einen weiteren Vorteil heraus: „Vom ersten Moment an kann man aktiv mitmachen.“
Aber nicht nur das: Das Trommeln in der Gruppe sei für alle ein großartiges Gesamterlebnis, von dem man viel mitnimmt. Denn beim Trommeln ist jeder gleichwertig. Egal ob Solist oder Neueinsteiger. Das hat den Trommlern der Antoniusschule auch immer Daniel Bazanta gezeigt. Mit einem strahlenden Lächeln! Clarissa Waclawek kannte Dorothee Marx vom jährlichen „Karneval der Kulturen“ in Bielefeld. Hier traf man sich auch nach dem Tod Bazantas wieder. Heute teilen alle gemeinsam die Freude am Trommeln und die Trauer um den Verlust von Daniel Bazanta. „Wir können zusammen weinen und lachen“, freut sich Dorothee Marx, die heute glücklich ist, die Einladung nach Freisenbruch angenommen zu haben.
Und plötzlich ist es auch wieder da, das strahlende Lachen, das den Raum erfüllt. Das zeichnet auch Dorothee Marx aus, wenn sie voller Lebensfreude die Trommel spielt.
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