Geld regiert die Welt

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Konzeptkünstler Philipp Valenta mit seinem Werk „Vektor“, die Aufs und Abs der Börsenwelt. Foto: Bangert
 
„Cloverfield“ gibt die Topographie des Ruhrgebietes anhand von Autobahnkreuzen wieder. Foto: Henschke

Konzept-Ausstellung „The Road To Success“ von Philipp Valenta in den renovierten Räumen von „kunstwerden“


Geld regiert die Welt, die Freundschaft endet beim Geld, es stinkt nicht, über Geld spricht man nicht, die Liebe zum Geld ist die Wurzel alles Bösen. Was gibt es nicht an philosophischen Betrachtungen des schnöden Mammons. Die neueste Ausstellung in den renovierten Räumen von „kunstwerden“ beschäftigt sich mit…Geld!

Phillip Valenta ist ein Künstler, der in seinem Schaffen vorwiegend konzeptuell und ortsbezogen arbeitet. Thematisch lassen sich seine Arbeiten in die Bereiche Finanzwesen, Wirtschaft, Luxus und Wertigkeiten einordnen. In diesem Spannungsfeld drückt er seine zwiespältigen Gefühle mit verschiedensten künstlerischen Mitteln aus: „Das Leben des schönen Scheins, der Glanz des Luxuriösen lösen bei mir gleichzeitig Verlangen wie Abneigung aus. Brauche ich viel Geld, ein großes Haus, Reisen? Das übt schon eine Faszination aus, aber gleichzeitig sind die Auswüchse der Finanzwelt zutiefst zu verteufeln.“
Durch Praktika bei Banken bekam Philipp Valenta intime Einblicke hinter die Kulissen der Finanzwelt. Das Verhältnis von materiellem und ideellem Wert spielt eine wichtige Rolle in seinem Werk. Wir leben nicht mehr im Mittelalter, wo Malerei nach Kostbarkeit der Farbe bezahlt wurde, doch „Kataster (Bemerkung: Villa)“ ist eine Arbeit mit Echtgold auf Transparentpapier. Hier wurden Straßenzüge einer „besseren“ Wohngegend wiedergegeben, ein örtlicher Bezug, so Valenta: „Im Bredeneyer Brucker-Holt-Viertel stehen die teuersten Häuser in Essen.“ Materieller und ideeller Wert finden hier überein.

DAX-Werte, Kohle und Stahl

In der Börsenwelt etwa werden Wertigkeiten in Windeseile geschaffen oder erlöschen genauso schnell wieder. Diese Erfahrungen finden sich in zwei nur auf erstem Blick konträren Werkgruppen: „Vektor“ sind auf Karton gedruckte Pfeile, rot abwärts, aufwärts in Grün, neutral in grau gehalten. „Inverted DAX-Mazes“ sind Linoldrucke, in dunklen Nuancen gehalten. Der Gedanke hinter den Werken ist hier ein Einfangen des flüchtigen Augenblicks, hier wird die Entwicklung der 30 DAX-Werte an einem Freitagabend erfasst, dort auf 30 mal 30 Zentimetern der Verlauf des DAX an einem Mittag. „Cloverfield“, das Kleefeld, ist eine Installation der Topographie des Ruhrgebietes: Autobahnkreuze auf abgeriebenem Kohlepapier, welche auf Stahlstelzen stehen, verweisen auf Kohle und Stahl, die das Revier reich gemacht haben. Der Titel bezieht sich aufs Aussehen solch eines Autobahnkreuzes, das oft vierblättrigem Klee ähnelt.

Humor und Schönheit

Immer gibt es auch ein Wechselspiel zwischen Ernsthaftigkeit und verspielter Ironie: „Geld ist ein Tabu-Thema. Da können Humor oder Schönheit nützliche Werkzeuge sein, als Türöffner.“ Mit Geld spielt man nicht? Das sieht Valenta anders. In einem hochwertig aufgemachten Kästchen eine 5-Euro-Note, als Tangram zerschnitten.
Ein silbernes Sparschwein, ein Hammer. Das sind die Zutaten zum Kunstwerk „Schlachtung“ mit dem augenzwinkernden Vermerk: unverkäuflich. Sonst mache er dies nicht, werde diese Ausstellung aber mit einem performativen Kommentar eröffnen: Feierlich zerschlägt Valenta das Porzellan, heraus purzeln Münzen, das Sparschwein ist „geschlachtet“. Geschnitten aus einer Ein-Dollar-Note, spielt „Dido“ auf die Gründungs-Legende Karthagos an: Prinzessin Dido floh vor ihrem Bruder Pygmalion an die afrikanischen Küste, haute dort den Häuptling übers Ohr, der ihr so viel Land versprochen hatte, wie sie mit einer Kuhhaut umspannen könne. In dünne Streifen geschnitten, umspannte diese nämlich ein großes Stück Land.
Ein abschließender Satz von Philipp Valenta: „Schlussendlich sind wir alle nur Jäger auf der Suche nach Glück und Geld.“

Die Ausstellung

Phillip Valentas Ausstellung „Road To Success“ findet bei „kunstwerden“ in den Werdener Toren an der Ruhrtalstraße statt. Freitags von 20 bis 24 Uhr und sonntags von 15 bis 18 Uhr sind die Werke zu sehen. Die Ausstellung läuft bis zum Sonntag, 18. September, dann gibt es ab 15 Uhr zur Finissage die Performance „Geldwäsche“.
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