Essener Autorin Anna Basener macht ihre Oma zur "Ruhrpottikone"

Anzeige
Anna Basener ist in Essen-Stadtwald aufgewachsen und lebt heute in Berlin. In ihrem aktuellen Roman greift sie auf ihre Kindheit im Pott zurück. Foto: Ekko von Schwichow (Foto: Ekko von Schwichow)

"Den Sausack kriegt getz voll einen an die Glocke." Biancas Omma nimmt kein Blatt vor den Mund. Als Wirtschafterin in einem Puff in Rellinghausen hat sie alles im Griff, bis ein brutaler Zuhälter unter eine Flasche Korn gerät, die Omma gezielt auf seinem Kopf platziert, und damit sein Lebenslicht auslöscht. Als dann noch Mitzi stirbt, Ommas enge Vertraute, kehrt die resolute alte Dame dem Ruhrgebiet den Rücken und zieht zu ihrer Enkelin nach Berlin. Bianca ist begeistert ...

"Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte" - Anna Baseners aktueller Roman ist soeben druckfrisch im Buchhandel gelandet. Protagonistin Bianca und ihre Omma schlagen sich tapfer durch 315 Seiten, nicht ohne einige Parallelen zur Autorin und ihrer Familie aufzuweisen.
"Das Buch trägt auf jeden Fall autobiografische Züge", erklärt Anna Basener, die in Essen-Stadtwald aufgewachsen ist. Noch heute lebt ihre Familie hier. "Die Oma im Buch ist zwar zur Hälfte Fiktion, doch auch meine Oma hat sich als Arbeiterfrau durchgeschlagen und ist in ihrem Leben vielen Männern begegnet. Wobei das Bordellthema natürlich erfunden ist", erklärt die Autorin.

Hommage an die Ruhrgebietssprache

Sprachlich liest sich der Schmöker erschienen im Eichborn-Verlag "wie geschnitten Brot" - um im Ruhrgebietsjargon zu bleiben. "Eigentlich habe ich erst seit ich in Berlin lebe entdeckt, was für ein Schatz die Ruhrgebietssprache ist", betont Anna Basener. So erscheint der Roman wie eine Liebeserklärung ans Revier. Frank Goosen, selbst Spezialist in Sachen Ruhrgebiets-Literatur, bezeichnet ihn als "rotzig und respektlos, sexy und sentimental, spannend und politisch unkorrekt" - also lesenswert. Die Hörbuchfassung liest übrigens Ex-Misfit Gerburg Jahnke, die Filmrechte hat sich Grimme-Preisträger Adolf Winkelmann gesichert.
Anna Baseners Liebe zur Literatur startete im Kindesalter auf der Bühne. In der Evangelischen Kirchengemeinde an der Oberstraße in Rellinghausen spielte sie einst in der Theatergruppe und wechselte später zum Jugendclub Spieltrieb ans Grillo. Im Werdener Gymnasium war sie Mitglied der Theater AG. "Die Frauenrollen, die mir damals auf der Bühne fehlten, habe ich mir dann irgendwann selbst geschrieben", erinnert sie sich. Es folgten, Drehbücher und Theaterstücke aus der Feder der heute 33-Jährigen.
Im Studium "Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis" in Hildesheim wurden schließlich Gebühren erhoben, die sich Basener mit dem Schreiben von Groschenromanen wieder ins Geldsäckel zurückholte.

Lesung im Filmstudio

In gewohnt professioneller Manier ersann sie sie verliebte Fürsten, versnobte Prinzessinnen, fesche Dirndln und stattliche Burschen. Und ganz nebenbei schrieb sie den Leitfaden "Heftromane schreiben und veröffentlichen", der heute als Standardwerk für dieses Genre gilt.
Nach 30 Groschengeschichten musste dann etwas Neues her: Baseners Omma, die Dolly Parton Songs singt und Kette raucht, wurde geboren. Die schlanken Eve-Zigaretten von damals liefern dem Roman das Cover.
Und während Omma frischen Wind in die Buchhandlungen bringt, sitzt Anna Basener bereits wieder in Berlin-Kreuzberg am Schreibtisch und grübelt über neue literarische Themen - denn heute lebt sie vom Schreiben.
"Drei bis vier Bücher pro Jahr muss ich liefern, damit sich das rechnet. Schreibblockaden hatte ich bisher aber noch nie", freut sie sich. "Ich kriege immer nur Sehnenscheidenentzündungen ..."
Wer einen Vorgeschmack auf "Taubensuppe" möchte, kann Anna Basener und Gerburg Jahnke am 11. April um 20 Uhr live erleben. Die Buchhandlung Proust organisiert eine Lesung im Filmstudio an der Rüttenscheider Straße 2. Karten gibt es vor Ort.
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
1 Kommentar
51.752
ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 17.03.2017 | 19:02  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.