Freisenbruch: Neue Mitte kommt erst 2021

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Das Interesse ist groß: Etwa 100 Bürger fanden Montag den Weg zur Bürgerversammlung zur "Neuen Mitte Freisenbruch". Foto: maschu

Bürgerversammlung brachte neue Erkenntnisse, ließ aber auch viele Fragen offen. Rappelvoll war am Montagabend das "Haus Springob". Wenn Horst und Angela Rzimski zu Events einladen, ist das keine Seltenheit, aber diesmal war die SPD Oststadt der Gastgeber. Und weil die Freisenbrucher so viele Fragen beschäftigen, kamen sie auch en masse. Kein Sitzplatz mehr - selbst an der Theke lauschte man den Ausführungen der geladenen Experten. Und was gab's "Neues"? Ehrliche Worte seitens der Stadtverwaltung, lange Gesichter bei den Bürgern und offene Fragen.

von Mareike Schulz

Fehler habe man 2015 gemacht, als man im September die Pläne für die "Neue Mitte Freisenbruch" vorstellte, räumte Ronald Graf, Leiter des Amtes für Stadtplanung und Bauordnung direkt zu Beginn ein. Denn heute wisse man: Ohne den Sammler Eibergbach kann erstmal nirgends gebaut werden.
Warum? Das konnte Andreas Giga, Fachbereichsleiter Wasserwirtschaft der Stadt Essen erklären. "Es gibt eine Ordnungsverfügung der Bezirksregierung Düsseldorf, die es der Stadt verbietet, so wie bisher Mischwasser in Gewässer abzuleiten. Der Hintergrund ist, dass die Fließgewässer frei von Abwasser werden sollen."
Diese Ordnungsverfügung gibt vor, dass bis 2019 ein neues Abwassersystem angelegt werde und auch - und das verhindert aktuell die Planungen in Bezug auf das Einkaufszentrum - dass bis zur Fertigstellung des neuen Kanalsystems kein weiteres Mischwasser zugeleitet werden darf. "Das verhindert das so genannte Verschlechterungsverbot, das mit der Ordnungsverfügung ausgesprochen wurde", erklärte Giga. Vor allem in diesem Punkt hatten einige Besucher Einwände. Die Fläche, auf der ein Discounter am Sachsenring entstehen soll, liege derzeit brach und das Wasser würde hier ohnehin versickern. "Das stimmt", gab Giga zu, ergänzte aber: "Wenn die Fläche erschlossen wird, fallen durch die versiegelten Park- und Dachflächen mehr Wassermengen an als bisher. Das haben wir durchgerechnet und mussten auch Plan B, erst einmal nur den Discounter zu bauen ad acta legen."
Auch Dieter Schmitz, Fachbereichsleiter des Amt für Straßen und Verkehr, der schon 2015 in Freisenbruch Umbaupläne für den Kreuzungsbereich Rodenseelstraße und Sachsenring vorlegte, muss mit seinen Arbeiten warten. "Die Kreuzung wird nur dann umgebaut, wenn es den Bebauungsplan gibt und der dann auch umgesetzt wird", so Schmitz.
Den neuen Zeitplan stellte Ronald Graf dann auch noch vor und erntete dafür harsche Kritik: "Aktuell beginnen die Stadtwerke mit den Vorarbeiten zum Bauvorhaben Sammler Eibergbach. Wenn hier alles nach Plan läuft, erfolgt die öffentliche Auslegung für den Bebauungsplan Mitte 2018 und die Ausschreibungen können starten. Ein Anschluss an das neue Kanalsystem kann dann ab Ende 2020 folgen, so dass die Gesamtplanung bis 2021 abgeschlossen sein sollte."
Eine ältere Besucherin brachte es auf den Punkt: "Das sind weitere vier Jahre, in denen wir keinen Metzger, keine Nahversorgung hier haben." Und eine andere ergänzte: "Bis 2021 bin ich tot."
Was bleibt nach diesem Abend?

Wer hat was
verpennt?

Viele Fragen und ein komisches Gefühl. Denn: Schon 2014 gab es den Ratsbeschluss, die Ordnungsverfügung der Bezirksregierung umzusetzen. 2015 wurden die Pläne für die "Neue Mitte Freisenbruch" präsentiert und keinem ist aufgefallen, dass der Kanal, der unter dem gesamten Gelände liegt, einer der Kanäle ist, die erneuert werden müssen? Wenn der Rat schon 2014 in dieser Sache Beschlüsse fasste, seit wann liegt die Ordnungsverfügung dann vor? Ein Schelm, der Böses dabei denkt...
Wir haben bei der Stadt nachgefragt und berichten Samstag noch einmal nach!
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2 Kommentare
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 24.01.2017 | 15:09  
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Holger Ackermann aus Essen-Kettwig | 25.01.2017 | 19:23  
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