Grüne zuversichtlich: Keine Angst vor Denkmalschutz für die Karstadt Hauptverwaltung!

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Die Karstadtzentrale in Bredeney gibt sich bewußt unauffällig, hat aber viel inneres Potential für unterschiedlichste Büroorganisation bzw, auch andere Gewerbenutzung. der denkmalschutz kann helfen, diese Möglichkeiten für die Nach-Karstadt-Zukunft auszuschöpfen.
 
Es gibt glamourösere Architekturauftritte von Konzernzentralen in Essen. Der Reiz der breit gestaffelten Karstadt-Hauptverwaltung von 1969 besteht aber gerade darin, dass sie sich mit weiträumigen Grünumfassungen ohne Zäune relativ unauffällig in das abschüssige Gelände einpaßt.
 
In den vier Gebäudetrakten der jetzigen Karstadthauptverwaltung läßt sich sehr wohl auch wirtschaftliche Zukunft für neue Unternehmungen oder mit Wohnen gemischteb Gewerbenutuung planen. Abrißbagger statt wohldurchdachter Umbauten für Neunutzungen sollten endlich auch in Essen erst zum allerletzten Mittel gehören.
Essen: Bredeney | Hart an der Grenze zwischen Bredeney und Schuir wurde vor einem knappen halben Jahrhundert die höchst moderne und ansehnliche Karstadt-Firmenzentrale gebaut. Jetzt würdigt ein Gutachten des Rheinischen Amts für Denkmalschutz die herausragende Architektur dieses Gebäudekomplexes. Auf gut 24 Seiten wird dort beschrieben, warum speziell in dieser Firmenzentrale in ihrer Bauzeit zukunftsweisende bis heute wirkende positive Architekturelemente zu finden sind
Nach der Eintragung in die Liste der Essener Baudenkmäler kann der Denkmalschutz jetzt dafür sorgen, dass dort an der Theodor-Althoff-Str. nicht einfach Abriss und gesichtslose Neubauten die Zukunft bestimmen. Da an dieser attraktiven Gewerbeachse entlang der A 52 grundsätzlich Investitionsbereitschaft vorausgesetzt werden kann, dürften entsprechende Sanierungen unter dem Denkmalschutz in den nächsten Jahren Umbauprojekte ermöglichen, die der Essener Wirtschaftsentwicklung als Visitenkarte gelten können. Wenn dann noch endlich etwa die ÖPNV -Verlängerung der U11 ins dieses Büroparkareal in Angriff genommen werden sollte, steht der blühenden Zukunft dieses Quartiers nichts mehr im Wege.

Gewerbequartier mit schützenswerter Bauhistorie

Besonders spannend sind neue Pläne für die bisherige Karstadt-Hauptverwaltung, wenn sie in Abstimmung gemeinsam mit der endlich genehmigten Grundsanierung und Modernisierung der nahegelegenen Landespolizeischule an der Norbertstrasse betrachtet werden. Auch der Denkmalschutz für die Landespolizeischule, die samt ihres großzügigen Außenbereichs Anfang der dreißiger Jahre mit den Architekturprinzipien von Bauhaus und Neuer Sachlichkeit erbaut wurde, war bisher oft als für die Stadtentwicklung hinderlich kritisiert worden.
Aber nicht der Denkmalschutz ist Ursache für den traurigen Zustand dieses riesigen Areals und für die kaum zumutbaren Bedingungen, unter denen dort die Polizei arbeiten muss. Tatsächlich hat das Land NRW jahrzehntelang nur auf Neubau gesetzt und sich der Eigentümerverantwortung für diese Polizeischule entzogen. Die ganze Anlage sollte nach dem Willen des Landes wohl dem Abrissbagger überlassen werden.

Modernes Arbeiten in unverwechselbaren Bauwerken

Zum Glück gibt es jetzt für Polizei wie für Karstadt Chancen, in unverwechselbaren Bauwerken für Beamte wie für die Gewerbe, Konzepte für moderne funktionale Nutzungen zu installieren. Wenn nach der aktuellen Landesentscheidung zumindest am Polizeistandort endlich für viele Millionen € Umbau- bzw. Grundsanierungen beginnen, ergeben sich hoffentlich auch positive Konsequenzen für das seit 20 Jahren leerstehende, ursprünglich als IBM-Zentrale errichtete Bürohaus unmittelbar neben Polizeischule und A 52.
Eigentlich müssten sich Stadtgesellschaft, wie auch Wirtschaftsentwickler darüber freuen, dass aus den sechziger Jahren zumindest 3 bis 5% der Bauwerke so sinnvoll geplant, wie auch architektonisch so durchgestaltet wurden, dass sie ein halbes Jahrhundert später in der Kategorie „schützenswertes Baudenkmal“ geführt werden dürfen. Wenn die anderen 95% der Gebäude mit gutem Gewissen für bessere und sinnvollere Neubauten abgerissen werden können, sollte das für dynamische Stadt- und Wirtschaftsentwicklung ausreichen.

Herausforderungen für intelligente Projektplanung

Die Aufgabe im 21. Jahrhundert mit alter, aber guter Architektur auf der Höhe der Zeit zu arbeiten und zu leben, bietet Herausforderungen für intelligente Projektplanung, die mehr kann, als Abrissbagger zu bewegen oder Beton auf Wiesen und Äcker zu setzen.
Stattdessen wird viel zu oft, wenn in unserer Stadt qualitätvolle Architektur unter Denkmalschutz gestellt werden soll, seitens SPD und CDU der große Bedenkenchor in den Raum gestellt, orchestriert durch IHK und diverse Immobilienmakler.
Und gleich, ob es im aktuellen Fall um die Karstadthauptverwaltung von 1969 geht, ein Postscheckamt; das frühere, 1960 fertig gestellte Rheinstahlhochhaus an der Kruppstr., das Grugabad von 1965, das Baedeckerhaus oder das bereits dem Abriss geweihte Hauptbad an der Steelerstraße, immer wurde beim nahenden Denkmalschutz der drohende Stillstand von Bau- und Gewerbeentwicklung beschworen.

Denkmalschutz will Stadtquartiere nicht Museen verwandeln

Denkmalschutz bedeutet aber nicht, die Stadt in ein Museum zu verwandeln, sondern vor Gesichts- wie Geschichtslosigkeit zu bewahren und billige Schuhkartonarchitektur zumindest zu bändigen. Denkmalgeschützte Gebäude mit ihren Außenanlagen werden nicht in Harz eingegossen, sondern behutsam einem neuen Verwendungszweck angepasst. Unvermeidbare Eingriffe in die Architektur seien es Brandschutz oder Inklusionsanforderungen müssen dann allerdings so erfolgen, dass frühere Nutzungen und bemerkenswerte Architekturdetails erkennbar bleiben.
In den vier großen Kuben der Bredeneyer Karstadt-Zentrale des Architekten Walter Brunesind sind derzeit noch einige hundert Karstadt-MitarbeiterInnen tätig. Falls die bisher kolportierten Umzugsabsichten ( bzw. Kleinersetzungen) des Karstadtkonzerns verwirklicht werden, kann der Gebäudekomplex nach entsprechender Generalsanierung sowohl für eine großflächige Gesamtnutzung oder aufgespalten in Einzelbauwerke, Potential für diverse Neunutzungen bieten, vielleicht sogar für eine Mischung aus Arbeiten und Wohnen.

Abriß und Neubau nur kurzfristig gesehen die beste Lösung

Es mag sein, dass Abriss und Neubau vordergründig den geringsten Kapitaleinsatz erfordern würde. Letztlich sollte dieses Areal aber zu wertvoll für austauschbare Baukästen sein. Büroschreibtische wie auch Computer-Arbeitsplätze sind ein schnell wanderndes Gut. Eine modern durchsanierte, wie geschichtsträchtig vorzeigbare Firmenadresse mit besonderem Ambiente, kann in Entscheidungsprozessen für Neuansiedlungen ebenfalls ein wesentliches Argument sein.
Grüne freuen sich deshalb auf eine gute, wie wirtschaftlich sinnvolle Zukunft und Umwandlung der bisherigen Karstadt-Hauptverwaltung unter dem Denkmalschutz.
    
Walter Wandtke; Ratsherr
Fraktion Bündnis 90/ Die GRÜNEN, Fachkundiger Bürger für Denkmalfragen
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