Kreativität über die Druckkunst hinaus

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In der Werkstatt finden sich die Werke von Hein-Heusen ebenfalls wieder.
 
Ursula Hein-Heusen bei den Vorbereitungen der Ausstellung.

In unserer Reihe über Künstler im Essener Westen möchten wir heute erneut in die Radierwerkstatt Aqua-Tinta schauen. Dort ist auch Ursula Hein-Heusen seit vielen Jahren aktiv.

In der Radierwerkstatt in Frohnhausen liegen Mappen mit Kunstwerken auf den Tischen und Schränken, ein gelber Zettel, vollgeschrieben mit Namen und Nummern mittendrin sowie eine konzentriert blickende Ursula Hein-Heusen. Die Künstlerin ist mitten in der Vorbereitung einer Einzelausstellung im Fortbildungszentrum der Technischen Universität Dortmund in Hagen und versucht die passenden Bilder für die dortigen Räume auszuwählen. Kein leichtes Unterfangen, denn die Werke sind vielfältig und jeder Ausstellungsort hat seine eigenen Anforderungen durch Licht, Größe und Gestaltung. Ähnlich ist es auch bei den Bildern der Künstlerin, die sich niemals gleichen. „Ich wechsle sowohl die Farben als auch Oberflächen und experimentiere viel. Dabei sind alles Unikate, ich vervielfältige nicht“, erläutert sie und wirft gleich ein, dass sie damit den ursprünglichen Sinn der Radiertechnik natürlich ins Gegenteil verkehrt. „Ich brauche Abwechslung und Anspruch in meiner Arbeit.“ In den vergangenen Monaten hat Hein-Heusen mit einem neuen Druckstock experimentiert. Anstelle des klassischen Metalls verwendete sie Pappe und erzielte so neue Effekte. „Ich mache gerne geometrische und farbige Arbeiten. Dabei lasse ich mich auch auf Reisen inspirieren und greife Formen später auf. Auch binde ich gerne Schrift, beispielweise einzelne Wörter oder Gedichtzeilen ein“, führt Hein-Heusen aus, die privat gerne in der entsprechenden Literatur nach neuen Impulsen sucht. Als ehemalige Folkwang-Schülerin genießt sie es, diese künstlerischen Freiheiten zu haben und hat ihre Werkstattkollegen erst an das Thema Farbe herangeführt: „Ich finde ja immer so ein bisschen Farbe tut dem Ganzen nicht schlecht.“ Ihre Werke bekommen stets einen Titel, bei dem Hein-Heusen ebenso kreativ zu Werke geht wie bei der eigentlichen Gestaltung. Am Anfang eines jeden Jahres sucht sie sich ein begleitendes Thema und arbeitet dann zwölf Monate an diesem entlang. Dabei kann es vorkommen, dass sie Motive oder Einzelelemente der Vorjahre erneut aufgreift und umwidmet. Oftmals entstehen dadurch ganz neue Eindrücke, die auch die künstlerische Weiterentwicklung der Schaffenden deutlich machen.
Schon während ihrer Berufstätigkeit als Interior Designerin lebte Hein-Heusen ihre Kreativität aus und probierte verschiedenste Techniken und Macharten aus. Später kam sie durch erste Radierkurse bei Peter Drolshagen, einem weiteren Mitglied von Aqua-Tinta zur Mitarbeit in der Werkstatt. „Ich habe mich sehr gefreut, als hier ein Platz frei wurde.“, erinnert sich Hein-Heusen und blickt sich in der Werkstatt um, „ Ich bin kein alleine-wurschtel-Typ und mag den Austausch mit den Kollegen.“ Kurz nach ihrem Beitritt hatte sie die Idee für den Kalender, der seitdem jährlich und mit großem Erfolg erscheint. Hierüber finanziert die Künstlergemeinschaft weite Teile ihrer Arbeit in der Werkstatt. „Für mich ergibt sich der kreative Prozess beim Arbeiten. Ich weiß vorher nie, wie das Bild am Ende aussehen soll.“, erklärt die Künstlerin, die auch Fotos in ihre Bilder einbinden und in diesem Zuge auch schon mit ihrer Tochter gemeinsam gearbeitet hat.
Parallel zur Ausstellung in Hagen findet die Kalendervorstellung bei Aqua-Tinta statt, sodass Ursula Hein-Heusen in der nächsten Zeit gleich mehrere Gelegenheiten hat um ihre Bilder einem breiten Publikum vorzustellen. Und so kehrt sie zurück zu ihrem Zettel und vertieft sich erneut in die Vorbereitungen.
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