„Life can be so sweet“ Sommerlich-Jazziges Konzert bei „kunstwerden“

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Was für eine Stimme! Was für eine Stimmung! Der Jazz-Abend in Werdens rührigem Kunstverein war entspannt, groovy, auch mal witzig oder auch nachdenklich.

Der Rahmen war genau richtig: „kunstwerden“ hatte sich fein gemacht, erstaunlich viele Zuhörer hatten sich bei Kerzenschein eingefunden, Sängerin Imke Spöring zeigte sich beeindruckt: „Ich freue mich, dass wir trotz so großer Konkurrenz so gut besucht sind!“
Alle waren neugierig, was denn unter dem ominösen Titel „Secret Sounds of the Fireflies“ zu verstehen sei? Ganz einfach: der Sommer ist da!
Wann zeigen sich die Glühwürmchen? Sommers, nachts, die Hitze flirrt, die Grillen zirpen…Spätestens nach dem Einsteiger, der mit seinen entspannten Rhythmen die wohltuende Wärme und das Temperament Brasiliens einfing, war die Marschroute klar: „Der Sommer kann kommen!“

Frivol

Ein Klassiker: Da surrten die Bienen rund um die „Honeysuckle Rose“, eventuell gesellte sich auch ein Glühwürmchen dazu? Mit beeindruckender Vokalakrobatik lockte ein frivoles „I don't buy sugar- you just have to touch my cup“ das Piano aus der Reserve, wo Marc Brenken einen Lauf hatte, der Kontrabass von Moritz Götzen wusste flink und selbstbewusst zu antworten, sodass „die Stimme“ ihre Kollegen wieder einfangen musste: „Könnt ihr wieder langsamer, das ist mir zu schnell!“ Lieblingsstücke? Imke Spöring frohlockte: „Meins kommt später - Marcs jetzt - das von Moritz spielen wir nicht!“
“Don't you worry 'bout a thing” - Stevie Wonder hätte es gefreut. Dann wurde es nachdenklicher, erinnerte an die Jazz-Baronin Pannonica „Nica“ Rothschild, benannt nach einem seltenen Schmetterling. Wohl eher ein Nachtfalter, ein adliges, wildes Ding, welches in ebensolcher „Ehe“ mit Jazzgröße Thelonious Monk lebte.

Beschwingt

An “On the sunny side of the street” hat sich auch Billie Holiday versucht, Imke Spöring braucht sich da nicht zu verstecken. Da wurde geschnippt und so einiges aus der Stimme herausgeholt, da ging das Piano steil, die Textzeile „Life can be so sweet“ hätte gut Motto des beschwingten Abends sein können.
Vor der Pause gab’s noch „Summer in the city“, das groovte und verlockte zum Mittanzen. Marc Brenken schritt mit einem Miniatur-Harmonium durchs Publikum und lotete die Klangmöglichkeiten des Raumes aus.

Kokett

In der „zweiten Halbzeit“, das Frauenfußballspiel musste warten, durfte der Bass auch mal so richtig loslegen und erntete spontanen Szenenapplaus, die Sängerin überspielte kokett-charmant ihre Textpannen, das Auditorium wurde in die Pflicht genommen, musste mitmachen, zischen und pfeifen und schnipsen.
Moderner Sound ließ Moni und Bernd hinterm Tresen tanzen, ein Duett von Kontrabass und Stimme zauberte ein hauchzartes Stück in die Luft, das ganz ganz sanft ausklang und im Raum verhallte - tosender Beifall!
Dann versuchte es der Bass mit dem Piano, Marc Brenken sang vom Glühwürmchen.

Aufgekratzt

„Happy“ war ein krönender Abschluss. Hätte ein krönender Abschluss sein können. Doch das Publikum ließ die Drei (noch) nicht gehen: „Zugabe! Zugabe!“
„Sunny“ war echt toll, reichte aber noch nicht, stellte Sängerin Imke Spöring erstaunt fest: „Ihr seid ja noch so aufgekratzt!“ Also noch die Mamas und die Papas hinterher: „Dream a little dream“- der ganze Saal stimmte mit ein „da dadadadadadada da dada….“

Ein Konzert, was zwar seine begeisterten Zuhörer, aber sich selbst nicht zu ernst nahm - herrlich.
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