Künstler im Westen: Naturmotive bei Gerd Glöß

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Der Stichel wird verwendet, um das Motiv aus dem Trägermaterial herauszuarbeiten.
 
Die Insel Lanzarote inspirierte Glöß zu diesen Bilder.

Unsere Serie „Künstler aus dem Westen setzt“ sich fort. Dieses Mal erzählt Gerd Glöß aus der Radierwerkstatt Aqua-Tinta von seinem Wirken und seinen Werken.

Gerd Glöß sitzt an einen Schreibtisch auf der Empore in der kleinen Werkstatt von Aqua-Tinta und schneidet Kalendarien aus. „Wir teilen uns die Arbeit für unseren Kalender. Dieses Jahr ist das hier meine Aufgabe“, schmunzelt er. Üblicherweise verbringt er die zwei Tage, an denen er die Werkstatt wöchentlich nutzt, jedoch mit dem Gestalten von Bildern. Dabei gilt seine Leidenschaft dem Hochdruck. Dazu zählt beispielsweise der Linoldruck, eine Technik, die dem ein oder anderen vielleicht noch aus der Schulzeit bekannt vorkommt. Seine künstlerischen Anfänge hat Glöß in der klassischen Radiertechnik. Über einzelne Radierkurse in der Werkstatt wurde er auf die Künstlergruppe aufmerksam und eines Tages Mitglied. Das liegt 35 Jahre zurück. Mittlerweile ist der gelernte Elektroingenieur in Rente und kann seine Zeit freier einteilen als früher: „Während meiner Berufstätigkeit konnte ich meist nur einen Tag pro Woche in der Werkstatt sein.“
Die Motive zeichnet Glöß oftmals per Hand oder nutzt Vorlagen aus dem Internet. „Ich mag Fische und anderes Seegetier und bin früher viel geschnorchelt und getaucht“, erklärt er, denn beim Blick auf seine Werke fällt schnell auf, dass diese Wesen eine zentrale Rolle für ihn spielen. Auch von Landschaften lässt sich der reisebegeisterte Glöß inspirieren. So finden sich an den Wänden der Werkstatt auch Bilder von isländischen Wasserfällen oder beeindruckenden Gebäuden von Lanzarote. Die Motive werden mithilfe von sogenannten Sticheln aus dem Linoleum gestochen. Gedruckt werden am Ende alle Partien, die hoch auf dem Linoleum stehen bleiben, daher der Begriff Hochdruck. In den letzten Monaten experimentierte Glöß zusätzlich mit dem Gelantinedruck: „Ich habe das in einer Ausstellung gesehen und wollte es sofort ausprobieren.“ Diese Bilder sind abstrakt oder enthalten nur einzelne realistische Elemente. „Ich hatte schon immer einen Hang zur Grafik und zu künstlerischen Geschichten.“, erzählt Glöß im Rückblick, „Daher ist die Kunst auch mehr für mich als nur ein Hobby.“ Seine künstlerischen Vorbilder hat Glöß in Paul Klee und Pablo Picasso gefunden. „Wenn ich keine Ideen habe, dann helfen mir deren Werke immer“, weiß er und hat schon so manches Bild der großen Meister neu interpretiert.
An Ausstellungen nimmt der Essener nur selten teil. „Eine Einzelausstellung habe ich bisher noch nicht gemacht, wenn dann habe ich meist mit den Aqua-Tinta-Kollegen ausgestellt“, erzählt Glöß, obwohl es ihm an Bildern nicht mangelt. Im Durchschnitt investiert er ein bis zwei Arbeitstage bis er mit einem Motiv zufrieden ist. „Die Hauptfrage ist dann natürlich die nach der Auflage. Denn jedes Bild muss einzeln eingefärbt und gedruckt werden “. Damit schließt er den Kreis zur Radiertechnik.
Doch bevor sich Glöß seinem nächsten Kunstwerk zuwenden kann, gilt es derzeit das Gemeinschaftsprojekt Kalender abzuschließen und so wendet er sich erneut den Kalendarien zu und schneidet diese weiter aus.
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