Entspanntes Miteinander

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Durch Baumaßnahmen in sehr gutem äußeren Zustand: das Schulgebäude an der Heinrich-Strunk-Straße.
 
Schulleiter Frank Tollmien ist ein echter Altendorfer.

Altendorf: Die städtische Grundschule an der Heinrich-Strunk-Straße ist froh über ihr gutes Schulklima. Demnächst lernen hier mehrere Jahrgänge gemeinsam in einer Klasse.


In einem Betreuungsraum mit heller und freundlicher Atmosphäre stellt Frank Tollmien seine Schule vor. Momentan leitet der Rektor auch noch die Elisabethschule in Frohnhausen. Vertretungsweise, bis zum Sommer 2017. Das bedeutet viel Arbeit. Den eigenen Unterricht (vor allem Mathematik und Förderstunden) musste Tollmien vorübergehend abgeben – nicht zu schaffen. Trotzdem wirkt er gelassen. Vielfältige Aufgaben, findet er, „machen den Lehrerberuf ja spannend“.

Der Rektor kommt aus Altendorf

Eigentlich ist Frank Tollmien Erziehungswissenschaftler. Zehn Jahre lang war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Essen und Köln, bis er sich mit Ende dreißig fürs Lehramtsstudium entschied. Damals ein direkter Rollentausch: „Den einen Kurs habe ich selbst gegeben, im nächsten saß ich als Student in der Bank“, erinnert sich der Pädagoge.
Anschließend arbeitete Tollmien als Förderschullehrer an der ehemaligen Friedrich-Fröbel-Schule in Kray. Im Jahr 2014 übernahm er dann die Leitung der zweizügigen Grundschule an der Heinrich-Strunk-Straße.
Die Entscheidung für Altendorf fiel ganz bewusst. Frank Tollmien ist hier aufgewachsen und kennt sich aus, obwohl „sich der Stadtteil schon stark verändert“ habe. Klar: Wo früher deutsche Arbeiter und Angestellte wohnten, leben heute zahlreiche Migranten und statt der Tante-Emma-Läden von früher säumen türkische und arabische Restaurants die Altendorfer Straße. Eine Veränderung, die Tollmien auch als Chance für den Stadtteil sieht: Leben statt Leerstand in Altendorf.

Beliebt und tolerant

Wie der Stadtteil, so die Schüler: Über 80 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund gehen an der Heinrich-Strunk-Straße zur Schule. Da treffen, durch das Elternhaus geprägt, viele unterschiedliche Kulturen aufeinander. Ein Problem? Nicht an der Heinrich-Strunk-Straße, sagt der Schulleiter: „Hier herrscht ein Klima von hoher Akzeptanz. Das war schon immer so.“ Viele Eltern wählten die Schule gerade wegen der guten Schulgemeinschaft aus.
Damit das so bleibt, achtet die Grundschule stark darauf, dass die Kinder die Schulregeln einhalten. Toleranz, Hilfsbereitschaft und Verantwortung sind hier die Schlüsselworte, entsprechend dem Schulmotto „Voneinander und Miteinander lernen“. Auch die Familien spielen eine große Rolle, doch die Eltern ins Schulgeschehen einzubinden, ist nicht leicht in Altendorf. Ein gewisser Prozentsatz ist schwer zu erreichen. Frank Tollmien, selbst alleinerziehender Vater, bedauert das sehr: „Vor allem die Väter verpassen die Chance, dabei zu sein. Es ist nicht leicht aus den Köpfen zu kriegen, dass Schule nicht allein Frauensache ist.“

Neu: Jahrgangsübergreifendes Lernen

Im Schuljahr 2017/18 startet die Grundschule ein Pilotprojekt, das seit fast zwei Jahren in Vorbereitung ist: Die Klassen 1 und 2 werden demnächst jahrgangsübergreifend unterrichtet. Eine Klasse (mit durchschnittlich 28 Kindern) besteht dann jeweils zur Hälfte aus Erst- und Zweitklässlern.
Wie kam es dazu? „Die Schere, welche Leistungen die Kinder bei der Einschulung erbringen können, wurde in den letzten Jahren einfach zu groß“, erklärt der Schulleiter. „Wir wollen passgenauere Aufgaben stellen. Möglich wird das durch mehr Materialien zum Selbstlernen.“
Ein weiterer Vorteil sei, dass sich die jüngeren Schüler durch das Vorbild der Älteren leicht ins Schulleben eingewöhnten. Umgekehrt fördere der jahrgangsübergreifende Unterricht das Sozialverhalten der Zweitklässler, „und sie begreifen den Stoff auch besser, wenn sie ihn anderen erklären.“ Bei Erfolg soll die neue Unterrichtsform auch auf die höheren Klassen ausgeweitet werden.

Viele Unterstützer und Angebote

Dank vieler Unterstützer hat es die Heinrich-Strunk-Schule geschafft, gute Unterrichtsbedingungen zu schaffen. So sponserte das Pharmaunternehmen NOWEDA einen neuen Sportplatz, und die Wohnungsgenossenschaft Essen-Nord einen Schulgarten.
Diakonie und Suchthilfe sind mit sozialpädagogischen Angeboten im Haus vertreten. Vormittags gibt es Deutschförderung in Kleingruppen mit der „Schülerschule“ und das Uni-Angebot SPUR (eine mit Sport kombinierte Sprachförderung für Flüchtlingskinder, wir berichteten). Etwa die Hälfte der Heinrich-Strunk-Schüler bleibt über Mittag in der familiären Ganztagsbetreuung.

Wann wird die Turnhalle fertig?

Aktuell hat Schulleiter Tollmien besonders einen dringenden Wunsch: dass die Decke der schönen hausinternen Turnhalle endlich fertiggestellt wird („Die steht seit einem Jahr offen!“). Aus optischen Gründen, vor allem aber als Schalldämmung. Weil die Sportlehrer keine bleibenden Gehörschäden davontragen sollen. Längerfristig wird auch ein neuer Name für die Schule gesucht – „Schule an der Heinrich-Strunk-Straße“ klingt ja eher sperrig … Passende Vorschläge nimmt die Schule gern entgegen.

Infos

Städtische Gemeinschaftsgrundschule an der Heinrich-Strunk-Straße
Adresse: Heinrich-Strunk-Str. 148, 45143 Essen
Gegründet: 1968
Anzahl Schüler: 220
Anzahl Lehrer: 14
Anzahl pädagogische Mitarbeiter: 5
Schulleiter: Frank Tollmien
Website: www.schule-an-der-heinrich-strunk-strasse.essen.de
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