Baggerballett im Walpurgistal

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Von oben gesehen und angesichts schwerer Maschinen und gigantischer Röhren wirkt ein Mitarbeiter der Kanalbaumaßnahme Walpurgistal schon winzig. Foto: P. de Lanck
Essen: Walpurgistal | Kanalbau: Dritter Bauabschnitt startet mit Vortrieb durch Bahndamm

Emsig schieben sich gigantische Baufahrzeuge durch das Walpurgistal. Rohre werden bewegt, schweres Gerät angeliefert - der dritte Bauabschnitt hat begonnen. Aktuell steht der Vortrieb durch den Bahndamm an. 200 Meter müssen bewerkstelligt werden. Die Hydraulikpressen werden montiert, der Blick in die Grube und weiter hinein in den Schacht gibt die Aussicht auf einen gigantischen Bohrer frei, der sich nun Tag für Tag durch den steinigen Untergrund fräsen wird.

Die Kanalbaumaßnahme der Stadtwerke Essen im Walpurgistal ist von erstaunlicher Dimension. Das lässt bereits die Größe der Stahlbeton-Rohrelemente vermuten, in die man locker einen Kleinwagen stellen könnte. Insgesamt 530 davon mit einem Gesamtgewicht von rund 13.000 Tonnen werden auf einer Länge von circa 1,6 Kilometern zwischen der Birkenstraße und Am Glockenberg verlegt.
Der neue Kanal für die Abwasserentsorgung, der hier entsteht, soll große Teile des Essener Südens entlasten. Der Hauptkanal ist bereits in offener Bauweise von der Eschen- bis zur Gönterstraße verlegt worden, auf 480 Metern liegen Rohre mit einem Innendurchmesser von 3,2 Metern.
Nun startet der Vortrieb unter dem Bahndamm. Ganze 200 Meter müssen hier zurückgelegt werden. Die riesige zylinderförmige Baugrube bedient viele Superlative. Ein Kran hievt die schweren Elemente zum Tunnelbau einzeln nach unten, um die Untertunnelung so Stück für Stück vorantreiben zu können. Der Bohrer fräst sich durchs Gestein. Die Stempel der Presse drücken mit einer Kraft von 2400 Tonnen bei 24 Stunden Betrieb sieben Tage in der Woche gegen eine Stahlwand, die mit einem Betonbett zusätzlich stabilisiert wurde. Auf der anderen Seite des Tals werden die Rohre später Stück für Stück wieder herausgenommen.
Dirk Pomplun, Pressesprecher der Stadtwerke, beschreibt die Kanalbaumaßnahme als "fein austariertes System, das nicht zu steil sein darf". Insgesamt 40 Kubikmeter Wasser werden künftig pro Sekunde durch das System geschleust werden, inklusive Schmutzfracht versteht sich - "das entspricht in etwa einem Tanklastzug, der dort hindurchrauscht", erklärt er.
Bauleiter Zia Omar von den Stadtwerken beschreibt die Feinheiten des Baus: "Im dritten und letzten Bauabschnitt werden die fehlenden 500 Meter der Hauptleitung verlegt - 1100 Meter liegen bereits. Zudem werden noch Verteilerbauwerke errichtet. Diese Schachtbauwerke sind ungefähr so groß wie ein Einfamilienhaus. Das Wasser wird dort auf eine niedrigere Stufe verlegt."
"Die unterschiedlichen Gefälle der einzelnen Rohrsysteme müssen so ausgeglichen werden", ergänzt der Geologe Marcus Clausius vom Ingenieurbüro Fischer, der täglich vor Ort ist und den Bau überwacht.
Nach der Pressung durch den Bahndamm erfolgt die Anbindung an die dort bestehenden Kanäle. Als letztes steht dann die "Aufhübschung" des Bachlaufes an. Derzeit fließt der Rellinghauser Mühlenbach unterirdisch durch Rohre, um oben ein "trockenes" Arbeiten gewährleisten zu können. Später wird er dann in einem natürlichen Bachbett durchs Tal fließen und nichts wird mehr an die jetzige Baustraße erinnern. Ob die geplanten Bauzeiten eingehalten werden können, ist nicht zuletzt vom Boden und vom Wetter abhängig.
Geplant ist die renaturierte Walpurgistal-Idylle für Ende 2017. Solange läuft das Baggerballett weiter.
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