Bestatter - Berufung nicht Beruf! Sondereinsatz für Susanne beim Bestattungshaus Bleines-Wellhardt

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Mit viel Fingerspitzengefühl unterstützt André Müller Angehörige auch bei der Auswahl eines Sarges oder einer Urne.
Essen: Bochumer Landstraße 177 | Wie funktioniert eine traditionelle Gaststätte, was gehört alles in eine gute Wurst und wie organisiert sich ein großes Hotel? Was sich anhört wie die „Sendung mit der Maus“ für Erwachsene finden Sie, liebe Leser, in regelmäßigen Abständen in Ihrem Kurier. Susanne Boiar ist unterwegs und schaut bei ihrem Tagespraktikum hinter die Kulissen. Schauen Sie mit Ihr den Profis über die Schulter - und begleiten Sie die Kurier-Mitarbeiterin auf ihrem „Sondereinsatz für Susanne“!!

VON JULIA COLMSEE

„Menschen die uns anrufen befinden sich immer in einer Ausnahmesituation und sind in den allermeisten Fällen emotional intensiv beteiligt“, erklärt André Müller, Inhaber des Bestattungshauses Bleines-Wellhardt an der Bochumer Landstraße 177. „Wenn ein Angehöriger oder nahestehender Mensch verstirbt, macht sie dieses intensive Gefühl der Trauer häufig hilflos. Wir möchten in dieser Zeit und darüber hinaus eine wertvolle Hilfe sein. Eines ist mir dabei sehr wichtig: Wir nehmen uns Zeit.“ Was genau er damit meint, erklärt André Müller so: „Unsere Kunden geben das Tempo vor. Daher lautet eine unserer ersten Fragen immer: Wann sollen wir kommen? Wir drängen die Familie zu nichts. So haben die Angehörigen ausreichend Zeit, sich von dem Verstorbenen zu verabschieden. Früher war das ja durchaus üblich. Und wer glaubt, dass die Menschen heute den Tod lieber früher als später aus ihrem Zuhause verbannen möchten, der hat meiner Meinung nach nie nachgefragt. Wir haben da andere Erfahrungen gemacht!“
Kurier-Mitarbeiterin Susanne Boiar ist heute zum Tagespraktikum im Bestattungshaus Bleines-Wellhardt angetreten. Inhaber André Müller nimmt sie freudig in Empfang! Bestatter - über viele Jahrzehnte ein Beruf, in den man „hineingeboren“ wurde. „Das stimmt. Erst seit 2003 gibt es den Ausbildungsberuf ‚Bestattungsfachkraft‘. Ich komme allerdings noch aus einer traditionellen Bestatter-Familie. Mein Vater betreibt seit 1948 ein Beerdigungsinstitut in Holsterhausen - den Umgang mit trauernden Menschen und dem Tod habe ich von Kindesbeinen an miterlebt und daraus gelernt - damit bin ich groß geworden. Der Tod gehört zum Leben!“
Vieles sei früher noch ganz anders gewesen. „Mein Vater hat damals - übrigens genauso wie ich - besonderen Wert darauf gelegt, persönlich erreichbar zu sein. Und so saß dann tagsüber meine Oma am Telefon und nahm die Gespräche entgegen, wenn mein Vater beispielsweise eine Trauerfeier hatte. Als dann endlich der UKW-Funk und später dann Handys im C- und D-Netz an den Start gingen war das für uns ein unglaublicher Fortschritt!“ Anrufbeantworter hält Müller allerdings bis heute für ein „No-Go“ in seiner Branche. „Sie erreichen uns persönlich 24 Stunden am Tag!“
Das Bestattungshaus Bleines-Wellhardt hat Müller 2004 übernommen - um auf eigenen Beinen zu stehen. Zu seinem Angebot gehören vom ersten Telefonat mit den Angehörigen über die Beratung zu Themen wie Trauerkarten, Friedhof , Blumen und Art der Bestattung bis hin zur Kündigung der Lebensversicherung und Auflösung des Handy-Vertrages viele Dienstleistungen. „Ich möchte den Angehörigen so viel Arbeit wie möglich abnehmen, damit sie sich auf ihre Trauer einlassen können ohne sich mit organisatorischen Dingen zu belasten. Wichtig ist sicherlich ein gewisses Einfühlungsvermögen und Empathie - einfach mal zuhören können! Zu seinem Bestatter muss man Vertrauen haben - bekommt er doch häufig auch sehr private Dinge zu hören!“
Auf Gründlichkeit, fehlerfreies Arbeiten und Respekt legt Müller ebenfalls großen Wert. „Bei einer Bestattungen dürfen einfach keine Fehler passieren! Das ist mit nichts wieder gut zu machen!“ Und häufig machen die kleinen Details den Unterschied. Seine Mitarbeiter verbeugen sich beispielsweise am Transportfahrzeug vor der Abfahrt und bleiben bei der eigentlichen Bestattung in einigem Abstand am Grab stehen - bis zum Ende der Beisetzung. „Das hat sicherlich auch etwas mit Respekt gegenüber dem Verstorbenen und der Familie zu tun. So habe ich das gelernt und genauso erwarte ich es auch von meinen Mitarbeitern!“
Eine Bestattung steht während des Tagespraktikums von Susanne Boiar jetzt nicht auf dem Programm - aber bei der Dekoration der Trauerhalle kann sie zur Hand gehen. „Auch hier richten wir uns natürlich ganz nach dem Wunsch der Familie - viele Verstorbene haben auch ganz konkrete Vorstellungen im Vorfeld geäußert!“ Wer seine eigenen Wünsche in jedem Fall umgesetzt haben möchte, hat die Möglichkeit eine sogenannte Bestattunsgvorsorge-Regelung zu hinterlegen - beim Bestatter und ganz kostenfrei. „Auch Geld für die Umsetzung kann bei uns hinterlegt werden! Manch einer möchte halt bereits zu Lebzeiten vorsorgen.“
„Ein wirklich ungewöhnliches Praktikum“, zieht Susanne Boiar eine Bilanz. „Schon weil man sich mit dem Thema Tod nicht jeden Tag beschäftigt. Was es für Möglichkeiten der Beisetzung gibt hat mich überrascht. Ungewöhnliche Dinge wie eine Waldbestattung im Ruheforst beispielsweise oder eine Urnen-See-Bestattung. Insgesamt ein wirklich beeindruckender Beruf der viel Fingerspitzengefühl erfordert! Oder doch wohl eher eine Berufung!“
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Bodo Kannacher aus Essen-Süd | 17.07.2017 | 23:04  
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