Accordion Affairs

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Jörg Siebenhaar, Konstantin Wienstroer und Peter Baumgärtner bieten warmherzigen Sound. Foto: Bangert
 
Das dreiköpfige Quartett „Accordion Affairs“ wusste auf der kunstwerden.bühne zu begeistern. Foto: kunstwerden

Ein dreiköpfiges Quartett mit begeisterndem Konzert auf der kunstwerden.bühne

Der Verein „kunstwerden“, seit zehn Jahren an der Ruhrtalstraße beheimatet, hat sich auf seine Fahnen geschrieben, das ganze Spektrum zu bieten. Da bieten Ausstellungen Kunst aller Art. Die kunstwerden.bühne tickt ähnlich, ermöglicht auch hier multiple Seh- und Hörgenüsse.

Nun gastiert ein Quartett, welches gar keins ist: Peter Baumgärtner bearbeitet die Trommelfelle und Konstantin Wienstroer zupft einen feinen Bass. Soweit, so schon sehr gekonnt. Doch Jörg Siebenhaar sorgt für das Tüpfelchen auf dem i. Er meistert, parallel, gleich zwei Instrumente. Der Pianist hat eine Affäre mit dem Akkordeon. So bekommt die Musik dieser spannenden Besetzung einen tragenden Ton, der seinesgleichen sucht.

Warmherziger Sound

Das Piano beherrscht Siebenhaar mit Bravour, schüttelt die perlenden Klavierläufe nur so aus dem Ärmel. Zeitgleich bedient er noch sein Akkordeon. Die linke Hand gleitet über die Tasten, die rechte entlockt der Quetschkommode höchste Qualität. Da, wo es schnell zum anbiedernden Gag verkommen könnte, wählt Siebenhaar die feine Balance. Seine Virtuosität verblüfft und begeistert, ohne je ins Billige, ins reine Kunststückchen abzugleiten. Die Bandbreite der Band sorgt für immer wieder für neues Erstaunen im Publikum und frischen Wind im Konzertverlauf. Bereits beim dritten Stück bewegen sich im Auditorium die ersten Hüften. „Accordion Affairs“ lassen niemanden kalt, bieten einen warmherzigen Sound, der packt und nicht mehr loslässt. Drei alte Hasen, die schon sehr lange miteinander musizieren. Drummer Peter Baumgärtner zum Beispiel mag seine Kollegen offenbar sehr, schrieb er ihnen doch ein wunderschönes Stück „C“ auf den Leib. Wie hier zunächst Wienstroer mit seinem Bass die Führung an sich reißt und dann nahtlos Siebenhaar am Piano übernehmen lässt, sagt viel über das Innenleben dieser drei Spielgefährten aus.

„Wie im Wohnzimmer“

Nie wird es beliebig, stets auf den Punkt servieren die Drei ein wunderbar abgestimmtes Potpourri der Möglichkeiten. Es gibt Stücke bekannter Komponisten wie Richard Galliano oder John Scofield, aber auch eigene Kompositionen. „Don Quixote“ aus der Feder des Bassisten Charles Fambrough ist ein imposantes Werk, führt in Grenzbereiche der Lautstärke, nimmt sich dann wieder zurück. Siebenhaar moderiert die Stücke kurz an, offensichtlich gefällt’s ihm im Werdener Kunstkeller: „Das ist super hier. Wie im Wohnzimmer.“ Vereinsvorsitzender Frank R. Brügma lächelt und nickt dem Musikus zu: „Da hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. kunstwerden ist so etwas wie unser zweites Wohnzimmer.“ Jetzt wird es ruhiger, ein türkisches Traditional. Jörg Siebenhaar kommentiert: „Das Stück gibt’s auch mit deutlich mehr Tempo. Aber wir spielen es sinnlicher, balladesker.“ Das Titelstück der neuen CD heißt Elle und kommt mit jazzigen Klängen in einer entspannten Loungeversion daher. Das Akkordeon steht auch für den Tango. Siebenhaar entführt nach Argentinien, in die Milongas von Buenos Aires.

Zugabe

Die Zuhörer lassen die Drei nicht von der Bühne. Jetzt noch nicht. Es ist doch so schön. Die ersten Klänge der Zugabe lassen innehalten. Cool Jazz? Frank Brügma stutzt kurz: „Das ist doch Miles Davis!“ Siebenhaar gibt ihm recht: „Aber Miles hat natürlich kein Akkordeon gespielt...“ Der obligatorische Klingelbeutel geht herum, das Trio schließt mit einem anrührenden Gutenachtlied. Hauchzart klingt das Akkordeon aus. Bestens unterhalten, gehen die kunstwerdener mit einem Lächeln auf dem Gesicht heim. Mehr davon!
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