Pommersche Tradition und Kunsthandwerk

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  Zinnowitz: Seebrücke |

Gründe im Sommer nach Usedomzu fahren gibt es viele. Doch auch im Frühling, Herbst und Winter ist an der deutschen Ostseeküste viel zu entdecken. Neben touristischen Attraktionen, Bäderarchitektur und Kulinarik ist auch das Handwerk ein guter Grund auf der Insel mit jährlich rund zweitausend Sonnenstunden auf Entdeckungstour zu gehen.

Wer in Zinnowitz über die Promenade flaniert, kann die überall am Wegesrand aufgestellten Werke der Holzbildhauer nicht übersehen. Seit mittlerweile elf Jahren hat das Ostseebad die Holzarbeiten als gute Ergänzung zur Bäderarchitektur entdeckt und richtet jedes Jahr im Mai ein Holzbildhauer-Symposium aus. Schöne Werke wie „Lippenbekenntnis“ von Jesco Lange, „Verlassene Haut“ von Paul Brockhage oder „Zeitgeisel“ von Ronny Tschierske stehen nun hinter den Dünen und inspirieren die Besucher der Stadt mit der 315 Meter langen Seebrücke. Wer in die reiche Geschichte der Stadt, die zunächst nur ein Fischerdorf war, einsteigen möchte, kann zahlreichen Infotafeln folgen oder einen Rundgang mit Sabina Kähler von der Kurverwaltung machen. Sie führt mit großem Engagement durch Zinnowitz und verbindet dabei Erfahrungen aus ihrer eigenen Zeit in der DDR mit umfangreichem Hintergrundwissen und aktuellen Informationen aus der Urlaubsregion zu einem kurzweiligen und spannenden Potpourri.

„Hier können Sie Ihren Urlaub in der Bäderarchitektur verbringen“, strahlt sie und erklärt wie sich ab dem Jahr 1895 die Bäderarchitektur aus Elementen der verschiedenen Stilrichtungen entwickelte. Allein am Palace Hotel zeigt sie Elemente aus Klassizismus, Neugotik und Jugendstil. Es liegt inmitten einer Reihe historischer Bauwerke, die zum Teil mit Türmchen und Erkern verziert sind. Gemeinsam haben die meisten Gebäude, dass sie im Jahr 1952 im Zuge der Aktion „Rose“ enteignet und in staatliche Ferienheime umgewandelt wurden. Nach Jahren des Verfalls wurden sie nach der Wende mit viel handwerklicher Präzision wieder auf Vordermann gebracht. „Häuser erzählen Geschichten“, heißt deshalb auch eine Stadtführung, die man in Zinnowitz buchen kann. Nicht zu überhören ist bei Sabina Kähler die besondere Begeisterung für die Holzbildhauerfiguren. „Holz ist etwas Lebendiges“, erklärt sie die Veränderungen der Figuren mit den Jahren und kennt zu jeder Figur eine Geschichte und den jeweiligen Schöpfer. Ausdrücklich lädt sie die Gäste dazu ein, die Figuren zu berühren, um ein Gefühl für das Holz zu bekommen. Kleine Gäste können nebenbei in den Bäumen mit ihren Blicken auf Suche nach dort gut versteckten Eulenfiguren gehen. Im Jahr 2016 wird das Treffen der Holzbildhauer unter dem Motto „Feuer & Flammen“ stehen. Gäste können dann zuschauen wie aus dem Holz eindrucksvolle Werke entstehen.

In Zinnowitz sind die Wege kurz, sodass man fußläufig in wenigen Minuten nicht nur an der Spitze der Seebrücke mit der bekannten Tauchgondel steht, sondern auch in die Innenstadt mit zahlreichen Cafés und Restaurants sowie zum kilometerlangen Sandstrand kommt. Je weniger Gäste am Meer unterwegs sind, umso größer ist die Chance gerade an windigen Tagen Bernstein am Strand zu finden. Wer dieses seltene Glück hat, kann seinen Fund bei einem Bernstein-Schleifkurs veredeln. Die Gäste können sich anschließend mit ihrem neuen Schmuckstück in einen Strandkorb auf der Terrasse eines der Hotels setzen und den anderen Urlaubern eine besondere Geschichte erzählen.

Pommersche Tradition lässt sich ganz unterschiedlich umsetzen. Dass beweist das Restaurant Bernstein im Strandhotel Ostseeblick in Heringsdorf. Mit Blick auf die Seebrücke kann man dort ein pommersches Menü genießen, das in vielen Punkten überrascht. So macht der Kopfsalat zu den Muscheln klare Anleihen bei der molekularen Küche. Der Salat wird als schnittfeste Creme serviert. Auch die Scholle mit Speck und Birne sieht anders aus als erwartet. Wie in der feinen Gastronomie üblich wird nicht der ganze Fisch serviert, sondern nur zarte Filets. Fast schon rustikal wirkt dagegen die Kartoffelsuppe mit Schweinebauch. Rote Grütze als Dessert rundet dieses ungleiche und doch harmonische Trio hervorragend ab. Nach dem Essen kann man in Heringsdorf die Bäderarchitektur bewundern oder einen Spaziergang auf die abends beleuchtete Seebrücke machen.
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