Titelrennen für Nigbur noch nicht entschieden

Als Steilpass-Experte ist Norbert Nigbur, ehemaliger Torwart vom FC Schalke 04, Hertha BSC und Rot-Weiss Essen, in dieser Saison nicht am Start. Vor dem Beginn der Rückrunde gibt der 64-Jährige aber eine Prognose für die Fußballbundesliga ab. „Wenn sich Dortmund findet und nichts mehr liegen lässt, könnte es für die Bayern vielleicht noch mal eng werden“, sieht Nigbur das Titelrennen noch nicht als entschieden an.

Ein Argument pro Borussia findet sich im Tor. „Roman Weidenfeller wirkt auf mich konstanter als Manuel Neuer“, sagt Nigbur. Nur sieben Gegentore der Münchener sprechen nur scheinbar eine klare Sprache. „In vielen Spielen hätten die Bayern keinen Torwart gebraucht.“

Vielleicht gibt das Viertelfinale im DFB-Pokal am 27. Februar einen wichtigen Fingerzeig auf den weiteren Saisonverlauf. „Es ist kein Nachteil für Dortmund, dass das Spiel in München stattfindet“, legt sich Nigbur fest. Und sollte Mario Götze ähnlich auftrumpfen wie zuletzt beim 5:1 im Achtelfinale gegen SV Hannover 96, dann dürften die BVB-Aktien weiter steigen.

Es bleibt die Frage zu klären, ob Götze tatsächlich bereits in der Weltklasse angekommen ist, wie das Fachmagazin-Kicker in seiner jüngsten Rangliste feststellte. „Die Möglichkeiten dazu hat er, das hat er immer wieder in Stichproben gezeigt.“ Wichtig: Für Weltklasse muss man kein Messi sein – denn der Argentinier spielt längst in anderen Sphären. Mit Jürgen Klopp habe Götze aber den richtigen Trainer, der ihn – falls nötig – immer wieder auf den Boden zurückholen könne.

Unsanft auf ebendiesen gelandet sind die Schalker trotz des besten Bundesligastarts der Vereinsgeschichte. Trainer Huub Stevens habe keine Schuld an der Krise im November und Dezember gehabt, ist sich Norbert Nigbur sicher: „Es herrscht immer Unruhe, wenn Spieler gehen oder für mehr Geld verlängern wollen.“ Mit dem Wechsel von Lewis Holtby zu den Tottenham Hotspurs hat sich zumindest eine Baustelle erledigt.

Die größte Enttäuschung der Saison spielt dennoch nicht in Gelsenkirchen, sondern weiter westlich. „Ich hätte Borussia Mönchengladbach mehr zugetraut.“ Ein Grund für die mäßige Spielzeit 2012/13 sind die Leistungen von Marc-André ter Stegen. „Er macht vieles falsch, was er vorher richtig gemacht hat.“

Nur steht die Borussia immer noch dort, wo andere Mannschaften gerne wären. Zum Beispiel die beiden wahrscheinlichen Absteiger Spielvereinigung Greuther Fürth und FC Augsburg. Den Fürthern fehle einfach das Potenzial für Liga eins, so Nigbur, daran könne auch Trainer Mike Büskens nichts ändern. Bei den Augsburgern seien die Probleme zum Teil aber hausgemacht. Neben dem Verletzungspech der Hinrunde wiege auch die Trennung von Trainer Luhukay schwer.

Und so dürfte die Überraschung der Hinrunde Chancen auf den Klassenerhalt haben. Nigbur: „Wenn Fortuna Düsseldorf vorne einen guten Knipser hätte, dann wäre vielleicht sogar noch mehr drin.“
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