"Gauner sterben nicht aus"

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Doppelt verschließen ist eine wichtige Vorsichtsmaßnahme, um Wohnungseinbrecher von den eigenen vier Wänden abzuhalten.
 
Stephania Fischer-Weinsziehr rät zum Schutz des persönlichen Hab und Guts. Foto: Polizei
Essen: Polizei Essen |

Haben Sie beim Verlassen Ihrer Wohnung zweifach abgeschlossen? Sind die Fenster geschlossen oder doch nur auf Kipp? Polizeipräsidentin Stephania Fischer-Weinsziehr weiß, dass es oft einfache Maßnahmen sind, die vor kriminellen Übergriffen schützen. „Jeder kann etwas tun.“ Doch das allein reicht natürlich nicht.

Denn die Kriminalität im Land NRW, in der Bereichen der Bezirksregierung Düsseldorf und speziell des Polizeipräsidiums Essen ist weiter angestiegen. Allein in der Stadt Essen um knapp 5 Prozent auf 60.338 Delikte. Bei einem Schnitt von 10.522 Straftaten auf 100.000 Essener (Dunkelziffer exklusive) belegt man damit im NRW-Ranking den fünften Platz. „Überall sterben die Gauner nicht aus“, weiß die Polizeipräsidentin. Immerhin: Die Aufklärungsquote der Essener Beamten liegt bei über 50 Prozent.

Aus den statistischen Erkenntnissen zog die Polizei Essen-Mülheim fünf Schwerpunkte, denen man sich bis 2016 nun intensiv widmet: dem Wohnungseinbruchsdiebstahl, der Jugendkriminalität, den sogenannten Problembereichen, verunglückten Kindern sowie dem behördlichen Gesundheitsmanagement zur Gewährleistung der Leistungsfähigkeit des Polizeipräsidiums und seiner Beschäftigten.

Mehr Schwarzfahrer und Wohnungseinbrüche

Neben Leistungs- und Leistungskreditbetrug (vor allem nicht erbrachte Internetdienste) sowie Beförderungserschleichung - hier stiegen die Zahlen in den vergangenen zwei Jahren enorm, jedoch parallel zur deutlich erhöhten Kontrollaktivität der Evag - seien vor allem die Wohnungseinbrüche für die hohen Kriminalitätszahlen verantwortlich, analysiert Heinrich Jüschke, Leiter der Direktion Kriminalität. So ist ein Plus von über 25 Prozent (plus 483 Taten) in 2012 zu verzeichnen. Brennpunkte seien da keine auszumachen, betroffen ist der Norden ebenso wie der Süden. „Und auch ein Sommerloch gibt es nicht mehr“, so Jüschke, der von neuem Täter-Klientel von Außerhalb ausgeht, welches sich zum „Grundrauschen“ des örtlichen Verbrechens hinzu gesellt habe. „Das macht uns überhaupt keine Freude“, ist die Polizei hier im Zugzwang.Zumal gerade der Eingriff in den persönlichen Raum neben den Straftaten in der Öffentlichkeit das subjektive Sicherheitsgefühl der Einwohner stark negativ beeinflusse. Die Aktion „Riegel vor! Sicher ist sicherer!“ soll weiterhin für Aufmerksamkeit sensibilisieren, dazu aufrufen, sich selbst und andere zu schützen - indem verdächtige Beobachtungen der Polizei verstärkt gemeldet werden. Beratungsgespräche zum Schutz der eigenen Wände - auch und verstärkt mit Wohnungsbaugesellschaften - gehören mittlerweile zum Alltag auf dem Präsidium. „Es kostet Geld“, weiß die Polizei um die Kosten zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen, doch seien diese eben auch von großem Wert. „Wenn es lang dauert oder Krach macht, ziehen die Einbrecher größtenteils weiter“, weiß die Polizeipräsidentin aus Erfahrung. So erspart man sich in der Regel jede böse Überraschung.

Statistisches:
- Neun Todesfälle verzeichnet die Essener Kriminalstatistik für 2012. Das sind zwei Opfer weniger als im Vorjahr. Zwei Fälle sind bisher noch nicht aufgeklärt.
- Bei den Sexualdelikten gibt es einen kleinen Abfall um 2,18 Prozent von 367 auf 359; die Aufklärungsquote liegt hier bei über 70 Prozent.
- Von 2.269 auf 1.896 (-16,44 Prozent) fiel die Zahl der Taschendiebstähle in 2012.
- Zu Brandstiftung kam es in 276 Fällen, ein Anstieg von knapp 7 Prozent.
- Straftaten im Zusammenhang mit Rauschgift gab es in 1.069 Fällen.
- Fahrraddiebstähle haben an Attraktivität gewonnen: 1.747 Drahtesel wurden in 2012 entwendet.

Von Sara Holz
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