Was macht eigentlich ein Spielplatzpate?

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Robin Haße kümmert sich als Pate um einen Spielplatz in Heidhausen. Foto: Henschke
 
Welches Kind in Essen kennt nicht das Spielmobil des Kinderschutzbundes? Foto: Archiv

Robin Haße kümmert sich als einer von 384 Essener Paten um einen Spielplatz in Heidhausen

In Essen gibt es rund 440 öffentliche Spielplätze, zurzeit kümmern sich 384 Paten um 231 Plätze, die verwaist oder vergammelt waren. Am Heidhauser Platz ist Robin Haße der Spielplatzpate.

Sandkasten, Schaukel, Rutsche, Tischtennisplatte, Bolzplatz. Nicht viel, aber immerhin. Idealer Standort: Ein wenig abseits der Heidhauser Straße, aber doch zentral und an einer Bushaltestelle gelegen. Beim alljährlichen Spielplatzfest wurden eine große Hüpfburg und „Olympische Spiele“ geboten, es gab Waffeln, Würstchen und Getränke. Zwar war die Resonanz weniger überwältigend, doch das ficht den erst 28-jährigen Ehrenamtlichen nicht an: „Davor war der Termin in den Ferien, da kamen auch wenige. Vielleicht müssen wir früher im Jahr feiern? Auf jeden Fall wird es auch 2018 ein Fest mit dem Spielmobil geben“

Ein Erfolgsmodell

Gibt es überhaupt irgendein Kind in Essen, welches nicht das Spielmobil des Kinderschutzbundes kennt? Wohl kaum, denn Henning Muth war schon auf Spielplatzfesten im gesamten Stadtgebiet. Muth ist Diplom-Sportlehrer und Doktor der Sportwissenschaften, setzt sich seit 24 Jahren dafür ein, Kinder und Jugendliche wieder zum Spielen zu bringen. Beim Spielmobil können sich die Kleinen schminken lassen, malen oder mit der Buttonmaschine kreativ sein. Es gibt jede Menge Spielsachen: Therapie-Kreisel, Pedalos, Laufdosen, Kreide, Stelzen und Tonnen, von der großen Hüpfburg ganz zu schweigen. Das Spielmobil ist Teil des Projektes „Spielen statt Gewalt“, 1993 mit dem Kinderbüro der Stadt Essen ins Leben gerufen. „Ein Erfolgsmodell“, versichert Dr. Muth: „Die Spielplätze, die unter Patenschaft stehen, werden viel besser angenommen und auch die Geräte halten viel länger. Im Laufe der Jahre hat sich an manchen Spielplatzorten wirklich etwas zum Positiven hin verändert. Zum Teil haben schon Kinder die Patenschaften für den heimischen Spielplatz von ihren Eltern übernommen.“

Etwas zurückgeben

Nachwuchs an Spielplatzpaten wird immer gesucht. Ein gutes Beispiel ist da Robin Haße, der auf „seinem“ Spielplatz am Heidhauser Platz quasi aufgewachsen ist: „Ich bin hier groß geworden, vor allem auf dem ‚Affenkäfig‘ genannten Bolzplatz. Dann war hier alles ein wenig runtergekommen. Keiner hat sich mehr darum gekümmert, da kam bei mir die Idee auf.“ Etwas zurückgeben für eine schöne, unbeschwerte Kindheit. Aber auch ein Stück Heimat erhalten: „In Heidhausen ist ja nicht viel los.“ Haße ist durchaus sportlich, auch als mobiler Tanzlehrer unterwegs: „Kinder bewegen sich heutzutage zu wenig. Da muss man doch gegenarbeiten.“ Haße surfte auf den Seiten der Stadt, fand dort das Projekt der Spielplatzpatenschaften, nahm Kontakt auf. Kurz darauf war er Pate, mit offizieller Urkunde. Fast zwei Jahre ist das her, seitdem kontrolliert er bei seinen Spaziergängen mit dem Hund den Zustand der Geräte, gibt Schäden, Verunreinigungen oder Konflikte mit unberechtigten Nutzern an die zuständigen Dienststellen weiter. Ein Aufkleber mit seinen Kontaktdaten hilft bei Fragen weiter: „Der alte ist aber abgeknibbelt worden. Da kommt bald Ersatz.“ Die Aufgabe bereitet Haße derart viel Freude, dass er ernsthaft überlegt, eine zweite Anlage zu übernehmen: „Bei uns in der Gegend sind noch Spielplätze frei. An Bedastraße und Huffmannstraße, an der Grünen Harfe, Zur Wöllenbök und am Hanns-Joachim-Maßner-Weg.“ Der selbstständige Versicherungsmakler hat seinen Firmensitz in Rellinghausen: „Dort sind auch Spielplätze ohne Paten.“

Spielplatzpaten gesucht

Ein Pate besucht regelmäßig den Spielplatz, ist dort Ansprechperson, gibt Anregungen zum Spielen und organisiert Spielplatzfeste. Gesucht werden Privatpersonen, Schulen, Kindergärten, Vereine, Parteien sowie Firmen, die sich ehrenamtlich um einen Spielplatz in der Nähe kümmern. Die Übernahme einer Spielplatzpatenschaft erfolgt ausschließlich ehrenamtlich, es entsteht keinerlei finanzielle Verpflichtung. Der zeitliche Aufwand für das persönliche Engagement wird vom Paten selbst bestimmt. Es gibt regelmäßige Bezirkspatentreffen, zweimal jährlich die „Patenpost“ und alle zwei Jahre eine Einladung des Oberbürgermeisters zum Patenempfang, wo auch langjährig engagierte Ehrenamtliche ausgezeichnet werden. Die Bezirkskinderbeauftragte Daniela Rittkowski unterstützt die Förderung von Spielplatzpatenschaften. Wer Interesse hat und selbst aktiv werden möchte, kann sich bei ihr unter daniela.rittkowski@gmx.de melden. Oder er erhält telefonisch unter 0201-2437092 bei Dr. Henning Muth vom Deutschen Kinderschutzbund Essen weitere ausführliche Informationen.
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