Retten, Löschen, Bergen, Schützen

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Frank Tiggemann, Michael Classen, Klaus-Peter Stichel, Ulrich Bogdahn, Hanslothar Kranz, Martina Schürmann und Herbert Schermuly. Foto: Henschke
 
Ab 2017 endgültig überall Pflicht: Rauchmelder retten Menschenleben. Foto: Henschke
 
Das Wappen der Feuerwehr zeigt ihre Einsatzgebiete: Retten, Löschen, Bergen, Schützen. Grafik: Archiv

Der Chef der Essener Feuerwehr über Rauchmelder, Lebensretter und eine eingeschworene Gemeinschaft


Spannend, was Ulrich Bogdahn zu berichten wusste. Ratsfrau Martina Schürmann, BV-Mitglied Herbert Schermuly und viele Interessierte lauschten seinen Ausführungen. Vorsitzender Hanslothar Kranz begrüßte beim Bürgerdialog der CDU Werden: „Ein besonderer Gast ist mein langjähriger Weggefährte Ulrich Bogdahn, Leiter der Feuerwehr der Stadt Essen.“

Auch eingeladen waren Michael Classen, Löschzugführer Werden, Klaus-Peter Stichel als Löschzugführer Kettwig und Frank Tiggemann, Jugendfeuerwehrwart in Werden. Diese Vertreter der Freiwilligen Feuerwehren unterstützten Bogdahn nur zu gerne. Der bestärkte das gute Miteinander: „Die Zusammenarbeit ist bestens. Wir nehmen uns gegenseitig ernst und wir brauchen uns!“

„112 wählen, auf Hilfe warten“

Bogdahn stellte die Struktur und Organisation der Feuerwehr vor: „Was weiß der Bürger von uns? Wenig. 112 wählen, auf Hilfe warten, und rote Autos fahren herum.“ Der Bürger erwarte kompetente Hilfe, und die bekomme er auch von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr. Das Wappen zeigt stilisiert die Einsatzgebiete: Retten, Löschen, Bergen, Schützen. Die Feuerwehr sei ein enger, eingeschworener Haufen mit hoher fachlicher Kompetenz. Ein Querschnitt durch sämtliche Gewerke des Handwerks: Elektriker, Schlosser…die Anforderungen sind vielseitig. Auch in den eigenen Werkstätten gäbe es immer etwas zu tun, an den Fahrzeugen, den Liegenschaften. Gleichzeitig müssen Feuerwehrleute extrem fit sein: „Mit dem schweren Atemgerät auf dem Rücken einen verqualmte Treppe hoch und dann verletzte Menschen da wieder runter tragen, das ist hart.“

Menschen mit klarem Kopf

Bei Einstellungsgesprächen ist der Chef immer mit von der Partie, das lässt er sich nicht nehmen: „Wir brauchen Menschen mit einem klaren Kopf. Da reicht uns auch ein Guter mit Hauptschulabschluss. Deutscher oder EU-Europäer muss er sein, da er verbeamtet wird. Körperliche Leistungsfähigkeit wird vorausgesetzt, nicht unter 1,65 Meter groß, nicht älter als 28,5 Jahre. Vor allem muss er charakterlich passen.“ In jeder Runde treten 350 bis 400 Bewerber an. Zunächst werden die Voraussetzungen abgeklopft: „Erst die schriftliche Prüfung, es folgt der Sporttest, hier wird weiter gesiebt. Im Schnitt landen 30 Bewerber im Vorstellungsgespräch. Da möchte ich dann wissen: Sucht er lediglich einen Job oder will er wirklich zur Feuerwehr? Das ist nämlich nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Da muss sich jeder auf den anderen verlassen können. Bei uns geht es um Menschenleben!“
Die Belastungen sind enorm, nicht nur körperlich. Bei einem Einsatz miterleben, wie Menschen sterben, das ist schwer. Auch das eigene Leben ist stets in Gefahr. So wurden kürzlich zwei Einsatzkräfte der Feuerwehr Oberhausen bei einem Starkstromunfall schwer verletzt. Sie gerieten mit einer Drehleiter an eine 110.000 Volt führende Oberleitung. Einer der Kameraden verstarb an den Folgen des Unfalls. Ulrich Bogdahn geht sein Schicksal nahe: „Der Kollege hatte schwerste Verbrennungen. Schlimm.“

Steigende Einsatzzahlen

Ein Schwerpunkt ist der Rettungsdienst, eine Pflichtaufgabe der Stadt Essen. 144.325 Einsätze wurden 2015 gefahren, davon 133.830 im Rettungsdienst, die 275 Fahrzeuge kommen auf rund drei Millionen Kilometer im Jahr. Ulrich Bogdahn sieht eine steigende Tendenz: „In 30 Jahren sind zwei Drittel unserer Gesellschaft über 60 Jahre alt. Die Menschen werden immer älter, leben aber nicht gesünder. Deswegen steigen die Einsatzzahlen ständig an. Auch, weil der Großstadtbürger sehr unselbstständig ist. Da wird schon mal angerufen, obwohl es der Gang zum Arzt auch täte. Aber da müsste man ja auf einen Termin warten oder im Wartezimmer sitzen…“
Das geht ins Geld: „Wir reden von 90,5 Millionen Euro Gesamtaufwand jährlich. Zwar wird der Rettungsdienst fast zu 100 Prozent von den Krankenkassen finanziert, doch die Personalkosten sind hoch und wir müssen stetig investieren. So ein Rettungswagen kostet mit Ausrüstung und Besatzung mal eben eine halbe Millionen im Jahr. Ein Wagen mit Drehleiter, die immerhin 23 Meter Höhe erreichen muss, kostet 750.000 Euro, ein Tanklöschfahrzeug 500.000 Euro.“ Beeindruckende Zahlen, da rechnet Ulrich Bogdahn nur zu gerne durch, was es jedem einzelnen Bürger kostet: „Das sind pro Kopf und Monat acht Euro. Die sollten mir meine eigene Sicherheit und die meiner Lieben wert sein.“

Rauchmelder retten Leben

Ein aktuelles Thema ist die Rauchmelderpflicht. In NRW sind Rauchmelder vorgeschrieben für jedes Schlafzimmer, jedes Kinderzimmer und jeden Flur, der als Rettungsweg zum Verlassen von Wohnräumen dient. Der Eigentümer der Wohnung ist für die Anschaffung und Montage der Rauchmelder verantwortlich. Die Kosten für die Wartung und den Austausch der Batterien trägt der Mieter. Im Falle eines Defektes trägt der Eigentümer die Kosten für die Neuanschaffung.
Ulrich Bogdahn stellte die rhetorische Frage, wie denn zukünftig Hausrats- und Gebäudeversicherungen reagieren würden, wenn im Haus die Rauchmelder fehlten. Dann wies er noch auf Alternativen hin: „Es gibt vernetzte Systeme, da piepst es bei Rauchentwicklung etwa im Kinderzimmer im gesamten Haus. Für 100 bis 150 Euro ist das eine fantastische Lösung. Ich würde auch im Wohnzimmer wegen der vielen technischen Geräte und vor allem in der Küche einen Melder installieren. Es gibt da zwei Möglichkeiten: Einen Thermomelder oder ein Modell, was man zum Beispiel während des Kochens temporär ausschalten kann. Denken Sie immer daran: Rauchmelder retten Leben!“

„Das macht mich stutzig“

Beim verheerenden Brand im Bochumer Krankenhaus Bergmannsheil hatte sich herausgestellt, dass kein Rauchmelder in dem Patientenzimmer installiert war, in dem das Feuer ausbrach. Darauf angesprochen, wie das denn sein könne, wollte Bogdahn nicht undifferenziert kritisieren: „Zunächst müssen die Untersuchungsergebnisse vorliegen. Hier liegt wohl ein Suizid vor, mit Brandbeschleuniger. Das erklärt aber nicht alles, die rasante Brandausbreitung macht mich stutzig. Aber das Krankenhaus hat nicht gegen Baurecht verstoßen, da gibt es Bestandschutz. Das Brandschutzkonzept des Hauses ist regelmäßig geprüft worden. Wir kennen sogar Gebäude, die noch Holztreppen haben, bei Neubauten ist der Brandschutz inzwischen ein ganz anderer.“
Hanslothar Kranz beendete den höchst informativen Abend: „Ulrich Bogdahn hat hier und heute viel Vertrauen in unsere Feuerwehr aufbauen können. Das ist wichtig, damit wir beruhigt gut schlafen können!“
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