Coffee to go in Grün

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Die Herren pusten bereits: cupforcup-Gründer Franziskus von Boeselager, EBE-Geschäftsführer Uwe Unterseher-Herold und IGR-Vorsitzender Rolf Krane (hinten, v. l.) kosten den Kaffee aus dem von Lisa Prepens (links) und Estelle Fritz (Leiterin des Zero-Waste-Seminars) entwickelten Mehrwegbechersystems. Fotos: Hubernagel
 
Passend zum Outfit: Die cupforcup-Becher sind in sechs verschiedenen Farben erhältlich. Mehrwegdeckel gibt es übrigens nicht. "Zu unhygienisch", begründet Boeselager den Verzicht.

Studenten führen Mehrwegbecher-System in Essen ein

Den To-go-Becher aus der Stadt verbannen? Ein ehrgeiziges Ziel, das sich Studierende der Universität Duisburg-Essen da gesetzt haben. Lisa Prepens und drei Kommilitonen haben dem Essener Pappbecher den Kampf angesagt und läuten das Zeitalter des Mehrwegbecherpfands ein.

80.000 Kaffeebecher, so schätzt die Deutsche Umwelthilfe, werden in Essen täglich verbraucht. Verbraucht, weggeworfen und nicht recycelt. Unnötig, fanden Lisa Prepens, Renata Maracic, Halid Omerovic und Ibrahim El Haj. Die vier Studierenden waren Teilnehmer des Zero-Waste-Seminars, das die Universität Duisburg-Essen anlässlich des Grüne-Hauptstadt-Jahres angeboten hatte. Eins der Themen: die Umweltsünde Einwegbecher. Das praktische Wegwerf-Behältnis ganz verschwinden zu lassen, sei natürlich schwer, weiß auch Lisa Prepens, doch Rüttenscheid traut sie den Versuch zu. Mit 40 Cafés bietet sich der Gastro-Stadtteil für die Einführung des Mehrwegbecher-Systems an. "An ein nachhaltiges System haben auch wir schon länger gedacht", sagt Dr. Rolf Krane, 1. Vorsitzender der IG Rüttenscheid, der das Projekt zusammen mit den Entsorgungsbetrieben Essen (EBE) fördert, "doch ohne einen übergreifenden Plan, ohne Sponsoren ist das bereits im Vorhinein gescheitert."

Dickwandige Becher, zu 100 Prozent recyclebar

Klappen soll es jetzt mit cupforcup. Das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf stellt die in sechs Farben erhältlichen Kunststoffbecher her, die Kunden anstelle des Pappbechers wählen können. 100 Prozent recyclebar seien die Becher, sagt der in Essen lebende Firmengründer Franziskus von Boeselager: "Und etwa 300 Mal zu benutzen."
Konkret funktioniert das Becherpfand ähnlich wie das Pfandflaschensystem. Für einen Euro ersteht der nach Kaffee verlangende Kunde den bunten Becher in einem teilnehmenden Café; ist das heiße Getränk ausgetrunken, kann der isolierende Becher woanders gegen einen Euro zurückgetauscht werden oder direkt neu befüllt werden. Neben einem guten Gewissen bieten kleine Vergünstigungen einen Anreiz zum Recycle-Becher. Bei Coffee Pirates, Rüttenscheider Straße 218, kostet der Kaffee im Mehrwegbecher beispielsweise 20 Cent weniger als im Wegwerf-Gefäß. Inhaber Patrick Schiller hat zwar bereits ein eigenes Bechersystem entwickelt, das die Umwelt entlastet, doch auch ihm gefällt die Idee eines flächendeckenden To-go-Systems. "Wir haben viele junge Leute und junge Eltern bei uns", sagt er, "wegen der Spielplatznähe sind wir direkter Anlaufpunkt für Coffee to go."
Ein Jahr lang haben die Essener nun Gelegenheit, das Pfandsystem auf seine Tauglichkeit zu prüfen. EBE und IGR bezuschussen die Becher zwischen Rüttenscheid, Isenbergviertel und Uni – tragen soll sich das System danach hoffentlich von selbst. "Natürlich finden wir als Straßenreiniger die Idee super", meint EBE-Geschäftsführer Uwe Unterseher-Herold, "deswegen fördern wir das System ja auch. Doch wichtig ist uns vor allem, dass etwas Langfristiges entsteht. Ein System, das über das Grüne-Hauptstadt-Jahr hinaus Bestand hat."
Über die teilnehmenden Cafés können sich umweltbewusste Tee- und Kaffeetrinker auf www.cupforcup.de informieren. Jetzt schon sind große Partner wie Bäcker Peter und die Biobäckerei Troll dabei. Weitere Cafés sind in dem grünen Netzwerk herzlich willkommen, lädt Franziskus von Boeselager ein: "Online können kleine und große Gastrobetriebe mit uns Kontakt aufnehmen." 
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