Einmal im Leben musst du nach Biel - oder auch zwei Mal

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Svenja John (TC Kray) berichtet vom Kultlauf aus der Schweiz

Als die Tortour de Ruhr näher rückte, kam auch Birgit Jahn - die dort als Radbegleitung unterwegs war - ins Grübeln, ob sie nicht doch auch mal 100 Kilometer laufen möchten. Da erzählten wir ihr von Biel. 
Einen Tag später war es schon beschlossene Sache und wir haben uns zu dritt angemeldet.
Am Freitag um acht Uhr ging es mit dem Zug los. Die Verbindung ist super - durchgehender Zug bis Basel, einmal umsteigen und schon ist man in Biel. Es dauert etwa genau so lange wie mit dem Auto, ist aber entspannter und unabhängig vom Stau. Um kurz nach drei waren wir auch schon da.
Wir machten uns auf den Weg zur Startnummernausgabe, die nur ein paar Meter vom Bahnhof entfernt war. Anschließend suchten wir etwas, wo wir essen gehen konnten. Letztendlich sind wir bei Burger King gelandet, was wenigstens noch bezahlbar war ;) Top Pre-Race-Mahlzeit! 
Anschließend gingen wir zu den Umkleiden - eine große Turnhalle -, wo wir es uns auf Turnmatten noch mal bequem und die Augen etwas zu machten. Um viertel vor acht machten wir uns startklar und die Nervosität stieg. Der Biorhythmus ist so komplett anders, als wenn man - wie bei der TtdR - morgens startet. Die Müdigkeit war meine größte Sorge, war ich doch bei meinem ersten Start vor 3 Jahren, häufig über den Weg gewankt vor lauter Müdigkeit.

Pünktlich um 22 Uhr wurden wir auf die Strecke geschickt. Birgit und ich wollten gemeinsam starten und schauen, wie weit es geht. Dennis hatte sich entschlossen erst mal mit uns zu laufen.
Es ging eine große Schleife durch die Stadt und anschließend raus in die Nacht. Es lief für uns zu Beginn ganz gut. Allerdings hatte Dennis schon früh mit der befürchteten Müdigkeit zu kämpfen und kam nicht ins Rennen rein. Selbst unser 7 Minuten-Schnitt und unser Bergauf-Schritt war zu schnell. Zudem kamen wir nach 1,5 Stunden in den ersten dicken Schauer, den wir eigentlich viel später erwartet hatten. 
So schickte uns Dennis bei km 30 weg, wollte sich noch bis km 38 (dort ist ein Staffelwechsel-Punkt mit Shuttle) durchschlagen und dann bewusst aussteigen. Natürlich könnte man nun sagen, warum ist er nicht bis Kirchberg km 56 gelaufen. Da gibt es doch eine Wertung. Aber das wären noch mal 18 km gewesen und wenn man den kompletten Gehweg braucht, weil man vor Müdigkeit taumelt, dann wären diese 18 km verdammt lang geworden und der Ausstieg bei 38 war genau richtig. Die Gesundheit geht vor. (Du hast alles richtig gemacht mein Schatz )
Birgit und ich liefen dann alleine weiter. Kalt war es nicht. Aber alles war erst mal nass. Es lief ganz gut und die Steigungen sind wir konsequent gegangen. Bei km 53 brauchte ich eine kurze Gehpause und hatte leicht mit meinem Bauch zu kämpfen. Da ich merkte, dass Birgit gut drauf ist und ich sie nicht bremsen wollte, schickte ich sie weiter. Mein erster Gang ging dann erst mal ins Gebüsch. Somit war auch klar, dass ich Birgit erst mal nicht mehr einkriegen sollte. Danach lief es wieder besser. Die Kilometer flogen zwar nicht mehr, aber dank der vielen VPs kann man die Strecke ja gut in Etappen einteilen und so habe ich auch immer nur von VP zu VP gedacht. Es lief immer noch ganz rund, zwischendurch kurze Gehpausen und alles war gut. Ab km 67 habe ich mir dann mal Musik gegönnt und das ist echt motivierend. Das hat schon bei der TTdR so wunderbar funktioniert. Leider war uns das Wetter nicht so hold und es kamen noch mal ordentliche Schauer runter. Meiner Laune tat das aber 13 km vor Ende keinen Abbruch. Ich dachte nur daran, dass ich gleich einstellig bin. Bei km 95 habe ich Dennis dann Bescheid gesagt und er meinte, dass er auch schon bei km 98 wartet. Das beflügelte mich noch mal und ich lief nach dem letzten VP bei km 95,5 singend weiter - habe noch aber vergewissert, dass niemand in der Nähe ist ;).
Ich war so froh, dass er kein Trübsal blies. Natürlich tut es weh, die ganzen Läufer kurz vor dem Ziel vorbei laufen zu sehen. Ich kenne das zu gut. Aber die richtige Entscheidung zu treffen, was Dennis definitiv getan hat, ist auch Gold wert. Es kommen ja noch viele andere Läufe. So ging ich dann mit Dennis auf die letzten zwei Kilometer. Bei km 99 haben wir dann extra noch gewartet, bis das Schild für's Foto frei war. Dann ging es um die letzten Kurven und glücklich nach 13:32 ins Ziel. Ich hätte nicht gedacht, dass schon wieder so eine Zeit dabei raus kommt. Einfach geil . Birgit wartete schon im Finisher-Zelt. Sie war 11 Minuten vor mir da, obwohl sie zwischenzeitlich sehr zu kämpfen hatte und gehen musste. Am Ende hat sie aber noch mal der Kampfgeist gepackt und ins Ziel gebracht. Ich hatte immer gehofft sie noch mal zu sehen, weil ich für mich gut unterwegs war. Aber so ist es auch gut - denn sie hat einen tollen Lauf hingelegt. Glückwunsch zum Finish! Es war ein tolles Wochenende! Und DANKE an meinen Mann für seine bedinungslose Unterstützung!

Anschließend gingen wir duschen und wieder in unsere Luxus-Schlafstätte, um uns auszuruhen. Aber schlafen konnten wir nicht. Nachher noch den Supermarkt geplündert, soweit das bei den Preisen geht, und einen Stopp bei McD eingelegt, bevor um zehn vor sechs der Zug gern Heimat fuhr.
Jetzt sind wir glücklich und halbwegs ausgeschlafen zu Hause und genießen den Tag. 

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1 Kommentar
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Werner Kerkenbusch aus Oberhausen | 23.06.2016 | 19:41  
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