Jedes Baby hat eine zweite Chance verdient

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Das „Essener Babyfenster“ ist vom Nazarethhaus an der Beethovenstraße, in das Elisabeth-Krankenhaus umgezogen. Nun kommen die Kinder von der Klappe direkt auf die Neugeborenen-Station.
Seit dem 10. Oktober, 12 Uhr, können Säuglinge anonym, in der neuen Babyklappe abgegeben werden.
„Das war einer der ungewöhnlichsten Umzüge, die man erleben kann“, sagt Dr. Björn Enno Hermans, Sprecher des Essener Vereins Babyfenster und Geschäftsführer des Sozialdienstes katholischer Frauen Essen-Mitte e.V. (SkF).
Der Verein „Essener Babyfenster“ wurde 2001, von den Frauenorden im Bistum und dem Sozialdienst katholischer Frauen gegründet. Seither befand sich das Babyfenster im Haus Nazareth.
„Der Standort war optimal. Ruhig, geschützt und uneinsehbar. Direkt um das Haus lagen Einrichtungen der Jugendhilfe und ein Kindergarten. Mütter die diesen Schritt wagen, sollten das Gefühl vermittelt bekommen, ihr Kind in sichere Obhut zu geben“, meint der SkF Geschäftsführer.
Ein weiteres Plus, war die Arbeit der Ordenschwestern, erläutert Hermans: „Der Bezug von Nonnen zu Findelkindern hat eine lange Tradition. Schon vor Jahrzehnten setzten Mütter ihre Neugeborenen häufig vor Kirchen aus und Nonnen zogen die Findlinge auf.“
Trotz dieser Vorteile, musste die Babyklappe nach zwölf Jahren ihren Standort wechseln. Klosterfrauen und ­Ehrenamtliche arbeiteten die ganze Woche hindurch, Tag und Nacht in der Einrichtung. „Personell schien dies auf Dauer nicht leistbar“, erklärt Hermans.
Aufgrund dessen fiel nun die Entscheidung, das Babyfenster zu einem Kooperationspartner zu verlagern. Alle im Haus Nazareth abgegebenen Kinder, kamen zur Untersuchung stets in die Neugeborenen-Abteilung des Elisabeth-Krankenhauses.
Jetzt werden die Mitarbeiter der Neugeborenen-Station direkt alarmiert.
Bei der Festlegung der neuen Position, achteten die Zuständigeninsbesondere auf eine ruhige und geschützte Umgebung.
Der Sprecher des Vereins ist sehr zufrieden mit dem neuen Standort. „Die Klappe ist nicht direkt am Haupteingang, sondern verborgen an der Seite des Krankenhauses, direkt neben der Kapelle. Das strahlt eine besonders vertrauenwürdige Atmosphäre aus.“ Das bunt bemalte Babyfenster liegt an der Ruhrallee, direkt zwischen Kapelle und Ärztehaus. Ein schmaler, extra angelegter Steinweg, führt geradewegs zu der Klappe.
Bis auf den Standort hat sich nichts verändert. Im Krankenhaus versorgen Ärzte und Schwestern die Kleinen. „Nach einer Woche kommen die Würmchen in ehrenamtliche Bereitschaftspflege. Nach weiteren acht Wochen, werden sie dann vermittelt“, sagt Dr. Dariusz Michna, Chefarzt der Klinik für Früh- und Neugeborene.
Am alten Standort des Babyfensters ging der Alarm insgesamt 16 Mal. Alle Babys waren höchstens ein bis zwei Tage alt. Bei einem Kind überlegte es sich die Mutter anders und holte es zurück. Alle Anderen leben heute in Adoptivfamilien.
„Einmal stand auch ein Kleinkind, um die 16 Monate, vor dem Babyfenster. Es weinte bitterlich und schrie nach seiner Mama. Das war das schlimmste Erlebnis, das alle bei der Essener Babyklappe bisher hatten“, erzählt Dr. Michna.
Die Beteiligten hoffen, das dass Fenster in Zukunft leer bleibt.
„Das Babyfenster sollte der letzte Ausweg sein. Es ist die schlechteste Möglichkeit, aber immer noch besser als gar keine. Hier bekommen die Kinder wenigstens eine Chance zu leben“, so Hermans.
Mittlerweile gibt es in Essen viele Optionen für werdende Eltern, die mit ihrer ­Situation überfordert sind. Sie können zu Beratungsstellen gehen, es gibt Wohnungen für Schwangere in Not oder den Adoptions- und Pflegedienst. Und als letzten Ausweg eben das Babyfenster.
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