WAZ.Wissen: Hart, aber unfair?

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Essen: Haus der Technik |

In einem provokanten Vortrag gab Professor Dr. Jens Weidner seinem Publikum im Haus der Technik in Essen Anregungen für den beruflichen Erfolg. Eindringlich warnte er davor, in eine Schäfchen-Rolle zu geraten. Vielmehr gelte es, die Spielregeln zu durchschauen, unfaires Verhalten transparent zu machen und sich mit dem Handwerkszeug zur Selbstbehauptung zu wappnen. In seinem humorvollen Vortrag präsentierte Aggressionsexperte Weidner zahlreiche Beispiele, wie man die berufliche Opferrolle hinter sich lassen kann.

Wer an diesem Abend alles richtig machen wollte, musste auf jeden Fall pünktlich sein. Weidner, selbst zehn Minuten vor der Zeit schon im Vortragsraum, schätzt Pünktlichkeit und zeigte sich schlagfertig aber erbarmungslos im Umgang mit verspäteten Gästen. Diese mussten verbal reichlich einstecken und konnten so gleich ausprobieren, was es mit der Schäfchenrolle auf sich hat. Doch von der erfuhren sie erst später im Laufe des Vortrags und wunderten sich zunächst über den ruppigen Empfang durch den Durchsetzungsexperten. Wer von Beginn an da war, bekam den Rat, sich auf die Schattenseiten des eigenen Profils zu konzentrieren und an diesen zu arbeiten, um nicht Opfer zu werden.

Wie man sich zur Wehr setzt, hat Weidner, Professor für Erziehungswissenschaften, Kriminologie und Viktimologie in den letzten Jahrzehnten unter anderem bei seiner Arbeit mit Strafgefangenen ausprobiert. So berichtete er von einem Therapieverfahren für Gewalttäter, das bei 2/3 der Betroffenen die erwünschte Wirkung zeigt. Während es hier Ziel sei, die Aggressivität zu reduzieren, komme es im Berufsleben auf die richtige Dosis an. Zu wenig sei genauso schlecht wie zuviel. So ließen sich positive Aggression und berufliche Schattenseiten ausbalancieren.

Problematisch seien im Berufsleben insbesondere Machtspiele. Wer nicht zum Spielball von Kollegen und Vorgesetzten werden wolle, müsse dringend Abstand nehmen vom Schäfchen-Typ und dürfe sich nicht mehr über den Tisch ziehen lassen. Wer dies dennoch versuche, sollte in Erinnerung bleiben. Weidner berichtete, dass er seine „Feinde“ auf eine Liste setzt und manchmal nach vielen Jahren doch noch Gelegenheit hat sich für Erlittenes zu revanchieren. In einem Fall habe das 17 Jahre gedauert. Im Alltag solle man Versuchen das Gespür für Gefahr zu schärfen und so seltener Opfer zu werden. Manchmal müsse man aber auch taktisch zurückstecken und sich zum Networking mit Menschen, die man eigentlich gar nicht mag, überwinden. So könne man zum wechselseitigen Vorteil Zweckbündnisse bilden, wenn das gemeinsam erreichbare Ergebnis besser ist.

„Sie können Ihren aggressiven Potenzen nicht entfliehen“, erläuterte Weidner und fügte an, dass diese unterschiedlich ausgeprägt seien. Es gebe jedoch auch ein Macht-Paradoxon, das darin liege, dass Menschen umso empfindlicher würden, je höher ihr beruflicher Status sei. Diese „Beschneidungsangst“ berge Gefahren für Untergebene, die nie den Fehler machen sollten, ihre Chefs vor Dritten zu kritisieren. Besser sei es keine eigenen Ideen oder Kritikpunkte zu benennen und den Chef am nächsten Tag unter vier Augen noch einmal anzusprechen, wenn es wichtige Punkte gebe. „Sei nie klüger als der Chef“, rief Prof. Weidner und forderte damit ein Stück weit zum absichtlichen Schäfchen-Sein auf. Auch für Vorgesetzte brachte Weidner Tipps mit. So sei es wirkungsvoller kritische Feedbackgespräche am Freitag am späten Nachmittag zu führen als in der Woche. Das verhindere, dass Gespräche mit Kollegen die Kritik relativieren könnten. Besser sei es, wenn diese über das Wochenende Wirkung zeigen könnte.

Wichtig sei eine Persönlichkeit mit Biss, der für das Gegenüber spürbar werde. Ein gutes Verhältnis sei 80% partnerschaftlich und 20% durchsetzungsstark und strategisch zu sein. Günstig sei es, mit positiver Aggression für die eigenen Ideen zu kämpfen und wenig Kraft auf den Kampf gegen etwas zu verwenden. Genauso könne man als Mitarbeiter zu 80% loyal, respektvoll und seriös sein. Die restlichen 20% müsse man aber die Logik der Durchsetzungsstarken beherrschen, damit Freundlichkeit nicht mit Schwäche verwechselt wird. Dabei gelte es, den Froschkönig gegen die Wand zu werfen – nicht in der Hoffnung auf einen Prinzen, sondern weil man das Klatschen mag, scherzte Weidner. Mit einem Augenzwinkern gab er dann den Tipp zu einer Kakerlake zu werden und Einstecker-Qualitäten zu entwickeln. Natürlich seien seine Tipps für das Berufsleben im Privaten nicht anwendbar, relativierte Weidner. Dort seien sie eine Katastrophe. Das fordere gerade von Männern Flexibilität zwischen Strenge und Einfühlsamkeit.

Ebenfalls wichtig sei das Nein-Sagen. Dann räumte Weidner mit häufigen Irrtümern auf. „Qualität setzt sich durch“ sei falsch, denn Qualität ist Basic. „Win-Win ist gut“, stimme nur zum Teil. Es müsse sich für den anderen nur nach Win-Win anfühlen um erfolgreich zu sein. Anschließend wurde Prof. Weidner ganz praktisch. Er berichtete wie man mit berechnendem Lob andere an die Arbeit bringt und sich selbst einen freien Nachmittag sichert. Wer dabei nicht zum Schäfchen-Typ werden wolle, müsse lernen nein zu sagen. Eine Positionierung fernab vom Schäfchen-Typ könne nicht nur durch ausgefallene Kleidung wie eine rote Lederjacke gelingen, sondern auch durch geschickt platzierte Sinnsprüche auf dem Schreibtisch. Auf seinem eigenen stehe seit Jahren der Satz: „One evil action every day keeps the psychiatrist away!“
Dabei dürfe man nie den Fehler machen, ein Nein zu begründen. Das schwäche nur seine Wirkung. Erfolgreich sei, wer sich durchsetzt, seine Ziele erreicht, selbstsicher auftritt und unter vier Augen kritisch ist. Wer das hingegen relativiere um niemanden zu verletzten, zu überrollen, einzuschüchtern oder schlecht zu machen, stehe sich selbst im Wege.

Bei der Einschätzung von Arbeitskollegen empfahl Prof. Weidner ein klares Schema aus +, - und neutral. „Neutrale lassen dich im Regen stehen“, warnte Weidner. Nützlich seien daher nur positive Kollegen. Gefährlich seien hingegen negative Personen, die selbst bei gut gemachter Arbeit kritisieren. Erfolg bringe es daher nur, sich mit +Leuten zu umgeben. „Setzen Sie sich durch, um Gutes zu tun für sich, Ihr Unternehmen und die Gesellschaft“, riet Prof. Weidner zum Ende seines Vortrages.
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