„Der Bedarf ist eindeutig“

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Der Pavillon der Schule an der Jacobsallee - ein peppiges Graffiti verdeckt nicht den Charme der 70er Jahre. Foto: Henschke

Stimmen zur geplanten Erweiterung der Schule an der Jacobsallee


Die Vorstellung der Pläne einer privat finanzierten Schulerweiterung mit Kita an der Jacobsallee fand großen Widerhall bei Politik und Verwaltung. Die Heidhauser Elterninitiative bekam viel Zuspruch, es wurden aber auch Bedenken geäußert.



Bezirksvertreter Hanslothar Kranz fragte nach: „Kurze Beine, kurze Weg, das ist richtig. Doch warum jetzt erst die Idee? Besteht ein Zusammenhang mit dem dort geplanten Flüchtlingsheim?“ Elternvertreter Thorsten Kaatze antwortete: „Die Pläne sind schon länger da, aber wir wollten nicht mit halbleeren Händen zu Ihnen kommen. Das bringt nichts. Beplanung und Finanzierungskonzept brauchten nun mal Vorlaufzeit.“

Neuer Lebensmittelpunkt

Jürgen Schroer vom Kinder- und Familienbüro der Stadt Essen hatte aktuelle Zahlen im Gepäck: „Der Bedarf ist eindeutig!“ Von Seiten seiner Verwaltung werde aufgrund neuer Bebauung und der Nachverdichtung in Heidhausen der Bedarf einer mindestens dreigruppigen Kita gesehen. Junge Familien sollen einen neuen Lebensmittelpunkt in Heidhausen finden: „Wir wollen daher, dass in einem Radius von 1000 Metern eine Kita erreichbar ist. Das Erreichen der Quoten von 40 Prozent bei den U3-Plätzen und 80 Prozent bei den Ü3-Plätzen ist unser fester Wille, wobei es erfahrungsgemäß bei den Eltern im Essener Süden sogar noch höheren Bedarf gibt. Wir wollen uns langfristig entscheiden, eine Zusammenarbeit von Kita und Schule ist zum Beispiel in Haarzopf und Kettwig vor der Brücke schon erfolgreich.“

PPP-Projekte kritisch gesehen

Patrick Widmaier war einst selbst Schüler an der Jacobsallee, saß auch schon im maroden Gebäude: „Die BV hat immer wieder Geld gegeben, um den Pavillon zu flicken. Wenn man die nötige Sanierung in einem Neubau mit der Kita zusammenbringen kann, dann doch bitte in einem Abwasch erledigen, auch im Rahmen eines PPP-Programms“. Der zuständige Dezernent Peter Renzel hatte aber bereits darauf hinweisen, dass der Schulausschuss als auch der Rat der Stadt Essen in den vergangenen Jahren den sogenannten „PPP-Projekten“, also Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen, immer sehr kritisch und ablehnend gegenüber stand. Bezirksbürgermeister Dr. Michael Bonmann fragte also Ingo Penkwitt: „Könnten private Investoren in ihrem Amt akzeptiert werden?“ Der Chef der Immobilienwirtschaft hielt fest: „Zunächst muss die Schulverwaltung den Bedarf feststellen, erst dann handeln wir. Die PPP-Modelle werden tatsächlich aus vielen Aspekten kritisch gesehen, auch von Land und Bund.“
Dies führte zu Unmut bei Thorsten Kaatze: „Die Stadt möchte doch auch von einem privaten Investor das Kloster Schuir für Flüchtlinge anmieten, das ist doch nichts anderes als unser Vorschlag!“

Schulentwicklungsplan

Peter Renzel hatte die ihm vorliegenden Zahlen im Vorfeld erläutert: „Der aktuelle Schulentwicklungsplan hat mit Einwohnerzahlen und Prognosen gearbeitet, die aus März 2015 datieren. Auf der Basis dieser Zahlen haben wir die Aussage getroffen, die Entwicklung an den Schulstandorten im Bezirk IX erscheine aktuell unproblematisch. Ein Erweiterungsbedarf im Sinne von Bedarf für mehr Klassenräume für mehr Schüler bestand aktuell nicht. Die Schule an der Jacobsallee ist derzeit zweizügig, ohne dass bislang ihre Klassen besonders groß wären - im Gegensatz zu vielen anderen Schulen im Stadtgebiet. Gemeinsam mit der Fischlaker Schule lassen sich dort Zuwächse bei den Zahlen der Erstklässler noch stemmen.“

Kinder brauchen Platz

Die Verwaltung werde aber noch einmal alle neueren Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung zur Hand nehmen, um die bisher gemachten Feststellungen noch einmal zu überprüfen. Auch sei zu beobachten, welche Auswirkungen eine künftige Bebauung der „Grünen Harfe“ auf die Schulstandorte habe. Renzel gibt ehrlich zu: „Auch der Schulentwicklungsplan sagt, dass die bauliche Ausgestaltung für den Offenen Ganztag zu Zeiten erfolgt ist, als noch deutlich weniger Kinder an diesem Angebot teilgenommen haben. Insofern gibt es hierfür sicherlich an sehr vielen Grundschulen in unserer Stadt Bedarf: Kinder, die spielen und sich bewegen sollen, brauchen Platz - und dass das gerne mehr sein kann, als jetzt vorhanden ist, streitet niemand ab.“

Dr. Michael Bonmann schlug einen Ortstermin der Bezirksvertretung vor und dankte den Eltern: „Diese bemerkenswerte Initiative ist zu bedenken - vielleicht sind die Zahlen des Schulamtes schlicht und einfach überaltert?“
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