Spanischer Ritter auf Traumreise

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Dorin Gal (Bühnenbildner) und Thorsten Macht (Ausstattungsleiter) (von links) freuen sich schon auf Rosinantes fertiges Aussehen. Fotos: Debus-Gohl

Ballettklassiker ist ab November im Aalto-Theater zu sehen

Das Aalto-Ballett ist bekannt für seine aufwendigen und detailreichen Bühnenbilder. Mit dem „Ritter von der traurigen Gestalt“ Don Quichotte kommt dieses Jahr ein Stück spanischer Lebensfreude in Tanz und Kostüm ins Südviertel.

Betritt man die Werkstätten des Aalto Theaters schlägt einem die kreative Atmosphäre sofort entgegen. Überall wird gemalt, geschraubt, entworfen und gebaut. Den Boden bedeckt ein riesiger Bühnenprospekt; leuchtende Sterne auf dunkelblauem Nachthimmel, rot-braunes Vulkangestein grenzt sich farblich dagegen ab. Ausstattungsleiter Thorsten Macht führt durch verschiedene Stationen der Bühnenarbeit. Am heutigen Arbeitstag schauen sich Bühnenbildner Dorin Gal und Intendant Ben Van Cauwenbergh den Fortschritt des Bühnenbilds Don Quichottes an.
Der 57-jährige Belgier Ben Van Cauwenbergh bringt mit Don Quichotte einen großen Klassiker mit der romantischen Musik Ludwig Minkus auf die Bühne. Von den zahlreichen Abenteuern des Ritters steht die Episode um die Wirtstochter Kitri im Mittelpunkt der Choreographie: Kitri liebt den Barbier Basile, soll aber an einen reichen Edelmann verheiratet werden. Don Quichotte hält Kitri für die endlich gefundene Dulcinea und mischt sich in das ohnehin schon herrschende Gefühlschaos mit ein.

Aufwendiges Bühnebild


Vielschichtig ist nicht nur die Handlung in der Inszenierung nach Marius Pepita. Damit die Illusion eines sich in der Renaissance befindenden Spaniens durchgehend aufrecht erhalten wird, werden die einzelnen Bühnenelemente sorgsam überprüft. Auch gilt es zu entscheiden, wie die raue Vulkansteinstruktur mithilfe von dunkler Farbe und Lichttechniken am besten präsentiert wird oder der mediterrane Marktplatz zur Atmosphäre beiträgt ohne das Augenmerk von den Tänzern zu nehmen. „Das Bühnenbild soll luftig sein“, erklärt Bühnenbildner Dorin Gal, „der Fokus liegt auf der Darstellung der Tänzer.“ Und die fügen sich in ihren aufwendigen Kostümen sowohl farblich als auch in ihrer Stilart ideal in die spanische Atmosphäre ein.

So interessant die Bühnenprospekte und Kostümdarstellungen auch sind, erweckt „Rosinante“, das Pferd Don Quichottes, doch die meiste Aufmerksamkeit. Mit einem Korpus aus Stahl und einem Kopf aus Pappkaschur hängt es an der Decke und wartet auf seinen Einsatz. Ausstattungsleiter Thorsten Macht und Plastiker Teddy Braun schlüpfen auch sogleich unter das Gestell und erwecken Rosinante zum Leben. „Das Gewicht ist aushaltbar“, sind sich die beiden einig. Aber auch mit Reiter? Dorin Gal wird kurzerhand aufs Pferd gesetzt. Schon schwerer, „aber geritten wird nicht so lang“, versichert Ben Van Cauwenbergh. Und schon kommt eine neue Idee auf den Tisch: „Erst ist Rosinante ganz müde, aber plötzlich bekommt sie einen Kick und fängt an zu tanzen“, schildert der Intendant und frühere Balletttänzer und demonstriert ein paar Tanzschritte. Das sollte problemlos funktionieren, denn der Vordermann im Pferdekörper bekommt zusätzlich zu einer Stange, die den Hals und Kopf bewegen kann, ein kleines Sichtfenster, damit Don Quichottes altes Pferd nicht ins Stolpern gerät. Ganz fertig ist Rosinante natürlich noch nicht. Bis zur Premiere wird sie farbentechnisch pferdeähnlicher sein und einen Körper aus echt aussehendem Wildlederimitat haben. „Alle Leute des Teams haben Ideen mit eingebracht“, erzählt Dorin Gal, „die Entwürfe habe ich letzten Sommer gemacht und im Dezember haben wir mit den Arbeiten begonnen.“

Der Beginn der Saison 2016/2017 und damit die Premiere des seit 20 Jahren nicht mehr am Aalto Theater aufgeführten Ballettklassikers rückt immer näher. Für denjenigen, der sich fragt, warum der schräge Ritter Don Quichotte sich heutzutage immer noch solch großer Beliebtheit erfreut, hat der begeisterte Dorin Gal sogleich eine Antwort: „Die Realität zu verdrängen, das ist beinahe ein Leitmotiv der europäischen Kultur“, führt er an, „Wohin geht die Reise? Diese Frage lässt das Stück immer modern und relevant bleiben, denn das fragen wir uns alle.“

Karten gibt es ab Juli zu kaufen


Wer dabei sein möchte, wie Don Quichotte auf dem Rücken Rosinantes durch einen humorvollen Strudel aus Fantasie und Realität nach sich selbst sucht, kann etwa vier Monate vor der Premiere am 5. November Karten unter der Telefonnummer 81 22 200, an der Aalto-Kasse oder auf www.theater-essen.de erstehen.
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