Upcycling- Kunst aus aufgewerteten Baustoffen bei der Kunstspur

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Edelstahlseile und Malervlies zu einem kunstvollen Objekt verarbeitet. Konstanze Ziemke-Jerrentrup liebt es, Material, das eigentlich ausrangiert wurde, für ihre Objekte zu verwenden.
 
Mit Gardinenstangen strickt sie mit groben Stoffstreifen. Ihr Wohnzimmer ist gleichzeitig ihr Atelier.

Was für andere Müll ist, ist für die Architektin Konstanze Ziemke-Jerrentrup eine Grundlage für ihre Kunstwerke. Sie fertigt so genannte Upcycling-Objekte aus Edelstahl.

Dabei entstand ihre Karriere als Künstlerin eigentlich nebenbei. Sie öffnet ihr Atelier, wie viele andere Künstler auch, für die Kunstspur.
Ebenso wie ihr Vater entwickelt auch Ziemke-Jerrentrup Spiele, während ihr Vater sich allerdings mit Erwachsenenspielen beschäftigt, seine Inspiration das amerikanische Trivial Pursuit, das auf dem deutschen Spielemarkt keines Gleichen fand, widmete, entwickelte sie Kinderspiele. „Flechtwerk“ hieß die jüngste Idee, in der die jungen Spieler aus einzelnen Bildelementstreifen ein komplettes Bild „weben“ sollten.

Erstes Kunstwerk entstand 2012/2013


Diese Idee inspirierte sie für ihr erstes Kunstwerk 2012/2013, dass den Besucher direkt farbenfroh im Flur begrüßt. Streifen aus edlem und teurem Wollvlies sind hier ineinander zu einem bunten Quadrat verwebt. Die „Reste“ finden sich als Platzmättchen auf ihrem Wohnzimmertisch wieder. „Die Streifen waren teuer und ich hatte überlegt, wie ich die Reste noch sinnvoll verwerten kann“, sagt die Künstlerin. „Ich möchte für meine Objekte Dinge benutzen, die nicht eigens dafür angeschafft worden sind.“ Eben Upcycling- oder eine künstlerische Wiederverwertung. An den Wänden finden sich kunstvolle Edelstahlobjekte. Kaum zu glauben, dass sie quasi aus Müll bestehen. Als Baufachjournalistin kennt sie da ihre möglichen Bezugsquellen genau. „Aus Seilen und Verbindungselementen ist beispielsweise meine Serie Insekten entstanden“. Etwas, dass auch die Wirtschaftsvereinigung Stahl äußert interessant findet und die Architektin darum bittet, ihre Objekte in der Zentrale in Düsseldorf auszustellen. Sie willigt ein, mit der Bedingung, dass die Werke vorzeitig, rechtzeitig zur Kunstspur wieder zu ihr zurück gelangen.
Und obwohl alle ihre Werke äußerst durchdacht sind und eine klare Ästhetik aufweisen, versteht sich die Architektin eher als Handwerkerin als als Künstlerin. „Ich schaffe etwas mit meinen Händen, ich mache Architektur jetzt nur mit anderen Mitteln und Wegen“, erklärt sie. Das Ziel, einen Raum zu gestalten, habe sie lediglich auf die Objekte als auf die Raumgestaltung verlagert. Dabei betont Ziemke-Jerrentrup, die 1960 in Bad Oeynhausen geboren ist, „Ich arbeite nach wie vor und bin glücklicher Weise nicht darauf angewiesen von meiner Kunst zu leben.“ Diese Zwanglosigkeit spiegelt sich in ihren extravaganten Werken wider. Edelstahl hat für sie eine besondere Anziehungskraft. „Das Material hat viele spezielle Eigenschaften. Es lässt sich verbiegen, aber nur bis zu einem gewissen Grad“, es ist ein bisschen, als wenn ihre Werke das Leben widerspiegeln. „Ich habe mich jahrelang theoretisch analysiert, jetzt setze ich mich damit praktisch auseinander, das ist etwas ganz anderes“.

Wiederverwenden bewusstes Thema


Auch das Wiederverwenden ist ein bewusstes Thema. „Es ist mir wichtig,, dass die Menschen bewusst mit Ressourcen umgehen. Es geht nicht ums Einsparen, sondern um das richtige Kalkulieren und nicht verschwenderisch zu sein und Dinge im Überfluss zu entsorgen“, so stammen beispielsweise die polierten Edelstahlplatten ihrer Kunstwerke von einem großen Schrottplatz, den durfte sie nur in Absprache mit dem Geschäftsführer begehen. „Die Dinger waren richtig oll, aber mit ein bisschen Politur sehen sie aus wie neu“. Und etwas Anderes ist auch noch ganz neu in ihrer Ausstellung- Gedankengut an ihren Vater. „Er ist vor fünf Wochen gestorben“, erzählt sie. Ein Vermächtnis sind etliche Spiele, die sie im Zeichen der Kunstspur gerne an die Besucher verschenken möchte.

Spiele des Vaters werden verschenkt


Dazu sind auch Kunstwerke entstanden. Die Kartonagen, in die die Spiele verpackt waren, spielen eine zentrale Rolle. Die kleinen Schachteln hat sie an einer Edelstahlplatte angebracht, größere Verpackungen bilden mit einem Meyers Lexikon aus den Siebziger Jahren eine Mauer, andere Faltschachteln bilden eine riesengroße Bodenplatte, auf die die Besucher Elemente der Spiele, wie die Jetons oder Schnipsel der Spielblöcke werfen können- eine Form der Trauerbewältigung, die die Architektin so betreibt. „Die Besucher haben nur zurückhaltend zugegriffen, aber dafür eifrig gespendet (das Geld geht an den bunten Kreis in Duisburg). Dabei würde mein Vater sich freuen, wenn seine Spiele noch viele Menschen erfreuen“, sagt Konstanze Ziemke-Jerrentrup.

Kontakt und Internetseite


Daher hofft sie, dass sich vielleicht noch gemeinnützige Organisationen oder Vereine finden, die einen guten Verwendungszweck für die Spiele ihres Vaters haben und bietet erneut einen Termin an, für alle die es am Wochenende nicht geschafft haben. Sie freut sich auf Besuch am Freitag zwischen 16 und 19 Uhr im Waldblick 13. Kontakt können sie unter info@konstanzeziemke.de aufnehmen oder aber unter der Rufnummer 0172/24 25 499. Alle Infos zu der Künstlerin und ihren Werken finden sich unter www.konstanzeziemke.de
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