Nie mehr Blumenpflücken - Dokumentation zum jüdischen Friedhof im Segeroth - Ausstellung im Haus der Geschichte

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Eine besondere Atmosphäre herrscht auf dem jüdischen Friedhof im Segeroth. Foto: Nathanja Hüttenmeister
 

1885 wurde Simon Hirschland als erster dort bestattet. Seit Mitte der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts werden auf dem jüdischen Friedhof im Segeroth keine Beisetzungen mehr vorgenommen. Als denkmalgeschützter Ort erinnert er heute an alte Dynastien der Stadtgeschichte und gibt Auskunft über Traditionen der jüdischen Gesellschaft. Die meisten Grabsteine sind hebräisch beschriftet - und manche bergen in ihrer Inschrift sogar Geheimnisse, die man erst auf den zweiten Blick sieht.

Im Essener Segeroth befindet sich der größte jüdische Friedhof Essens - nicht gerade in einer guten Gegend. So ist es relativ selten, dass sich jemand den Schlüssel holt, um ein paar Schritte zu gehen und sich vom Zauber dieses Ortes und seiner Geschichte gefangen nehmen zu lassen.
Der jüdische Friedhof gehört aber zu den wichtigsten Erinnerungsorten der Stadt Essen, ist man sich im Stadtarchiv sicher. So wird er also nochmals zum Ausstellungsthema, dem man sich bis zum 6. April in Wort und Bild widmet.
1985 wurde der Friedhof unter Denkmalschutz gestellt, noch circa 750 Grabsteine sind erhalten und geben Einblick in einen gesellschaftlich aber auch kunsthistorisch interessanten Ort.
Seit noch gar nicht langer Zeit sitzt das Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte, das mit der Universität Duisburg-Essen kooperiert, im Anbau der Essener Synagoge in der Stadtmitte. Gefördert durch den Landesverband Rheinland konnte das Institut eine komplette Dokumentation des Friedhofes erstellen. Nathanja Hüttenmeister, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Institutes und Kuratorin der Ausstellung im Haus der Geschichte, welche auch im vergangenen Jahr bereits in der Alten Synagoge zu sehen war, kennt zahlreiche Geschichten, die den Friedhof betreffen. So wurde dieser in der NS-Zeit stark beschädigt und es wurden sowohl Metall - meist in der Form von Buchstaben auf Grabsteinen - als auch Steine selbst geraubt. Immer wieder gab es zudem Schändungen des Gräberfeldes.

Ausstellung zeigt Fotos und Texte

Auch das Erscheinungsbild des Friedhofes hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. In früheren Jahren gab es zum Beispiel rechts des Eingangs noch eine kleine Trauerhalle, die komplett verschwunden ist", erklärt die studierte Judaistin.
Seit 1928 besteht ein jüdischer Nachfolgefriedhof auf dem Parkfriedhof. Neu belegt werden die Grabstätten auf dem Segeroth-Friedhof keinesfalls. "Auf jüdischen Friedhöfen ist ein Grab für die Ewigkeit angelegt", erklärt Nathanja Hüttenmeister.
Am Assmannweg sind noch heute imposante Grabmale zu sehen, "keine figürlichen Darstellungen", erklärt Hüttenmeister, "aber zahlreiche Steine mit auffallender Symbolik und Ornamentik."
Die Ausstellung im Haus der Geschichte, Ernst-Schmidt-Platz 1, zeigt Fotos und erzählt die Geschichte beginnend mit den Hirschlands. Der Besucher erfährt aber auch Einzelheiten über Steinmetze und Künstler, die diesen Ort mitgeprägt haben. Der Eintritt ist frei.

Ein Grab ist hier für die Ewigkeit

Im Klartextverlag ist in der Reihe Donnerstagshefte der Alten Synagoge eine Broschüre zum jüdischen Friedhof erschienen: "Doch meine Zeit zum Blumenpflücken ist vorüber." Der Titel des Heftes stamme aus der Inschrift eines Grabsteins einer Frau aus Warschau, die auf dem Segeroth-Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden hat, und sei einem indisch-bengalischen Nationaldichter entlehnt, so Nathanja Hüttenmeister. Eine sehr poetische Umschreibung für den Tod. Das Grabmal Isaac Hirschlands - auf diesem Foto geschmückt von prächtig blühendem Rhododendron. Foto: Anna Martin
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