Steigerlied und Nußbriketts

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Einmal im Jahr treffen sich die ehemaligen Bergleute im Hespertal. Foto: Henschke
 
Untertagelokführer Klaus Zeche präsentiert eine originale Kohlentüte für „Anthrazit-Nußbriketts“. Foto: Henschke

Beim Kumpeltreff im Hespertal wurde an alte Zeiten erinnert


Traditionell am ersten Samstag im Monat Mai treffen sich die ehemaligen Bergleute des Verbundbergwerks Pörtingssiepen / Carl Funke im Hespertal in „Krüger‘s Landgasthaus“. Im Gebäude selbst erinnert die vom ehemaligen Wirt und Kumpel Ehrenfried Ruf errichtete Kegelbahn stilecht als Erbstollen „Marianne“ an den Bergbau.

Da der bisherige Organisator und letzte Betriebsrat von Pörtingssiepen, Walter Heininger, im Frühjahr plötzlich und unerwartet verstarb, drohte fast schon ein Vergessen. Aber Dirk Hagedorn, der sich immer schon für die Geschichte der Kumpel und ihres Bergwerks interessiert und eingesetzt hatte, war sofort klar, dass man die Tradition aufrecht erhalten muss. Hagedorn, im Hespertalbahn-Verein aktiv, sprang sofort ein, kümmerte sich um alles und wurde von der Mehrheit als neuer „Vorsitzender“ gewählt.

Gedenkminute

In einer Gedenkminute wurde Walter Heininger gedacht, aber auch allen anderen Kumpeln, die im oder für den Bergbau ihr Leben lassen mussten. Als Erinnerung an Heininger wurde ein kleiner Videofilm gezeigt, in dem er sein selbst verfasstes Gedicht vorträgt, das er damals anlässlich der Schachtzeichen-Aktion geschrieben hatte.
Der ehemalige Bezirksbürgermeister Hanslothar Kranz war auch da, selbst an seinem Geburtstag ließ er sich es nicht nehmen, mit den Kumpeln zu klönen. Kranz ist eng mit dem Bergbau und der Geschichte seiner Heimat verbunden, er selbst hatte von Seiten des Kommunalverbandes Ruhrgebiet den Umbau der Industrieanalage begleitet und sich immer für den Erhalt der alten Pörtingssiepener Zechenbahn eingesetzt.

Der Turm fiel erneut

Das aktuelle Mitarbeitermagazin der Ruhrkohle AG macht die Runde und Anekdoten von damals wurden zum Besten gegeben. Filme aus der Vergangenheit der Zeche und des Bergbaus flimmerten, im Film fiel noch einmal der Turm von Pörtingssiepen. Der passionierte Grubenlampensammler Siegfried Bartsch hat ein Gerät unbekannten Typs mitgebracht, um sich von den Kumpeln die Funktion des Gerätes erklären zu lassen. Für den ehemaligen Elektrosteiger Bernd Krämer war sofort klar, dass es sich dabei um ein Staubkonzentrationsmessgerät handelt.
Dirk Hagedorn fühlte sich unheimlich wohl im Kreis der Älteren: „Besonders beeindruckend fand ich, dass nach all den vielen Jahren, die seit der Schließung der Zeche vergangen sind, die Kumpel sich und ihrem Treffen und der damit verbundenen Tradition treu geblieben sind.“ Gesundheitliche Probleme wurden für diesen einen Tag ignoriert, selbst weite Wege in Kauf genommen. Schon zum dritten Mal war der ehemalige Untertagelokführer Klaus Zeche aus Wilhelmshaven angereist, im Gepäck seinen Freund Heinrich Schmitz sowie einige Bergbau-Utensilien, darunter eine Akku-Grubenlampe und eine originale Tüte der „Anthrazit-Nußbriketts“, wie sie damals auch von Pörtingssiepen / Carl Funke für den Hausbrand geliefert wurden.

Das Steigerlied

Sehr zur Freude der Bergleute kamen spontan der Fotograf Horst Szepannek und der Ruhrgebietsmaler Franz Josef Grimmeisen zum Treffen, auf das sie durch die Ankündigung in der Zeitung aufmerksam geworden waren, um ihre Bilder und Arbeiten zu zeigen. Horst Szepanneks Schwager war Elektrosteiger auf Pörtingssiepen und hatte ihn kurz vor Schließung der Zeche noch zu einer Untertageführung eingeladen. Zum Abschluss wurde das Steigerlied „Glück Auf“ angestimmt und alle waren sich einig: „Nächstes Jahr sind wir wieder mit dabei!“ Die Zeit verging viel zu schnell, gab es doch noch so viel zu erzählen, der nächste Termin für den Treff steht schon fest, am 6. Mai 2017 um 18 Uhr an gleicher Stelle.

Bergbauvergangenheit erhalten

Dirk Hagedorn hat noch ein Anliegen: „Mir ist es wichtig, an die Bergbauvergangenheit, die Kumpels und deren Arbeit zu erinnern. So viel wie möglich möchte ich vor dem Verfall retten, sammeln und für die Nachwelt erhalten. Sollte also jemand noch alte Fotos, Unterlagen oder Anekdoten zur Zeche Pörtingssiepen der Hespertalbahn oder der Zeche Carl Funke haben, so wäre es schön, wenn er mit mir unter dirk.hagedorn@hespertalbahn.de oder Telefon 0151-17423797 in Kontakt treten würde. Natürlich stehe ich gerne auch gerne für Fragen zur Verfügung.“
Wer nähere Informationen über die Zeche Pörtingssiepen möchte, dem sei die zweistündige geführte Bergbauhistorische Entdecker-Wanderung über das Gelände der ehemaligen Zeche Pörtingssiepen empfohlen, die der Hespertalbahn-Verein am 16. Mai, 31. Juli und 21. August, jeweils um 11 und um 14.45 Uhr durchführt. Weitere Informationen sind unter www.hespertalbahn.de/Wanderung zu erhalten.
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