In Werden Heimat gefunden

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Ursula Thiele und Dr. Dietmar Rudert freuen sich schon auf die Beleuchtung der Heino-Thiele-Freitreppe. Foto: Henschke
 
Dr. Heino Thiele (l.) während der Ausstellung „Werden aus Sicht der Kartographen“ im Bürgermeisterhaus im Gespräch mit dem damaligen OB Reinhard Paß. Foto: Archiv

Beleuchtete Heino-Thiele-Freitreppe wird eine weitere Attraktion für das Werdener Ruhrufer


Das Werdener Ruhrufer wird um eine weitere Attraktion reicher: Die Freitreppe soll bald erleuchtet werden. Möglich macht dies eine großzügige Spende, anlässlich des Todes von Dr. Heino Thiele war gesammelt worden. Der Werden Kurier unterhielt sich vor Ort mit Ursula Thiele und Dr. Dietmar Rudert.

Heino Thiele war über Jahrzehnte Motor des Werdener Bürger- und Heimatvereins, 15 Jahre lang sein Vorsitzender. Gemeinsam mit Karl-Werner Lentzsch und Dietmar Rudert bildete der gebürtige Berliner, der 1973 nach Werden kam, ein höchst kreatives Trio, das nur so vor Ideen sprudelte. „Wobei sein Credo stets war: Nicht nur meckern, sondern machen“, skizziert Dietmar Rudert seinen Freund.

Enormes Engagement

Auch ein nur kurzer Auszug aus den Aktivitäten Thieles, der sich aber stets als Teamplayer verstand, beeindruckt: Beschäftigung eines Stadtteilpflegers als „Saubermann“, Aufbau einer Internetplattform für Rundgänge in Werden mit Informationsabruf durch QR-Codes, Blumenkübel im Ortskern von Werden, Freischneiden von Aussichtspunkten, Verlegung von „Stolpersteinen“ zum Gedenken an ermordete Werdener Juden. Ein Höhepunkt war gewiss im Kulturhauptstadtjahr 2010, als ein Fragment des „Codex Argenteus“ für acht Wochen nach Werden zurückkehrte und in der Schatzkammer ausgestellt werden konnte. Die Ausstellung „Werden aus Sicht der Kartographen“ im Bürgermeisterhaus fand ebenfalls große Beachtung. Immer hat Thiele sich eingebracht, Stellungnahmen zu diversen Projekten abgegeben: Bebauung des Viehauser Bergs, Neubau Mariengymnasium, Planungen für den Baldeneysee, Werden ans Wasser, Verkehrsplanung für den Ortskern…

„Schäl Sick“

Durch den im vergangenen Jahr eingeweihten Treidelplatz unter der Gustav-Heinemann-Brücke wurde das Ruhrufer mit Biergarten und dem Brehm noch attraktiver. Die Beleuchtung der Treppe ist nun ein weiterer Baustein, die einst als Werdener „Schäl Sick“ verschriene Ecke wieder „salonfähig“ zu machen. Schon bei Erstellung der Treppe wurden Aussparungen angelegt, die zukünftig Leuchten aufnehmen könnten. Auch ist bereits ein Verteilerkasten im Boden eingelassen, weiß Dr. Rudert: „Von hier aus muss nur noch ein Graben gezogen werden, um den Strom anzuschließen.“ Der kommt natürlich nicht aus der Luft, sondern aus der Steckdose von Mali Sirin. Der Wirt des Biergartens ist mit großem lokalpatriotischem Engagement gesegnet und hat so bereits die Einrichtung einer E-Bike-Station am Ruhrtalradweg ermöglicht. Auffällig, dass viele der so sehr für Werden eintretenden Männer wie etwa Thiele, Rudert oder auch Sirin aus dem Kreis der „Zugereisten“ stammen, der seine Wurzeln anderswo hat. Ursula Thiele hat eine Erklärung für das enorme Engagement, es komme nicht von ungefähr: „Heino ist als Kind durch die Kriegswirren viel hin und her gezerrt worden, auch in Hamburg ist er nie zur Ruhe gekommen. Erst in Werden hat er Heimat gefunden.“

Die Schönheit Werdens

2014 erklärte Thiele dann, nun sei er zu alt, es werde ihm langsam zu viel und er gebe die Aufgabe des Vorsitzenden gerne ab, obwohl ihm diese Arbeit immer viel Freude bereitet habe. Die drei Kinder und sieben Enkel leben in Aachen, München, Manchester. Als Heino Thiele nun im Alter von 81 Jahren starb, war die Familie bei ihm, rückte ganz eng zusammen. Ursula Thiele war unlängst zu Besuch in Hamburg, wurde dort gefragt: „Kommst du wieder zurück?“ Kommt nicht in Frage: „Ich bleibe! Nicht nur der Schönheit Werdens, sondern auch der Menschen wegen.“
Ursula Thiele merkt man die gebürtige Hamburgerin an, sie zieht es immer wieder ans Wasser. In feinem hanseatischen Ton betont sie: „Das Ruhrufer war meinem Mann immer wichtig. Auch Licht hat er geliebt. Bei uns im Garten hat Heino überall Leerrohre verlegt, um Beleuchtung zu installieren. Da hat er dann so gerne hingeschaut.“ Also wurde nur kurz gegrübelt, für welchen guten Zweck die Spenden fließen sollten, nun freut sich die Wahl-Werdenerin auf das Einschalten der Beleuchtung. Es soll mit einem Lichterfest gewürdigt werden, in Erinnerung an solche Feiern im Werden der 1950er Jahre.

Lichtbänder

Thomas Tittel, bei Grün und Gruga zuständiger Bauleiter, hatte die Planungen der Bezirksvertretung vorgestellt. Dietmar Rudert hatte genau zugehört: „Es werden rund 50 Meter LED-Bänder verlegt, mit einem warmen Licht, das zur ruhigen Lage passt. Ganz bestimmt kein Schickimicki! Das Ganze wird mit einer Zeitschaltuhr versehen, aufgrund der Situation so nahe an der Ruhr muss es auch hochwasserfest sein. Das kostet. Wir haben zwei Angebote von Elektrikern vorliegen, stehen kurz vor der Auftragsvergabe. Dann kann alles ganz schnell gehen. Vielleicht können wir schon im November einweihen.“
Die gesamte Bezirksvertretung habe befürwortet, in diesem Zuge der Treppe den Namen von Heino Thiele zu geben. Allerdings müsse da noch die Verwaltung überprüfen. Dietmar Rudert sieht dem entspannt entgegen: „Aber selbst wenn nicht, das neu gestaltete Werdener Ruhrufer wird immer untrennbar mit dem Namen Heino Thiele verbunden sein, egal ob mit oder ohne ein Schild!“
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