Vogel des Jahres in Not: Waldkäuze von Autos erfasst und getötet

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Im April verendete dieser Waldkauz an der Freiherr-vom-Stein-Straße nahe des ETUF-Geländes. Das Waldgebiet oberhalb des Sees weist diverse Brutplätze auf. (Foto: Rainer Soest)

Geht es um tierische Opfer des Straßenverkehrs, denkt man eher an Igel oder Kaninchen. Doch auch der Vogel des Jahres, der Waldkauz, stirbt erschreckend oft einen frühen Tod, weil er von einem Auto angefahren wurde. Ein Essener Naturschützer fand in den letzten zwei Monaten zwei tote Vögel allein im Bereich Lerchen-/Freiherr-vom-Stein-Straße.

Rainer Soest, der mit dem Fahrrad zur Arbeit in Richtung Stadtwald fährt, ist entsetzt und traurig. Zum zweiten Mal innerhalb von acht Wochen hat er am letzten Donnerstag einen überfahrenen Waldkauz entdeckt. Die Strecke führt durch Wald und lässt abschnittweise 70 km/h zu. Viele fahren schneller und erreichen eine Geschwindigkeit, bei der ein Waldkauz zum Wegfliegen oder Ausweichen kaum eine Chance hat.
Soest ist Eulenschützer beim Naturschutzbund Ruhr (Nabu) und weiß als solcher, dass "der Waldkauz in den umliegenden Wäldern brütet und momentan seine Jungvögel mit viel Nahrung versorgen muss". Dabei sitze der Vogel auch gerne an Straßenrändern auf Bäumen oder Laternen und jage Kleinsäuger, die auf dem Asphalt besonders leicht zu fangen seien.
Aber das erfordert Erfahrung, denn den Autoverkehr haben die Tiere nicht wirklich im Plan und sind auch längst nicht so geschickt im Umgang damit, wie etwa Krähen oder Elstern, die oft Aas von der Fahrbahn aufpicken.
"Gerade unerfahrene Jungvögel, aber auch Altvögel können den heranfahrenden Autos nicht mehr ausweichen und werden angefahren", berichtet Rainer Soest. Die Tiere seien nicht immer direkt tot, sondern manchmal verletzt. Sie könnten zwar weiterfliegen, würden dann aber elendig im Gebüsch verenden.

Mehrere Funde an Lerchen- und Freiherr-Vom-Stein-Straße

Auch in anderen Regionen Deutschlands bilanzieren Vogelkundler immer wieder, dass Eulenvögel Opfer des Straßenverkehrs werden. Die Wahl einer Art zum Vogel des Jahres erfolgt durch den Nabu und seine bayerische Schwesterorganisation, den Landesbund für Vogelschutz (LBV). Das geschieht auch mit dem Ziel, auf Bedrohungen hinzuweisen. Waldkauz und andere Eulenarten sind eben nicht nur durch den Mangel an Brutplätzen und an Nahrung gefährdet, sondern, wie die traurigen Essener Beispiele zeigen, durch Autos.
Was tun? Langsamer fahren, bittet Rainer Soest: "Je langsamer ein Auto fährt, um so wahrscheinlicher kann eine Kollision mit Tieren vermieden werden." Die breite, lang gezogene Lerchenstraße verleite zum Rasen. Eine Absenkung der dortigen Höchstgeschwindigkeit von 70 auf 50 km/h bzw. am bewohnten Teil der Freiherr-vom- Stein-Straße von 50 auf 30 km/h könne die Situation entspannen: "Nicht nur für den Waldkauz."
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2 Kommentare
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 13.06.2017 | 21:56  
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Thomas Ruszkowski aus Essen-Ruhr | 14.06.2017 | 17:11  
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