Essener Kriminalitätsrate erreicht höchsten Stand seit 2004

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Foto: Polizei Rhein-Erft-Kreis

2015 wurden in Essen wieder mehr Straftaten begangen. Jedoch konnte mehr als jedes zweite Vergehen aufgeklärt werden. Diebstahlsdelikte bereiten der Polizei Essen weiterhin die größten Sorgen.

Geschrieben von Philipp Steinbrink

„Die Fallzahlen sind gestiegen, aber wir konnten die Aufklärungsquoten verbessern.“, mit diesen Worten leitete Essens Polizeipräsident Frank Richter am Montag die Vorstellung des Jahresberichtes zur Kriminalitätsentwicklung in Essen und Mülheim ein. Tatsächlich verzeichnet die aktuelle Kriminalstatistik so viele Straftaten wie seit 1990 nicht mehr. Während 2015 die Zahl der Delikte landesweit um 1,1 % stieg, verbuchte Essen einen Anstieg von 6,6 Prozentpunkten. In 66.407 Fällen musste die Polizei 2015 ermitteln; 2014 waren es noch 62.283.
Hauptverantwortlich für den Anstieg der Kriminalstatistik sind höhere Fallzahlen in Beförderungserschleichungen, Wohnungseinbrüchen und Diebstählen. In 2015 registrierte die Behörde 558 Einbruchsdelikte mehr als im Vorjahr (Anstieg um 22,6 %). Laut Richter, würden die Wohnungseinbrüche nicht mehr überwiegend in der dunklen Jahreszeit begangen, ein signifikanter Rückgang in den Sommermonaten sei nicht mehr zu erkennen. Der Polizeipräsident hatte im Frühsommer die Einbruchsproblematik als Behördenschwerpunkt ausgerufen und im Mai 2015 das „5-Punkte-Programm“ vorgestellt. Im Zuge der Ermittlungsstrategie überprüfte die Essener Polizei in Brennpunktkontrollen rund 15.000 Personen und rund 11.000 Fahrzeuge, bot für Geschädigte Nachsorgegespräche an, betrieb Aufklärungsarbeit und beriet Bürgerinnen und Bürger über präventive Maßnahmen.

5-Punkte-Plan


Das landesweite Konzepte „Riegel vor!“ und „MOTIV“ (Mobile Täter im Visier) befassten sich als Teil des „5-Punkte-Plans“ ebenfalls mit dem Problem von überregional agierenden Diebesbanden und der Einbruchsprävention. Die leitende Kriminaldirektorin Martina Thon betonte zusammenfassend, man sei von Behördenseite gut aufgestellt. Die auf das Jahr 2015 entfallenden 3.029 vollzogenen und 1.305 versuchten Wohnungseinbruchsdiebstähle konnten die Maßnahmen jedoch nicht abwenden. Im Raum Essen wurde zudem 1.895 Mal in Boden- oder Kellerräume eingebrochen (Anstieg um 56 %). Rund ein Viertel der ermittelten 236 Tatverdächtigen waren unter 21 Jahren alt. Die Aufklärungsquote der Einbruchsdelikte lag bei nur 11 %. Der entstandene wirtschaftliche Schaden belief sich auf rund 7,8 Millionen Euro.
Die Gesamtzahlen betrachtend, unterstrich Thon: „Wenn wir bei steigenden Fallzahlen, eine höhere Aufklärungsquote haben, macht mich das stolz.“ Mit einer Gesamtaufklärungsquote von 51,7 % wäre man „extrem zufrieden“. Thons Urteil trifft zu: Im regionalen Vergleich steht Essen weiterhin gut dar: Städte mit ähnlichen Strukturen weisen eine geringere Fallaufklärungsrate vor (Dortmund: 50,6 %; Düsseldorf: 43,2 %). Alle 24 in Essen begangenen Morddelikte (2014: 21 Fälle) konnten die Behörden aufklären. Bei den 86 im Stadtgebiet erfassten Vergewaltigungen (2014: 75 Fälle), konnten die Polizei in 83,7 % der Fälle einen Täter ermitteln. Die Fallzahlen der Rauschgiftdelikte sind sogar um 6,5 % gefallen. 2015 musste die Polizei hier in 1.441 Fällen ermitteln.
Dennoch haben gerade die Fallzahlen der Straßenkriminalität zugenommen. Hierunter fallen Straftaten im öffentlichen Raum, wie beispielsweise der Diebstahl von Kraftfahrzeugen und Fahrrädern, Sachbeschädigungen und Raub auf Straßen, Wegen und Plätzen. Die Aufklärungsquote der 15.579 Vergehen ist mit 14,5 % beinahe deckungsgleich mit den landesweiten Ermittlungserfolgen und ist im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 % gestiegen.
Kriminaldirektorin Thon betonte bei der Vorstellung der Zahlen, dass man in der Summe der Vergehen auch die höchste Aufklärungsquote seit 2004 erzielen konnte. Man müsse „die Kriminalitätsfurcht im Kontext sehen“. Die Kriminalitätshäufigkeitszahl (KHZ), ein Indikator für die Gefährdung der Bevölkerung durch Kriminalität, stieg zwar leicht an, ist jedoch weitaus geringer als in vergleichbaren Großstädten. So entfielen 2015 auf 100.000 Einwohner in Essen durchschnittlich 11.574 Delikte. In Dortmund waren es im selben Zeitraum 13.602, in Köln gar 14.026.
Dennoch: Die Essener Kriminalitätsrate hat den höchsten Stand seit 2004 erreicht. Die Essener Behörden konnten im letzten Jahr 23.214 Tatverdächtige ermitteln, von denen 22,4 % nicht älter als 21 Jahren waren. Dass die Zahlen im Bereich der Jugendkriminalität nicht angestiegen sind, freute Frank Richter, der am Ende der Präsentation die Einbruchsproblematik nochmal hervorhob. Die Umsetzung des „5-Punkte-Plans“ sei wichtig und jeder gescheiterte Einbruchsversuch sei ein Gewinn für die Polizei, so der Polizeipräsident der versprach: „Wir wollen versuchen, es den Einbrechern so ungemütlich wie möglich zu machen.“


Ausgewählte Fallzahlen für Essen (573.784 Einwohner in 2015) im Überblick


Kriminalitätshäufigkeitszahl (Fälle/100.000 Einwohner)
2014: 10.929 2015: 11.574 (+5,57%)

Deliktsverteilung 2015
Vermögens- und Fälschungsdelikte: 27,78%
Diebstahl ohne erschwerende Umstände: 23,42%
Diebstahl unter erschwerenden Umständen: 23,21%
Sonstige Straftatbestände: 12,25%
Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit: 8,85%
Strafrechtliche Nebengesetze: 3,92%
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung: 0,53%
Straftaten gegen das Leben: 0,03%

Ermittelte Tatverdächtige
2014: 20.764 2015: 23.214 (+11,79%)

Tötungsdelikte (Aufklärungsquote 2015: 100%)
2014: 21 2015: 24 (+14,29%)

Sexualdelikte (Aufklärungsquote 2015: 78,6%)
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
2014: 3272015: 341 (+4,28%)
davon Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen
2014: 752015: 86 (+14,66%)

Raubdelikte
Raub (Aufklärungsquote 2015: 51,63%)
2014: 5572015: 707 (+26,92%, 2014 hatten die Fallzahlen im Vergleich zu den Vorjahren sehr stark abgenommen)
davon Raub auf Straßen, Wegen und Plätzen (Aufklärungsquote 2015: 39,45%)
2014: 3342015: 365 (+9,28%)

Diebstahl (Aufklärungsquote 2015: 23,47%)
Diebstahl insgesamt
2014: 28.6632015: 31.686 (+10,54%)
Schwerer Diebstahl (Verursachter Schaden: 25,6 Millionen Euro)
2014: 13.2972015: 15.692 (+18,01%)

Wohnungseinbrüche (Aufklärungsquote 2015: 10,96%)
2014: 2.471 2015: 3.029 (+22,58%)

Kraftfahrzeugkriminalität - Diebstähle „rund ums KFZ“ (Aufklärungsquote 2015: 8,84%)
2014: 6.278 2015: 6.255 (-0,37%)
Schaden insgesamt 11,7 € Millionen

Taschendiebstahl (Aufklärungsquote 2015: 8,04%)
2014: 2.027 2015: 2.188 (+7,94%. 2014 noch 3,7%)

Fahrraddiebstahl (Aufklärungsquote 2015: 4,04%)
2014: 2.652 2015: 3.415 (+28,78%)
Entstandener Durchschnittsschaden pro Fall: 688€

Widerstand gegen Polizeivollzugsbeamte (Aufklärungsquote 2015: 97,74%)
2014: 247 2015: 266 (+18,18%)

Branddelikte (Aufklärungsquote 2015: 45%)
2014: 192 2015: 240 (+25%)

Rauschgiftdelikte (Aufklärungsquote 2015: 91,67%)
2014: 1.541 2015: 1.441 (-6,49%)

Gewaltkriminalität (Aufklärungsquote 2015: 70,02%)
2014: 1.780 2015: 1.968 (+10,56%)

Straßenkriminalität (Aufklärungsquote 2015: 14,46%)
2014: 15.349 2015: 15.579 (+1,50%)

Quelle: PP Essen, Jahresbericht Kriminalitätsentwicklung 2015
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5 Kommentare
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 18.03.2016 | 15:17  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 19.03.2016 | 23:10  
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Anja Schmitz aus Essen-Süd | 20.03.2016 | 15:02  
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Bernhard Ternes aus Marl | 06.04.2016 | 15:32  
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