Fantastische Spendenbereitschaft

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Die Ehrenamtlichen von „Werden hilft“ waren überwältigt von der Spendenbereitschaft. Foto: Bangert
 
In der Kleiderkammer können Ehrenamtliche wie Ursula Dressler helfen. Foto: Archiv

Die Sammlung für die Kleiderkammer von „Werden hilft“ sprengte alle Dimensionen

Der Gemeindesaal von Christi Himmelfahrt droht bereits kurz nach Öffnung aus allen Nähten zu platzen. Die Spendensammlung für die Kleiderkammer von „Werden hilft“ ist ein Riesenerfolg.

Viele reagierten auf den Spendenaufruf und machten sich auf den Weg nach Fischlaken. Die Werdener begrüßen sich flapsig vor dem Gemeindesaal am Wintgenhof: „Na, hast Du auch deine gute Tat vollbracht?“ Da wurden Kleiderschränke, Keller und Dachböden durchstöbert. Der Nachwuchs ist schon wieder aus den erst kürzlich gekauften Sachen herausgewachsen, die neue Wohnung ist doch ein Stück kleiner, die Tochter ausgezogen und kann nicht alles mitnehmen. Unaufhörlich strömen die Menschen mit Koffern, Taschen und Säcken herbei. Drinnen Herrensachen in den Größen S bis XL, Handtücher, Schuhe und FlipFlops. Aber auch Kleidung für Schwangere, Ausstattung für Neugeborene, Kinderwagen, Buggys, Fleece- und Babydecken. Dazu noch unzählige Koffer, Rucksäcke, Handtaschen und Stoffbeutel. Besonders rührend: Eine Dame mit Rollator schleppt schwere Tüten herbei, kommt aber die Treppe nicht herunter. Natürlich wird ihr geholfen. Ein Vierjähriger hat sich von seinen Stofftieren getrennt. Mögen sie nun Flüchtlingskindern in der Fischlaker Erstaufnahmeeinrichtung Freude bereiten.

Liebevoll betreut

Ursula Dressler hatte bei den Teilnehmern einer Sportfreizeit gefragt, auch eine Sportschule im Sauerland um von Kindern und Jugendlichen dort „Vergessenes“ gebeten. Mit großem Erfolg, eine ganze Wagenladung landete dort, wo sie so dringend gebraucht wird. In der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Nordrhein-Westfalen mit ihren 800 Plätzen wird regelmäßig die Belegung ausgetauscht und auf kommunale Unterkünfte verteilt. Diese hohe Fluktuation bedeutet, dass jede Woche immer andere Menschen in die Kleiderkammer eingelassen werden. Sie werden dort liebevoll betreut durch Ehrenamtliche von „Werden hilft“, die teilweise mit Händen und Füßen die Wünsche der Geflüchteten heraus fragen und so gut wie möglich helfen. Inzwischen steht neben dem Raum mit der Ausgabe schon ein zweiter Raum zur Verfügung. Aber auch dessen Regale leeren sich zusehend, sodass durch eine groß angelegte Spendenaktion die Lücken wieder geschlossen werden sollen. Kürzlich musste umstrukturiert werden, Mareike Limper gab aus persönlichen Gründen die Leitung der Kleiderkammer ab. Nun versuchen Angelika Bremer, Eva Broll und Annedore Friese, ihre Aufgabe in einem Team weiter zu führen. Da die Drei mindestens zweimal in der Woche aufräumen, nachlegen, Spenden sichten und sortieren, haben sie einen guten Überblick darüber, was vorhanden ist und was fehlt.

Große Dankbarkeit

Nun also die erste Spendensammlung in Fischlaken bei Christi Himmelfahrt. Die Spenden stapeln sich fast bis an die Decke, das 15-köpfige „Sortier-Kommando“ versucht, sich Übersicht zu verschaffen. Ein erster Eindruck: Die Werdener haben sich recht diszipliniert an die Vorgaben gehalten, die allermeisten Sachen sind in tadellosem Zustand. Doch konnten es leider eine Wenige nicht lassen, auch alte Unterhosen und ausgelatschte Schuhe mit einzuschmuggeln. Doch der Frust über solche schwarzen Schafe wird überstrahlt von großer Dankbarkeit über diese fantastische Spendenbereitschaft. Angelika Bremer, Eva Broll und Annedore Friese sind restlos begeistert: „Nun können wir die Regale vor allem mit Männerkleidung wieder gut bestücken und bedanken uns ganz herzlich bei den zahlreichen Spendern in Fischlaken, Werden, Heidhausen und Umgebung! Ein großes Lob gebührt auch den fleißigen Helfern vor Ort für ihre Ausdauer bei der Annahme, sowie dem Verpacken und Transportieren der Spenden und der Gemeinde Christi Himmelfahrt für die Bereitstellung der Räumlichkeiten. Natürlich kommt jetzt erst einmal viel Arbeit auf uns zu, alles muss gesichtet, beurteilt, sortiert und untergebracht werden. Dafür könnten wir durchaus noch Hilfe gebrauchen, die unser Aufräum- und Sortierteam vormittags unterstützt oder sich nachmittags von 16 bis 18 Uhr für die Ausgabe der Kleidung an die Flüchtlinge stark macht.“

Nach Deutschland geflohen

Voraussetzung sind wirklich nur ein Herz, Engagement für die Sache sowie ein gültiges polizeiliches Führungszeugnis. Wer sich für eine Mitarbeit interessiert, melde sich bitte an der Erstaufnahmeeinrichtung bei Nilofar Yousefi unter 0201-8832855, sie stellt dann die Verbindung zum Team der Kleiderkammer her. Nilofar Yousefi weiß selbst, wie das ist: Man fängt noch einmal von vorne an, mit wenig eigenen Sachen und viel Gebrauchtem. Die Sechsjährige floh 1994 mit zwei Geschwistern und der Mutter aus Kabul nach Deutschland, weil der Vater von den Taliban verhaftet und ein Bruder getötet wurde. Yousefi schloss ein Wirtschaftsstudium ab, heiratete, bekam eine Tochter. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise fing sie als Sozialbetreuerin bei European Homecare an und empfahl sich rasch für eine Leitungsfunktion.
Zu einem späteren Zeitpunkt wird es eine weitere Spendensammlung geben. Dort wird dann Wärmendes wie Anzüge, Mäntel und Winterbekleidung erbeten. Man kann aber auch an der Erstaufnahme am Overhammshof in Fischlaken zeitgemäße, gut erhaltene und saubere Kleiderspenden abgeben. Den freundlichen Herren vom Wachpersonal an der Pforte bitte mitteilen, dass die Spenden für die Kleiderkammer von „Werden hilft“ gedacht sind.
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