Von den Besten profitieren mit Digital-Therapeutin Anitra Eggler

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  Essen: Haus der Technik | Anitra Eggler trug ein hell-blaues Tshirt. Auf diesem stand in fetten, weißen Buchstaben geschrieben: „Mail halten“. Die Anspielung auf das schöne „Maul halten“ brachte einige der Gäste zum Schmunzeln. Anitra Eggler ist 360°-Kommunikationsexpertin sowie Marketing- und Medienberaterin. In ihrem Vortrag in Rahmen von „Von den Besten profitieren“ referierte sie zum Thema „Überkommuniziert, aber uninformiert?“. Heutzutage, so Eggler, sei die geistige Festplatte bei vielen Menschen übermäßig voll. Schuld daran seien der E-Mail-Wahnsinn, das Sinnlos-Surf-Syndrom, die Meeting-Malaria und die Präsentations-Pest. Wer nicht aufpasse, gehe durch all dies kaputt. Wie sieht es aus bei den Managern? Eggler sprach bei ihrem Vortrag über das Attention-Deficit-Syndrom und über die Wege zur Verbesserung der eigenen Produktivität, der eigenen Motivation und der seiner Mitarbeiter.

Im Jahre 1984 wurde die erste E-Mail verschickt. Was ist seitdem passiert? Eine gewisse Zeit am Tag verbringt man nun damit, ungewünschte E-Mails zu löschen. Weitere Zeit verbringt man damit, andere elektronische Nachrichten zu bearbeiten und sich wahrscheinlich dabei oder danach noch darüber zu ärgern. Wo bleibt da die Zeit für innovative Gedanken? Wann kann man Öffnungszeiten für sein E-Mail-Postfach festlegen ohne direkt die Kündigung zu kassieren? Immer mehr Menschen sind wachsamer geworden. Sie merken, dass (zu viele) E-Mails nicht gut tun. Sie gehen unter in der Flut an Nachrichten und fühlen sich immer nur noch halb informiert. Die Menschen haben gelernt, dass sie eine Turbo-Reaktion zeigen müssen, um auf Ballhöhe zu bleiben. Menschen haben Angst, etwas zu verpassen wenn sie nicht online sind. Wer keine Push-Nachrichten bekommt, fühlt sich heutzutage schnell minderwertig. Man ist nirgendwo mehr richtig, weil man immer und überall Multitasking-fähig sein muss und man schon beim nächsten Schritt ist, um sich nicht zu disqualifizieren. Ist Multitasking Körperverletzung? Wo soll das hinführen? Der Kollege hat vor einer Minute eine E-Mail geschickt und fragt jetzt nach, ob er mal eben die ersten Gedanken haben könne. Der Chef schickt am Sonntag-Nachmittag To-Do-Listen und verweist darauf, dass er gerne alles am Montag bearbeitet haben will. Das alles bedeutet Stress! Stress macht krank. Überall spricht man vom Burn-out. Das Handy wird zum Organ. Erst abends kommt man dazu, sich langen Textnachrichten zu widmen und zu einem strukturierten, aufgeräumten Denken zu gelangen. Was fehlt ist die Zeit für den Partner und die Familie. Anitra Eggler ist Digital-Therapeutin. Sie hat schon bei vielen Menschen den rettenden Anker geworfen. Sie ist gegen den antrainierten zwanghaften Aktionismus und die Kommunikations-Omnipotenz. Sie sprach im Haus der Technik von der sogenannten Zuvielisation und den damit einhergehenden negativen Folgen. An dem spannenden Abend erzählte sie auch von ihren Erfahrungen. Sie hat durch einige Regeln Zeit gefunden, ihren Lebenstraum zu verwirklichen und rät nun allen Menschen, sich nicht von der Kommunikation beherrschen zu lassen, sondern auch mal Nein zu sagen und unerreichbar zu sein. Beachtet der heutige Manager sein Smartphone mehr als seine eigenen Kinder? Was ist noch relevant im Leben und wo spielt sich das wahre Leben ab neben all den Pseudo-wirklichkeiten mit all den Pseudowichtigkeiten? Per se sind E-Mails eigentlich nichts Schlechtes. Die Menschen machen nur etwas Schlechtes daraus, in dem sie nicht portionieren. Viele denken noch: „Ich maile, also bin ich.“ Dabei wird man zum Sklaven der Kommunikation. Unerreichbarkeit ist Luxus. Zeit auch. Wer über seine Zeit frei verfügen kann, kann sich mehr als glücklich schätzen. Doch wer kann das heute noch?
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1 Kommentar
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Jan Kellendonk aus Bedburg-Hau | 02.06.2012 | 10:36  
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