Essen: Eingeschränkter Notdienst seitens der KV stellt Bürger vor Probleme

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Peter Renzel. (Foto: Fotoredaktion der Stadt Essen)
 
Engelbert Kölker. (Foto: privat)
Essen: Kindernotfallpraxis |

„Die KV Nordrhein gefährdet nicht nur die Patientenversorgung in Essen, sondern auch den Gesundheitsstandort Essen“, so Gesundheitsdezernent Peter Renzel über die Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nord­rhein, die Notfallpraxen zu dezimieren.

Aus Sorge um die Patientenversorgung will Peter Renzel daher in der nächsten Woche Gespräche mit der KV führen.
Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein in Düsseldorf will durch einen Beschluss ihrer Vertreterversammlung die Notfallpraxen von heute 73 auf 41 Standorte verringern. Das würden dann auch die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Essen spüren.
Gesundheitsdezernent Peter Renzel kritisiert: „Der Beschluss zerschlägt eine für unsere Bürgerinnen und Bürger sehr bewährte Struktur.“
Der Sozialdezernent verdeutlicht das Interesse der Stadt Essen, dass die vier Notfallpraxen sich räum­lich genau richtig verortet haben und er diese Versorgungsstruktur unbedingt erhalten sehen will: „Wir halten die sozialräumliche Versorgung der Patientinnen und Patienten in Essen mit Notfallpraxen für eine passgenaue und unverzichtbare Struktur.“
Für die Bürgerinnen und Bürger im Essener Süden und in Essen-Mitte befindet sich die Notfallpraxis aktuell am Alfried Krupp-Krankenhaus, für den Essener Norden am Marienhospital in Altenessen, für den Essener Osten am Alfried-Krupp-Krankenhaus in Steele, dem ehemaligen Lutherhaus, und für den Essener Westen am Philippusstift in Essen-Borbeck.
Peter Renzel kündigt an, dass diese Entscheidung von der Stadt Essen nicht einfach so hingenommen wird. „Ich habe bereits mit dem Vorstand der Essener Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung ein Gespräch in der nächsten Woche vereinbart. Mit dem Vorsitzenden Dr. Michael Hill und seinem Stellvertreter Dr. Ralph-Detlef Köhn der Essener Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung werde ich alle Möglichkeiten ausloten, die Schließung der beiden Notfallpraxen am Alfried-Krupp-Krankenhaus und am Phi­lippusstift zu verhindern.“
Auch die SPD-Fraktion im Rat der Stadt will die Notfallpraxen erhalten und spricht sich gegen Einschnitte in der Gesundheitsvorsorge aus. „Das Angebot der Notfallpraxen hat sich über viele Jahre bewährt und bietet den Essenerinnen und Essenern außerhalb der üblichen Sprechstunden eine zuverlässige Betreuung. Eine Schließung von Praxisstandorten führt zu längeren Wegen für die Hilfesuchenden, längeren Wartezeiten und Mehrbelastungen in den Notaufnahmen der Krankenhäuser, die heute von kleineren Leiden verschont bleiben. Das kann nicht im Sinne von Ärzten und Patienten sein“, erklärt SPD-Ratsherr Karlheinz Endruschat als gesundheitspolitischer Sprecher.
Er unterstütze das Engagement der Stadtspitze, das Gespräch mit den Verantwortlichen zu suchen. Die sehr gute Gesundheitsvorsorge für Essener Bürger müsse erhalten bleiben.

Auch Kindernotfallpraxis an der Ruhrallee betroffen


Dies würde der Obmann der Essener Kinder- und Jugendärzte, Engelbert Kölker, auch gerne für die Situation der Kinder als Notfallpatienten gewährleistet sehen. „Wir sind unglücklich über die Situation.“
In Essen gibt es lediglich eine Kindernotdienstpraxis an der Ruhrallee 81. Bisher sind dort bis Mitternacht Kinderärzte vor Ort, dann übernimmt die Klinik.
„Das Beschlussgremium der Ärzte hat entschieden, den Notdienst auszudünnen und die Kinderärzte als Fachgruppe haben einen Kompromiss ausgehandelt“, so Kölker, „aber selbst dieser Kompromiss ermöglicht es uns nicht, die Qualität der Versorgung, wie wir sie bisher kannten, auch weiterhin gewährleisten zu können.“
Im schlechtesten Falle befürchtet der Kinder- und Jugendmediziner, dass es nach KV Modell nur noch 35 Prozent der jetzigen Zeit seien, die durch den Notdienst abgedeckt werden könnten.
Wenn alle Essener Kinder- und Jugendärzte die maximal mögliche Zeit arbeiten würden, wären es 52 Prozent des heutigen Notdienstangebotes und wenn noch Kollegen aus Mettmann dazu kämen, noch ein wenig mehr. In jedem Fall würde dies jedoch eine erhebliche Reduktion der bisherigen Versorgung bedeuten.
„Wir Kinderärzte setzen uns nun noch einmal zusammen und überlegen, wie der Situation zu begegnen ist“, so Kölker abschließend.
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