3. Treffen von Werden hilft!

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"Werden hilft!"-Mitinitiator Andreas Brinck führte in den Domstuben durch den informativen Abend.
 
Über den Tellerrand kochen!

Es war brechend voll. Spätestens beim dritten Treffen stieß selbst der große Saal der Domstuben an seine Grenzen. „Werden hilft!“ ist bereits jetzt eine große Sache…

Entstanden aus einer regen Diskussion auf facebook, entwickelt die Hilfsorganisation eine fast schon beängstigende Dynamik. Initiator Andreas Brinck hatte etwas von einem naiven Schulbuben, als er freimütig gestand: „Ich bin wieder überfordert – so viele Menschen hatte ich nicht erwartet und hier im Haus viel weniger Gäste angemeldet! Ich bin vorsichtshalber dem Wirt Frank Hahn aus dem Weg gegangen…“
Wohltuend, wie hier die Organisatoren hinter den Inhalten verschwinden möchten, sich selbst hinten anstellen. Ganz unaufgeregt, aber mit einem kräftigen Schuss Euphorie, soll Flüchtlingen geholfen werden, die ab Dezember in der neu gebauten Erstaufnahmeeinrichtung des Landes auf dem Kutel-Gelände eintreffen werden.
Wie schon bei den ersten Treffen, ging es eben nicht um Personen, Postengeschachere und Ämterverteilung, sondern nur um die Sache. So soll der angedachte eingetragene Verein - er wird benötigt, um Spenden bescheinigen zu können - ganz geräuschlos aus der Taufe gehoben werden. Vereinsmeierei ist verpönt, viel eher sollen sich die Kräfte in Arbeitskreisen bündeln, die ganz konkrete Hilfsangebote entwickeln werden.
Hier finden sich Interessierte in einer bunten Mischung aus „Profis“, die bereits anderweitig in soziale Projekte eingebunden sind, und eher naiven „Frischlingen“, die einfach helfen möchten, ohne groß über den Aufwand, fehlendes Fachwissen oder mögliche Hindernisse nachgedacht zu haben.
Auch setzten einige Mitglieder der Werdener Bürgerbewegung bei der Sonntagsdemo „Essen stellt sich quer“ trotz der Kälte ein friedliches Zeichen.


Steigende Zahlen

Thomas Römer ist beim Team des Sozialdezernenten Peter Renzel zuständig für „Wohnungsnotfallprävention“, also auch für die Unterbringung von Asylbewerbern, berichtete über die stadtinterne Arbeitsaufnahme mit allen zuständigen Stellen wie etwa Gesundheitsamt, Jugendamt, Ausländerbehörde. Die Entwicklung der Flüchtlingszahlen zeige einen weiteren Anstieg: „In 2014 haben wir die Prognose von 200.000 fast exakt genau gelegen, es kamen 202.834 Flüchtlinge nach Deutschland!“ Die offizielle Prognose für 2015 sei noch nicht veröffentlicht. Erste Schätzungen erwarten aber 230.000 Menschen, die in Deutschland um Asyl bitten. Folglich müsse auch Essen mehr aufnehmen, zudem sollten die geschaffenen Notunterkünfte wieder geschlossen werden. Da reichen die bisherigen Unterkünfte plus der 800 Bewohner in der neuen Einrichtung bei weitem nicht aus.
Für die Anwohner ist eine Infoveranstaltung geplant, am Mittwoch, 4. Februar, um 19.30 Uhr in der Aula des Gymnasiums Essen-Werden, Grafenstraße 9, können sich interessierte Bürgerinnen und Bürger über den aktuellen Planungsstand informieren.
Die städtischen Vertreter bekräftigten noch einmal das Angebot, jederzeit für alle Fragen zur Verfügung zu stehen: „Wir nehmen auch alles an Anregungen auf und leiten sie weiter!“

Erkältung

Najibulla Ahmadsadah aus Afghanistan, lebendes Beispiel einer gelungenen Integration nach Asylverfahren, verwies auf die Wichtigkeit der Sprache: „Die Menschen, die kommen, kennen zum Beispiel nicht das Wort Erkältung – dabei sind alle erkältet, wenn sie nach Deutschland kommen!“
Nun wird in den Arbeitskreisen gearbeitet, es entstehen erste konkrete Projekte wie ein Kunstprojekt, bei dem sich Kinder und Jugendliche künstlerisch ausdrücken können, so könne man Sprachbarrieren überwinden.
Auch solle „Kochen verbinden“, hier wurde auf ein Kochbuch einer Berliner Initiative mit dem Namen „Über den Tellerrand kochen“ verwiesen.
Zukünftigen Helfern werde auferlegt, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis einzuholen, durch verstärkte Kommunikation nach außen solle versucht werden, die Bevölkerung aufzuklären und die Hemmschwelle zu senken.
Auf die Frage, was für Menschen denn nun in Fischlaken zu erwarten sein, antwortete Thomas Römer ehrlich: „Man weiß es nicht, wer da kommt, aus welchem Staat, in welchem Alter…“ Aus Afghanistan und Syrien sei weiterhin großer Zustrom zu erwarten, auch aus afrikanischen Staaten, Serbien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina.
Das nächste Treffen der gesamten Gruppe von „Werden hilft!“ findet am Montag, 23. März, wieder um 20 Uhr in den Domstuben statt. Hat Frank Hahn bis dahin angebaut?
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