„Irgendwo müssen die Menschen doch hin“

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Die Ausfahrt auf die Heidhauser Straße ist schwierig. Foto: Henschke
 
Vom Brosweg aus vermittelt das bisherige Haus eher einen nur zweistöckigen Eindruck. Foto: Henschke

Frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung fürs Bauvorhaben Frielingsdorfweg / Brosweg

Die „Öffentlichkeit“ war eher ein überschaubarer Kreis an Interessenten. Doch die erste Diskussion über das spannende Bauvorhaben an Brosweg und Frielingsdorfweg brachte etliche spannende Fragen auf den Tisch.

So übergab Anwohner Harald Bruckmann einen Ordner mit sehr alten Fotos des Baubereichs, besonders der steile, immerhin 15 Meter hohe Hang war gut zu erkennen: „So sah das hier früher aus. Da befand sich übrigens ein in den Fels gehauener U-förmiger Bunker. Ob der überhaupt verfüllt worden ist?“ Mit Freude liehen sich die zuständigen Architekten die Bilddokumente aus, um ihre Planungen präzisieren zu können. Baufachmann Hanslothar Kranz geriet ins Schwärmen: „Hier im ältesten Teil Essens entsteht ganz Tolles.“ Einst stand hier die Großziegelei Frielingsdorf mit ihrem Abbaugebiet. Kranz lernte beim Werdener Traditionsunternehmen auf dem Bau und erinnert sich: „Daher auch der Straßenname. Ich bin übrigens froh, dass hier nicht in die Tiefe gebaut werden soll. Was da wohl alles vergraben liegt?“ Die später dort angesiedelten metallverarbeitenden Betriebe sind längst gewichen. Inzwischen ist im Gebiet ein bunter Mix von Wohnen und gewerblichen Nutzungen wie Dienstleistung, Getränkemarkt, Tanzstudio, Schreinerei, Autowerkstätten und mehr entstanden. Doch das am Ende der Sackgasse befindliche Areal konnte trotz jahrelanger Bemühungen weder umfassend vermarktet noch verkauft werden. Seit etwa drei Jahren denkt die Kettwiger Eigentümerin daher gemeinsam mit einem Projektentwickler über zukunftsfähige Lösungen nach.


Geförderter Wohnungsbau

Diplomingenieur und Architekt Roland Weiss stellte die Details der Planung vor. Das Dienstleistungs- und Wohnprojekt besteht auf fünf Türmen, die deutlich vom Hang abgerückt werden. Bis zu sechsgeschossige Häuser stehen auf einem zweistöckigen Podium und sind weitgehend dem Wohnen vorbehalten, insgesamt könnten etwa 38 Einheiten entstehen. Kein „Luxuswohnen“, ganz wichtig sei der Eigentümerin die Einplanung von rund 30 Prozent gefördertem Wohnungsbau. BV-Mitglied Herbert Schermuly betonte noch einmal, wie wichtig gerade dieser Aspekt für die Bezirksvertretung gewesen sei. Die untersten zwei Etagen sind für ein Fitness-Center und eine Kindertagesstätte vorgesehen, hier werden auch die erforderlichen 65 Stellplätze integriert werden. Es gebe Bedarf für wohnungsnahe Dienstleistungen wie Bäckerei, Reinigung sowie ein Büro- und Ärztehaus. Dort stehen weitere 20 Besucherparkplätze zur Verfügung. Das Plangebiet wird vom Frielingsdorfweg erschlossen, aber vom Brosweg kann man über Brücken die obersten Etagen der Wohnhäuser erreichen. Dies beunruhigt die Anwohner, die in ihrer Straße zusätzliche Parkplatznot befürchten und einen massiveren Eindruck der dann noch höheren Häuser. Auch sei die Gefahr nicht von der Hand zu weisen, dass einer der zukünftigen neuen Nachbarn Rechtsmittel einlegt gegen den „Krach“ des benachbarten Mehrgenerationen-Spielplatzes. Hanslothar Kranz will sich dafür einsetzen, dass der Platz so bleibt: „Da muss dann eventuell eine Lärmschutzwand her.“


Weg durch die Instanzen

Für die Baugenehmigung, die eventuell im Sommer 2018 erfolgen könnte, sind etliche Vorstufen zu durchlaufen. Eva Fendel vom Amt für Stadtplanung stöhnte: „Sie glauben gar nicht, wie viel Aufwand das ist und wer da alles beteiligt sein möchte!“ Doch entschlossen gehen Vorhabenträger und Stadt die „Revitalisierung“ des Areals an: „Essen wächst wieder. Wir brauchen also mehr Wohnungen, irgendwo müssen die Menschen doch hin. Wir werden noch weitere Baugebiete in Fischlaken, Heidhausen und Werden erleben.“ So ein Weg durch die Instanzen dauert. Als nächstes stehen Bebauungsplan, öffentliche Auslegung, Ratsbeschluss und Baugenehmigung auf dem Programm. Etwa Sommer 2018 könnte dann mit dem Abriss begonnen werden, bis zur endgültigen Fertigstellung dürften dann noch rund zwei Jahre vergehen.

Kommt eine zusätzliche Ampel?

Bereits bestehende Anschlüsse an die Wasser-, Niederspannungs- und Abwasserleitungen in der Erschließungsstraße werden die Ver- und Entsorgung auch für die Neubebauung sicherstellen. Die Versickerung des Regenwassers wird optimiert, da Podien und Flachdächer begrünt werden. Aber die Anbindung zur B224 könnte ein Problem werden. Tischler Martin Rohde wandte sich besorgt an die Planer: „Mit wie langer Bauzeit rechnen Sie?“ Der Schreiner hat seine Hozwerkstatt genau am rechtwinkligen „Knick“ des Frielingsdorfweges, der zum Wendehammer führt. Hier dürfte ein Nadelöhr die Durchfahrt des Baustellenverkehrs erschweren: „Woanders können die Laster nicht lang. Wird es da Halteverbote geben? Wir brauchen unsere Ladezone direkt vor der Werkstatt!“ Ein noch größeres Problem liegt nicht nur Rohde im Magen: „Die Ausfahrt aus dem Frielingsdorfweg ist besonders bei Berufsverkehr jetzt schon nahezu unmöglich. Wie soll das zukünftig funktionieren?“ Ein Verkehrsgutachten ist bereits beauftragt, denn im Vergleich zu der heute reduzierten Nutzung wird es erhöhtes Verkehrsaufkommen geben. Wenn die gutachterlichen Berechnungen es erfordern, könnte also sogar eine Ampel aufgestellt werden, um den vor allem in Richtung Werden schwierigen Abfluss auf die Heidhauser Straße zu regeln.
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