Serie: Kunstschaffende im Westen - Peter Drolshagen von Aqua-Tinta

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Peter Drolshagen bereitet die Druckplatte vor.
 
Der fertige Druck: Immer ein Unikat.

In den kommenden Wochen möchten wir an dieser Stelle Künstler aus dem Westen vorstellen. Den Auftakt unserer kleinen

Serie macht Peter Drolshagen aus der Radierwerkstatt Aqua-Tinta in Frohnhausen.

Der Begriff Aquatinta bezeichnet ein spezielles Verfahren der künstlerischen Druckgrafik und ist damit passender Namensgeber für die Ateliergemeinschaft an der Krefelder Straße. Schon seit vielen Jahren ist die Gruppe hier, in teils wechselnder Besetzung, künstlerisch aktiv. Peter Drolshagen ist als Mann der ersten Stunde dabei. Im Gespräch blickt er zurück auf die Anfänge von Aqua-Tinta, die eng mit seiner eigenen Biografie verknüpft sind. „Ich habe an der Folkwang Schule, damals nannte sie sich noch nicht Hochschule, ein Diplom in Visueller Kommunikation gemacht. Das war damals ganz neu. Es war eine schöne Zeit“, erinnert sich der Bochumer, der für seine Leidenschaft der Radierkunst mehrmals wöchentlich nach Essen pendelt. „Auf die Kunst bin ich durch meinen Lehrer in der Schule, Henner Schlieper, aufmerksam geworden. Er hat später die Leitung des musischen Zentrums an der Ruhr-Universität Bochum übernommen. Dort habe ich zwei Semester Kunstgeschichte studiert und in dieser Zeit im musischen Zentrum gearbeitet, um meine Mappe mit Werken zu füllen.“, stellt er weiter dar, „Wir haben damals sehr praktisch gearbeitet und nicht so theoretisch wie die Studierenden heute.“ In seine Studienzeit fielen viele Veränderungen. Lernte Drolshagen noch die klassische Druckkunst mit der früher ganze Bücher entstanden sind, begannen parallel die Computer ihren Siegeszug. „Unsere Techniken waren nach dem Studium schon veraltet.“, meint Drolshagen und bereut diese Zeit dennoch nicht, „ Ich bin der Radiertechnik völlig verfallen.“ Während seiner letzten Studiensemester begann Drolshagen in einem Grafikstudio zu arbeiten und entwickelte seine Techniken dort weiter. Als die Elterneiner Kommilitonin ein Haus kauften, in dessen Garten eine alte Werkstatt stand, schloss sich schnell eine kleine Gruppe begeisterter Kunstschaffender mit der Idee, dort ein Atelier aufzubauen, zusammen. „Die Radiertechnik liebt man oder man findet sie schrecklich“, erklärt Drolshagen. Die benötigten Geräte und Materialien lassen sich zudem kaum in einer Wohnung unterbringen, die große Druckpresse, welche in der Werkstatt steht, ist gut 1,5 Meter breit und sehr schwer. Der Bochumer schmunzelt: „Die sollte an der Folkwangschule verschrottet werden. Wir haben sie abgekauft und reparieren lassen. Sie wurde in ihre Einzelteile zerlegt und dann zu viert nach und nach hierhergebracht.“
Die Werkstatt entstand in Eigenregie und noch bevor das Dach gedeckt war, ätzten die Studenten dort die Werke für die Abschlussprüfungen. 1980 wurde Drolshagen Vater und entschied gemeinsam mit seiner Frau, dass er die Elternzeit nehmen würde, blieb der Werkstatt jedoch stets treu. Auftragsarbeiten übernimmt er bis heute nur sehr selten. Üblicherweise lässt er sich von seiner Umgebung inspirieren. So hängen an einer Wand des Ateliers Drucke von Bahnsteigen. Die einzelnen Pflastersteine, Markierungen und Masterrungen sind darauf bis ins Detail zu erkennen. Sein Wissen rund um die Radiertechnik gibt der Künstler seit Jahren an Interessierte weiter. So ist er an einer Volkshochschule mit Abendkursen befasst: „Wer in die Kurse kommt, muss bereit sein dreckig zu werden, denn das passiert bei der Drucktechnik.“ Um dies deutlicher zu machen, zeigt Drolshagen einen Testdruck. Dabei wird deutlich, was er meint. Eine spezielle Paste, die vorab auf Hände und Arme aufgetragen wird, soll das Abwaschen der Druckfarbe später erleichtern. Diese wird auf die Druckplatte aufgetragen und dann nach und nach abgerieben. So dringt die Tiefdruckfarbe in das vorab in die Platte eingebrachte Muster ein, aus dem später der eigentliche Druck entsteht. Nun wird die Druckpresse in Betrieb genommen. Hierfür benötigt der Künstler ein spezielles Papier, welches leicht angefeuchtet in die Presse eingespannt wird. Beim eigentlichen Druckvorgang wird das Muster, welches in die Druckplatte eingebracht wurde, dann auf das Papier gedruckt. Diese Technik diente ursprünglich der Vervielfältigung. Und doch muss nach jedem Druckprozess der Vorgang des Aufbringens und Abreibens der Farbe erneut durchgeführt werden. Ein Bild kann auch aus verschiedenen Druckvorgängen bestehen, beispielsweise indem unterschiedliche Muster oder Farben aufgebracht werden. Was auf dem Bild zu sehen ist, wird durch das in die Platte eingeritzte oder geätzte Muster bestimmt.
Doch Drolshagen kann auch ohne die Druckkunst. Zumindest für die Zeit eines Urlaubs, verlagert er sein Interesse gerne auf die Fotografie. „Früher bin ich mit dem Zeichenblock verreist, das mache ich heute nicht mehr“, erzählt er.
In Kürze bringt die Radierwerkstatt erneut ihren jährlichen Kalender heraus. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits. Der WEST ANZEIGER wird über die Vernissage berichten.
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