„Schönes Dingen!“

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Da kann doch gar nichts mehr schiefgehen: Im Sportpark Löwental gibt es leckere Siegermuffins. Foto: Henschke
 
Siegesfreude im Zelt auf dem Sportplatz im Löwental. Foto: Bangert

Rudelgucken mit dem Nachwuchs im Zelt auf dem Sportpark Löwental


Der Weltstar wurde ganz weich. Gareth Bale ist eventuell der teuerste Fußballer der Welt. Was dem Waliser aber teuer ist, konnte man nach dem Sieg über die Nordiren sehen: Töchterchen Alba Violet tollte mit dem Papa über den grünen Rasen.

Auch in Werden wird Familie großgeschrieben, der Nachwuchs ist das große Thema im Sportpark Löwental. Hier hat Pächter Fred Akin ein Zelt aufgeschlagen, damit die Fans nicht nur in der ersten Reihe, sondern auch trocken sitzen. Der DFB dominiert, selbstbewusst trägt Stoppelhopser Benjamin das deutsche Trikot mit der 10 auf dem Rücken durch die Gegend. Für ihn ist das riesige Areal des Sportplatzes der ideale Abenteuerspielplatz, was Mutter Vanessa auf Trab hält. Im Prinzip wird sie vom Länderspiel gegen die Slowakei wenig sehen können, denn so eine Ein-Mann-Rasselbande hat offensichtlich unerschöpfliche Energie. Vorne, nahe an der beachtlichen Leinwand, hockt Danny Konietzko, Trainer des SC Werden-Heidhausen. Er hat seine beiden Prinzessinnen im Schlepptau. Sie wedeln mit der Fahne, sind fantechnisch bestens ausgerüstet, mit Hemd, Pfeife, Bändern, Nationalschminke im Gesicht, wie auch der Herr Papa.

Leere Säle

Wirt Fred Akin nebenan trägt das deutsche Hemd ein paar Nummer weiter geschnitten, blickt ein wenig ratlos in die spärlich besetzte Runde: „Am Dienstag war hier deutlich mehr los.“ Er weiß von Rückmeldungen seiner Kollegen, dass Public Viewing, was übrigens auf Englisch das öffentliche Angucken von allem Möglichen bedeutet, in diesem Jahr nicht so magnetisch zieht wie beim Sommermärchen oder dem Titelgewinn 2014. Leere Säle, leere Kassen, die Gastronomen wundern sich: „Wir fragen uns alle, woran es liegt. Vielleicht ist eine EM doch nicht so attraktiv wie eine WM? Vielleicht, weil es an jeder Ecke Public Viewing gibt?“ Auch könnte man das mistige Wetter und den ebenfalls verwässerten Austragungsmodus nennen, doch Akin hat Hoffnung: „Jetzt wird es spannend, ab Samstag übertragen wir auch jedes Spiel!“

Erfolgreicher Nachwuchs

Dass die deutschen Kicker dabei sind, steht bald außer Frage. Boateng drischt das Leder humorlos in die Maschen, während Özil Elfmeter schießt, als ob man ihn dazu gezwungen hätte. Der Mario, also nicht der wohl in Ungnade gefallene Götze, sondern der Gomez, vollendet. Halbzeit, jetzt wird der Sportplatz zum ursprünglichen Zweck genutzt: Trainer Danny kickt ungezwungen mit Niclas aus der C-Jugend, im Kasten steht die Lara aus der U15. Beide konnten übrigens mit ihren Teams die Meisterschaft feiern, wie auch die alte C-Jugend und die U17 Mädchen. Ein erfolgreiches Jahr für die Werdener Fußballjugend. Was man von den Senioren nun gar nicht behaupten kann. Doch davon ist jetzt wenig zu spüren, Ball hochhalten, Lattenschießen, der große Übungsleiter tobt ausgelassen mit den Jüngeren umher.

Schnürsenkel

Doch dann ist wieder Anpfiff im Zelt, weiter geht’s, die Slowaken werden mutiger, die vom Fernsehen haben nicht alle Tassen im Schrank. Dem Müller sind die Schuhe aufgegangen, jetzt wird in Großaufnahme und Zeitlupe gezeigt, wie er sie wieder schnürt. Gott, was spannend. Das deutsche Spiel ist eher sachlich angelegt, dementsprechend halten sich die Emotionen im Löwental auch in Grenzen. Doch dann macht der Draxler den Deckel drauf und der Freddy schwärmt lautstark: „Schönes Dingen!“ Aber die gelbe Karte gegen Hummels ist ein Witz, findet er. Auch Danny Konietzko, früher als beinharter Verteidiger gefürchtet, wiegt skeptisch den Kopf. Allgemeiner Tenor im Zelt: „Datt waa nix.“

Siegermuffins

Das Spiel plätschert nun dahin, doch kurz branden Applaus und Sprechchöre auf: Der Poldi kommt! Lukas Podolski wird eingewechselt, den mögen sie, eine ehrliche Haut, das kommt nicht nur im Ruhrgebiet gut an. Dann ist Schluss, dreizunull, das ist doch mal eine Hausnummer. Nun können die Italiener oder Spanier kommen, Fred Akin sieht die Deutschen ohnehin im Endspiel. In weiser Voraussicht thronen auf der Theke schon die glücksbringenden „Siegermuffins“: Lecker, mit drei Schokolinsen obendrauf. In Schwarz, Rot, Gold. Doch Moment, wo sind sie hin? Da hat der Benjamin schon zugeschlagen…
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