Ausgezeichnet: Praxistauglichkeit statt Perfektion

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Im barrierefreien Veranstaltungszentrum des Hotels Franz wurden alle zehn Essener Einrichtungen in unterschiedlichen Kategorien ausgezeichnet.
 
Neues Signet, bewährte Prüfung: Die ARGE Selbsthilfe behinderter Menschen in Essen zeichnet Einrichtungen aus, die eingehend auf ihre Barrierefreiheit getestet wurden. (Foto: ARGE Selbsthilfe behinderter Menschen)
Essen: Hotel Franz |

Am 13. September 2013 verlieh die Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen in Essen das neu gestaltete Signet "Essen ohne Barrieren" in vier unterschiedlichen Kategorien an zehn verschiedene Essener Objektträger. Der Veranstaltungsort war nicht zufällig gewählt: Das Hotel Franz wurde selber von den Betroffenen geprüft und erhielt als einziges Objekt alle vier Signets.


Das Signet "Essen ohne Barrieren" ist eine Auszeichnung für ein barrierefreies Gebäude in den Bereichen Gehbehinderung, Sehbehinderung, Hörbehinderung und/oder mentale Behinderung. Die Prüfung der Gebäude wird von ehrenamtlich tätigen betroffenen Personen durchgeführt. Die Fachleute in eigener Sache testen, wie alltagstauglich die Gebäude für Menschen mit Behinderungen sind und prüfen anhand ausführlicher Checklisten, in welchen Kategorien die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungsarten berücksichtigt wurden. "Unsere Prämisse lautet: Praxistauglichkeit geht vor Perfektion", so Angela Ströter, Sprecherin der Arbeitsgruppe "Signet" der ARGE.

"Das Hotel Franz mit angeschlossenem Veranstaltungszentrum ist für Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungsarten bestens geeignet." Das stellten die Prüfer begeistert fest, nachdem sie das Haus auf Herz und Nieren untersucht hatten. "Zu 100 % kann man die Barrierefreiheit kaum umsetzen", erläutert Reinhard Osterfeld, Vorsitzender der ARGE Selbsthilfe behinderter Menschen die Prüfergebnisse, "denn oft widersprechen sich die Bedürfnisse der unterschiedlichen Betroffenen. Aber das Hotel Franz hat in einigen Kategorien sogar deutlich über 90 % aller Kriterien erfüllt und macht vor, wie ein barrierefreies Gebäude aussehen kann."

Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention


In feierlicher Atmosphäre sprachen Günter Oelscher, der Direktor des Franz Sales Hauses, Angela Ströter, Sprecherin der Arbeitsgruppe "Signet" der ARGE sowie Peter Renzel, Beigeordneter der Stadt Essen aus ihrer jeweiligen Perspektive über Inklusion in Essen. Anschließend erfolgte im Hotel Franz die Verleihung der Signets an die Objektträger.

Angela Ströter berichtet: "Seit Mitte 2012 prüfen wir nach längerer Pause wieder öffentliche Gebäude und Gebäude mit Publikumsverkehr in Essen auf Barrierefreiheit. Gern geben wir Empfehlungen, wie man die Barrierefreiheit in Essener Gebäuden verbessern kann. Das ist unser Beitrag zur Umsetzung der UN – Behindertenrechtskonvention." Bei entsprechender Zielerreichung (mind. 80% aller Kriterien) wird das Signet "Essen ohne Barrieren“ vergeben.

Es gibt viele verschiedene Kriterien: So reicht z. B. für gehbehinderte Menschen ein ebenerdiger Zugang oft nicht aus. Die Prüfer achten unter anderem auf geeignete Parkmöglichkeiten, unterfahrbare Tische, barrierefreie WCs u.v.m. Für hörbehinderte Menschen sind z. B. Induktionsanlagen von großer Bedeutung oder Technik für einen Schriftdolmetscher. Sehbehinderte Menschen fordern tastbare Leitlinien oder taktil erfassbare Informationsschilder. Menschen mit mentalem Handicap sind auf Erläuterungen in leichter Sprache, Piktogramme oder Abbildungen angewiesen.

Weitere Informationen und Antragstellung: Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen in Essen, Haus der Begegnung am Weberplatz 1, 45127 Essen (Tel. 22 89 39) www.arge-selbsthilfe.de
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