Volkshochschulhirne und ihr Ich-Bewusstsein

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Volkshochschulhirne und ihr Ich-Bewusstsein


Im Essen-Steeler Café philosophique am17. Januar 2016 ging es um die Integration der Hirnforschung in die philosophy of mind, die unpräzise mit Philosophie des Geistes übersetzt wird.
Die philosophy of mind behandelt die Fragen: Kann der menschliche Geist naturalisiert werden, in eine tierische Ahnenreihe gestellt werden, wie weit ist Leben aus Materie entstanden? Wie weit sondert das menschliche Gehirn Ideen mit geistig-seelischem Gehalt ab? (Ein Extrem; Ideen verhalten sich zum Gehirn wie die Galle zur Leber und der Urin zur Niere!) Ist die res cogitans gleichzeitig auch immer eine res extensa (Vokabular des René Descartes)? Lässt sich das Ich in einem Hirnareal lokalisieren?
Die Hirnforschung kann mit ihren bildgebenden Verfahren das „Neuronenfeuer“ darstellen, das geschieht, wenn eine Person z.B. Schach spielt. Von der Neurobiologie ist der Evolutionsgedanke in die Hirnforschung eingedrungen. Es hat sich daraus eine Evolutionspsychologie entwickelt, die gerne mit den bildgebenden Verfahren (MRT) arbeiten würde. Wie weit macht sich in einem männlichen Volkshochschulhirn das Hirn eines steinzeitlichen Mammutjägers bemerkbar, wenn er dem Diskurs einer Dame zuhören soll, die nicht mehr im gebärfähigen Alter ist? So kann Sigmund Freuds Idee vom Unbehagen in der Kultur praktisch unendlich ausgesponnen werden.
Andererseits hat die philosophy of mind auch das Erbe des Idealismus zu verwalten. Wie weit ist das Wort „Naturalismus“, „Materialismus“ die Begriffskonstruktion eines menschlichen Geistes, der selbst teil an einem „übernatürlichem“, „göttlichem“ und „absolutem“ Geist hat?
Selbstdarstellungen des sich selber denkenden Geistes sind Kunstwerke, die durch Kunstwerke einer späteren Zeit nicht überholt werden können. Die Hirnforschung mit ihren bildgebenden Verfahren und die Evolutionspsychologie sind legitime und richtige Frageansätze. Doch ihre interpretierenden Antwortversuche sind irrtumsanfällig. Man muss aber zwischen neurobiologischen und sachlogischen Denkfehlern unterscheiden. (Ein neurobiologischer Denkfehler: Russische KGB-Agenden tarnen sich als Zeugen Jehovas und beobachten den Berichterstatter, wie er zum Kaiser-Otto-Platz geht, um nachzusehen, ob der Eissalon Fabris schon wieder geöffnet hat- Ein Fall für den Psychiater, der Verfolgungswahn diagnostiziert, der durch Einnahme von bestimmten Psychopharmaka geheilt werden kann -. Ein sachlogischer Fehler wäre die Aussage, dass die Zusammenarbeit zwischen Bundes- und Landespolizei nicht verbessert werden könne.)
Der Besucher eines Café philosophique hat in Freiheit der Idee eines lebenslangen Lernens zugestimmt, das sich in einer Veranstaltung konkretisiert, deren Moderatoren sich einem Anti-Guru-Ideal (Odo Marquard) vwerpflichtet fühlen, Eine solche Veranstaltung ist deshalb anti-esoterisch und antifundamentalistisch. Das spezifische Unbehagen in einem solchen Café geschieht also dann, wenn man zu spüren vermeint, dass gegen das Anti-Guru-Ideal irgendwie verstoßen wird.

Weiterführende Literatur: Markus Gabriel, Ich ist nicht Gehirn, 2015.

Karlheinz H. Keukens
Philosophische Praxis Essen
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