Verlorenen Funktionen nachgespürt

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Georg von Glasow mit Werken seiner Ausstellung in kunstwerden. Foto: Bangert
 
Das Doppel „Gelber Platz“ und „Stelen“, gedruckt nach Farbdias. Foto: Henschke

Georg von Glasow mit der Ausstellung „EinBildungen“ in den Räumen von kunstwerden


Der Kettwiger Fotograf Georg von Glasow eröffnete seine Ausstellung in den Räumen das Vereins „Kunstwerden“ in den Werdener Toren. Dort, wo ausgediente Industriegebäude nicht zerschlagen, sondern neuen kreativen Nutzungen zugeführt wurden, dort ist seine Fotografie bestens aufgehoben.

Denn Georg von Glasow spürt verlorenen Funktionen nach. Dafür nutzt er sonntägliche Spaziergänge. Aber nicht im Wald, sein Revier sind Schrottplätze. Seltene und historisch wertvolle Dinge finden einen Platz in einem Landschaftspark oder in einem Museum. Doch metallene Gebrauchsgegenstände, Reste? Die sollen möglichst nicht ungeregelt irgendwo herumliegen. Dies stört die Menschen. Also werden die Dinge entsorgt. Auf einem Schrottplatz herrscht penible Ordnung, nach Anlieferung werden die Teile zerlegt, sortiert.

Innerlich Platz schaffen

Dort, wo sonst die Bagger hin und her fahren, dort herrscht sonntags Ruhe. Georg von Glasow unternimmt dann Ausflüge ins Ich: „Wer hier Bilder sucht, sollte sich auch selbst innerlich freimachen. Große und leere Plätze bieten sich zur Meditation an.“ Je mehr er sich auf die vorgefundenen Formationen, Zeichen und Spuren einließ, wurde ihm bewusst, wie stark die Sehgewohnheiten von der Funktion der Dinge bestimmt sind, und wie nach deren Verlust die Dinge in einem neuen Licht erscheinen: „Wo viele auf dem Schrottplatz nur nutzlose Reste sehen, betrete ich ein unerschöpfliches Spielfeld der Imagination, der Fantasie und der Selbstbegegnung.“
Georg von Glasow erkennt in deformierten, ihrer Funktion beraubten Gegenständen oftmals organische Strukturen. Bagger-Kratzer an einer Betonwand haben für ihn etwas Archaisches. Beim Schatten auf Stahlwand erscheint der Umriss des Fotografen als Kommentar.

Konsequent analoge Fotografie

Spät entdeckte der inzwischen 74-Jährige sein Auge fürs Bildhafte. Seit 1990 fotografiert er, nach der Pensionierung wurde das Hobby ausgebaut. Konsequent sperrt sich von Glasow gegen die Bilderfluten. Er nutzt ganz bewusst alte Techniken, analoge Fotografie mit der Rollei SL66, ganz klassisch mit Filmrolle, entwickelt im eigenen Fotolabor, wo Silbergelatineabzüge entstehen. Dieses Verfahren aus der Frühzeit der Fotografie bringt eine besonders feine, monochrome Darstellung in die Schwarzweiß-Motive. Nun sind 39 fast ausschließlich in schwarz-weiß gehaltene Werke zu bestaunen. Auch Tintenstrahldrucke aus SW-Negativen, so leuchtet das Pentagon „Negativinstallation“ mit fünf Trockendrucken auf Transparentpapier geheimnisvoll in der verspiegelten Nische. Das Doppel „Gelber Platz“ und „Stelen“ verblüfft mit hellem Gelb und strahlendem Blau, gedruckt nach Farbdias. Das Foto „Verlust der Funktion“ ist Auftakt der Ausstellung und zugleich Wegweiser durch die von Glasowschen Bilderwelten. Das sind Stanzreste, Weißblechrollen, Graphitwände, Baustahl.

Bis zum 23. Dezember

Petra Steinhardt kommentiert die Ausstellung: „Ein Rundgang durch eine Motivwelt mit großem Facettenreichtum. Es sind spannende Bilder, mit einer interessanten thematischen Klammer. Ein imaginärer Spielraum, der viel Platz lässt für Assoziationen und angeregte Diskussionen über die einzelnen Bilder. Ich sehe bei den Besuchern der Ausstellung viele kleine Fragezeichen. Auch ist eine hohe Qualität der Handabzüge zu sehen, die bei digitaler Fotografie einfach nicht möglich ist.“
Die Fotoausstellung „EinBildungen“ ist in den Räumen des Vereins Kunstwerden, Ruhrtalstraße 19, zu sehen. Sie ist bis zum 23. Dezember zu den Öffnungszeiten freitags von 20 bis 24 Uhr, sonntags von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung zu erleben.
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