„Mönsch, wo bleibt der Kerl denn?“ Der heilige Liudger wartet auf den Weihnachtsmann

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„Ich stehe oben auf meine Säule am Markt und regele den Verkehr!“
 
Bunte Graffitis unter der Gustav-Heinemann-Brücke.

„Mönsch, wo bleibt der Kerl denn?“ Liudger ist ja eigentlich ein Geduldiger, aber jetzt hat er gerade einen heiligen Zorn auf den Weihnachtsmann.

Es fieselt, kalt ist ihm sowieso, und er muss wieder auf diesen ewigen Bummelanten warten: „Dabei iss doch gleich Bescherung. Bin schon gespannt, welche Ausrede der Sausack diesmal parat hält!“
Wo früher die Fähre Menschen, Vieh und Handelswaren ans andere Ufer brachte, überspannt jetzt eine majestätische Brücke die Ruhr.
„Die wäre eines Königs würdig“, denkt sich der fromme Mann, „welchem Monarchen ist sie denn gewidmet? Warte mal…Konrad der Erste Adenauer, der Herrscher aus Köln? Nein, dessen Denkmal findet sich flussaufwärts. Gustav Heinemann, der große Sohn Assindias, der war‘s.
Also, unter dieser Brücke wartet der Gründer Werdens und sinniert: „Die Pferde haben mir immer leidgetan, wenn sie die Aaken den Fluss hoch gezogen haben, gegen die fiese Strömung.
Ganz schön lange Leinen waren das damals, bestimmt so 400 Meter. Deswegen heißt ja der Uferweg auch Leinpfad.“ Treidelplatz, das klingt gut.

„Werden an der Ruhr, Perle der Natur“

„Perle an der Ruhr“ auch. So hat er seine Gründung immer stolz und ein wenig selbstverliebt genannt. Anno 799 legte Liudger die Basis für diese inzwischen recht ansehnliche Abteistadt.
Als dann knapp 300 Jahre später ein paar Flusskilometer weiter Mulinhem gegründet wurde, hat er nur gönnerhaft gelächelt. Die Mülheimer wollten den Werdenern den Namen Ruhrperlen verbieten? Die haben wohl den Schuss nicht gehört. Aber sein Kumpel Horst hat das geregelt. Wär ja noch schöner!
Genervt vom Warten lässt Liudger den Blick schweifen: „Wege zum Wasser“ Ja, da sind sie eifrig dran am arbeiten, die Werdener. Unter der Brücke grell und bunt und frech: Graffitis! „Das kenne ich doch“, denkt er sich, „wie hieß denn gleich noch mal der junge Mann oben in der Honnschaft Heidhausen?“ Theodor Mintrop. So ein Bauernsohn.
Der hatte auch Graffitis an die Wände des Stalls gemalt. War ein Talent, der Kleine. Wurde spät als Künstler erkannt, ein hohes Tier von der Kunstakademie hat ihn nach Düsseldorf geschleppt. Theodor wurde ein Maler-Star.
200 Jahre wär er jetzt alt, wurde auch groß gefeiert, der berühmteste Sohn Heidhausens. Jetzt wird da an der Grünen Harfe gebaut, so ein Schicki-Micki-Dorf, wohl dem Theodor zu Ehren.

Der Schlitten kommt

Da endlich, Gebimmel! Der Schlitten kommt näher, die Rentiere stoppen abrupt, der Weihnachtsmann steigt wenig elegant aus seinem Gefährt: „Ob Du‘s jetzt glaubst oder nicht, Liudger, auf dem Weg von Kettwig hier her gleich drei Baustellen! Und zu guter Letzt bin ich vor dem Bahnhof in einen ganz ekligen Rückstau geraten, der ging bis zum Theoretiker-Baumarkt. Aber jetzt bin ich ja hier!“
„Das hier ist ein Treidel-, kein Trödel-Platz, Du Blöden. Aber Schwamm drüber. Was hast Du denn meinen lieben Werdenern so mitgebracht?“ möchte der Heilige ungeduldig wissen.
Der Rotgewandete lugt vorsichtig in seinen großen Jutesack: „Schaumermal…Hier ist der so lange erwartete Umkleiden-Anbau für die Sportler im Löwental. Was sind das für Schilder? ‚Bei Einbahnstraßen ist jetzt egal, wie rum die Radler fahren‘ Häh? Versteh‘ ich nicht.
Das hier kommt am alten Strandbad hin: ‚Badestelle‘! Die Wasserqualität scheint wohl wieder besser zu sein. Hoffentlich gibt es da weiter zu Pfingsten das Open Air - trotz aller Geldsorgen, auch durch Stumtief Ela. Und beim Festival, da hüpfen sie sowieso alle immer in die Ruhr!

Verkehrskonzept

Was gibt’s noch? ‚ Verkehrskonzept‘. Was meinen die denn damit - wie ich zukünftig mit meiner Ehefrau…?“ Nein, weiß der Liudger Bescheid: „Ich steh doch das ganze liebe Jahr auf meiner Säule am Markt und regele den Verkehr.
Der soll jetzt komplett andersrum gelenkt werden. Die Brückstraße führt dann nicht mehr zur Brücke hin, sondern geht von ihr weg! Komisch. Ob die mich jetzt auch immer andersrum durchs Städtchen tragen? Wo sie schon mein Turm-Kreuz verbogen haben?“
Eine Kiste? „Moment, da brauch ich mein Spekuliereisen…also, da steht: ‚Bessere Infrastruktur für Kinder und Jugendliche in Werden-Land, unter anderem eine Teestube am Volkswald‘. Das glaubst Du doch selbst nicht, Weihnachtsmann!
Und das hier? Eine Klobrille? ‚Ordentliche Toiletten für die Fischlaker Schule‘. Schön für die. Aber was ist mit anderen Schulen, mit der nach mir benannten, sind die sch…egal?
Hier sind Backsteine. Die sollen für die kaputte Mauer von der evangelischen Kirche sein.“
Dann, last but not least, noch so paar Häuser: „Wenn man die beisammen stellt, hat man ein kleines Dorf! Da hängen Zettel dran: Mensa, Spielhaus, Sportplatz, Funktionsräume, Parken Mitarbeiter, Zentrale Ausländerbehörde und Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Flüchtlinge? Gibt es die immer noch? Das ist aber schade. Na, hier sind sie bestimmt in guten Händen! Das sind nämlich ganz Liebe, meine Werdener!“

„Genug gequatscht!“

Liudger hat auch von dem Arzt gehört, der sich früher um die Werdener Kinder gekümmert hat und jetzt in Afrika gegen so eine fiese Epidemie kämpft.
Genug gequatscht, nun wird’s höchste Zeit, die kleinen und auch die großen Kinder warten schon mit fiebrigem Blick auf ihre Geschenke. Ob sie sich alle ganz dolle freuen werden?
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