Eifeltiger auf der Pirsch

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Die Wildkatze erobert sich Lebensräume zurück und ist damit eines der erfolgreichen Artenschutzprojekte in Nordrhein-Westfalen. In großen, zusammenhängenden Waldgebieten wie dem Rothaargebirge, dem Egge-Gebirge oder der Eifel hat sie sich wieder angesiedelt.

Alte Buchenwälder, mystische Moore, blühende Heideflächen, ausgedehnte Wasserlandschaften und wilde Mittelgebirgsbäche: Nordrhein-Westfalen hat eine einzigartige Natur und eine große Artenvielfalt. Mehr als 3000 Naturschutzgebiete, etwa 550 Gebiete des europäischen Schutzgebietssystems „Natura 2000“, der Nationalpark Eifel, rund 100 Wildnisgebiete und 14 Naturparks bewahren das heimische Naturerbe und machen es für die Bevölkerung erlebbar. NRW ist nicht nur das bevölkerungsreichste Bundesland und Heimat für rund18 Millionen Menschen; auch mehr als 43 000 verschiedene Tier-, Pilz- und Pflanzenarten finden hier Lebensraum - vom kleinsten Insekt über den „Urwald-Baum“ und den Wanderfalken bis hin zum größten Wildtier in NRW, dem Wisent. Sie alle gehören zum „Wilden NRW“: ein Schatz vor der Haustür.

Doch diese beeindruckenden Zahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Naturerbe gefährdet ist. Das Artensterben schreitet auch in NRW weiter voran: Etwa 45 Prozent der beobachteten Tier- und Pflanzenarten in NRW sind gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben.

„Die Wildkatze ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein anspruchsvoller Naturschutz Früchte tragen kann. Jahrzehntelang war die Wildkatze vom Aussterben bedroht, nun hat sich die Situation in den letzten Jahren verbessert“, freute sich Horst Becker, Parlamentarischer Staatssekretär im Umweltministerium, bei einem Besuch im Wald zwischen Lohmar und Siegburg. Dort werden wissenschaftliche Untersuchungen zur rechtsrheinischen Verbreitung der Wildkatze mit Lockstöcken durchgeführt. Im Projekt „Wildkatzensprung“ erfasst der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in mehreren Gebieten NRWs das Vorkommen der scheuen Tiere. Mit Hilfe dieser Zählungen wird eine bundesweite Gendatenbank erstellt, die Rückschlüsse auf die Populationen ermöglicht. Allein im nordrhein-westfälischen Teil der Eifel leben heute wieder knapp 250 Wildkatzen. In der gesamten Eifel wird ihr Bestand auf 1000 Tiere geschätzt. Bei Untersuchungen in Ostwestfalen wurden mehr als 50 Tiere nachgewiesen.

Die Wildkatze war noch im 19. Jahrhundert in Nordrhein-Westfalen in den bergigen Regionen weitverbreitet. Mit der zunehmenden Industrialisierung und dem Verlust von natürlichen Lebensräumen schrumpfte ihr Bestand drastisch. In den Roten Listen der gefährdeten Arten der Jahre 1986 und 1999 war sie noch als „vom Aussterben bedroht“ gekennzeichnet. In der aktuellen Roten Liste wurde sie nun in die Kategorie3 - „gefährdet“ - zurückgestuft. Das Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ und das vom NRW-Umweltministerium geförderte Projekt „Wildkatzensprung“ sollen das Vorkommen in den Wäldern bei Lohmar überprüfen.

Mittlerweile existieren viele Projekte dieser Art in Nordrhein-Westfalen. So hat beispielsweise auch die NRW-Stiftung den Landesverband des BUND bei seinem Artenschutzprojekt „Rettungsnetz Wildkatze in NRW“ finanziell unterstützt. Das Geld für ihre Aufgaben erhält die NRW-Stiftung überwiegend aus Gewinnspielerträgen von WestLotto.

Die Europäische Wildkatze (felissil vestris) wird fälschlicherweise oft als Vorfahre aller heimischen Hauskatzen bezeichnet. Tatsächlich stammt unsere Hauskatze aber von mehreren Linien der sogenannten Libyschen Wildkatze ab. Schon beim Aussehen gibt es Unterschiede zwischen der Europäischen Wildkatze und den heutigen Hauskatzen: „Die Wildkatze hat ein gelblich-grau bis bräunlich gefärbtes Rückenfell, das mit einem undeutlichen schwarzen Tigermuster gezeichnet ist. Über die Rückenmitte zieht sich von den Schulterblättern bis zur Schwanzwurzel ein schwarzer Aalstrich. Bevorzugte Nahrungsflächen sind Waldränder, Waldlichtungen, waldnahe Wiesen und Felder, aber auch weiter entfernt gelegene gehölzreiche Bereiche“, erläutert Dr. Matthias Kaiser, Experte für Artenschutz im Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Darüber hinaus benötigen die Tiere ein ausreichendes Angebot an natürlichen Versteckmöglichkeiten als Schlafplätze und zur Aufzucht der Jungen, etwa dichtes Gestrüpp, bodennahe Baumhöhlen, Wurzelteller, trockene Felsquartiere, verlassene Fuchs- oder Dachsbaue. Im April kommen die Jungtiere zur Welt, sie verlassen nach spätestens sechs Monaten ihre Mutter. „Die Wildkatze ist eine hochmobile Art mit einem großen Raumanspruch“, weiß Dr. Hans-Jürgen Schäfer, Abteilungsleiter Naturschutz beim Landesbetrieb Wald und Holz. In der Nordeifel beträgt die Größe der Gebiete, in denen Kater herumstreifen, 1000 bis 2000 Hektar, bei den Katzen etwa 500 Hektar. Innerhalb ihres Lebensraumes legen die Tiere Entfernungen von durchschnittlich drei Kilometern pro Nacht im Sommer und elf Kilometer pro Nacht im Winter zurück.
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