Weihnacht bei Püttmanns - So ging es in Werden früher beim Fest der Liebe zu

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Die kleine Monika mit Mutter Elsbeth und Bruder Karl-Joachim.
 
Die Krippe stand auf Vaters Schreibtisch.
Weihnachtszeit, Geschenkezeit. Die heutigen Konsumorgien, ein über Gebühr aufgewerteter Heiligabend, der die eigentlichen zwei Weihnachtstage verblassen lässt, vieles hat sich geändert seit den frühen 50ern, als in Werden noch einiges anders war…

Monika Reich-Püttmann kramt in ihrer Foto-Kiste, fördert alte Schätzchen ans Tageslicht: „Schauen Sie mal, das bin ich mit süßen drei Jahren.“
Das vergilbte Foto zeigt die engagierte Heimatschützerin 1951 mit ihrer Mutter und dem ältesten Bruder. Sie hat eine Puppe im Arm und macht große Augen, die kleine Monika. Gewiss vor lauter Vorfreude auf richtig viel Weihnachtsgeschenke? „Nein“, muss die Ur-Werdenerin berichtigen, „mein Vater war da eher streng. Sein Lieblingssatz, auch später, war immer ‚Sei fleißig, sieh zu, dass du was wirst - dann kannst du dir alles erlauben!‘ Mit Geschenken überhäuft worden bin ich also nun wirklich nicht – die fielen eher bescheiden aus.“
Dabei hatte sich die kleine Monika in der Brückstraße am Schaufenster des Spielwarenladens „MARPE“ die Nase plattgedrückt, im Kopf schon einen gigantischen Wunschzettel zusammen gestellt. „Was gab es da für wunderbares Spielzeug“ seufzt die Ur-Werdenerin noch heute. Doch sie bekam eher selten, was sie sich ausgesucht hatte. Auch das eine Bild mit Puppe täuscht eher: „So wild war ich da eigentlich nicht drauf. Ich weiß noch, einmal bekam ich so ein Himmelbett für Puppen geschenkt, damit wusste ich nichts anzufangen. Ein anderes Mal gab es eine komplette Schwestern-Ausrüstung, mit Schwesternhaube und einem Wägelchen für die Instrumente. Damit habe ich dann all‘ meine Puppen auseinander genommen“, grinst die Dame kess.
Am Heiligabend machte Vater Karl Püttmann früher Feierabend, schnappte sich seine Kinder, ab ging’s nach Essen. Vor der Kruppschen Konsumanstalt gab es unterschiedlich beleuchtete Fontänen zu bestaunen, die zu den Melodien des Blumenwalzers oder Kaiserwalzers lustig tanzten. Derweil bereiteten Mutter Elsbeth und das Hausmädchen daheim die Speisen vor. „Vater war beim Essen konservativ – außerdem mochte er keine Gänse oder Enten!“ Also gab es bei Püttmanns Filet mit Pfifferlingen, Spargel und Erbsen, oder Ochsenzunge in Madeira, die liebte Karl Püttmann besonders. Und dann kam mit dem Nachtisch das Highlight des Abends, Monika Reich-Püttmann muss heute noch unwillkürlich lächeln: „Weinschaumcrême, lecker!“
Zu Weihnachten wurde Vaters großer Schreibtisch leer geräumt, ein Tuch kam drüber, dann wurde die monumentale Krippenlandschaft platziert. Schafe, Kamele, der Engel, das Jesuskind, alle waren sie dabei, vom Großvater – der war Tischler – eigenhändig geschnitzt. Sehr beeindruckend, der Großvater hatte für sich sogar eine ganze Stadt Jerusalem angefertigt: „Doch die habe ich leider nie gesehen!“

Die Familie hatte ein beeindruckendes Musikmöbel, eine sogenannte „Ilse-Musiktruhe“. Darin enthalten waren Plattenspieler, Tonband und Radio. Der Vater legte eine Platte der Wiener Sängerknaben auf, Gedichte wurden aufgesagt, es wurde eifrig gesungen. Monikas Lieblingslied:
Am Heiligabend ging es für die Kinder natürlich früh ins Bett, sonst würde ja das Christkind nicht kommen! Außerdem hätte am nächsten Morgen die Bescherung verpasst. Erfreulicher Nebeneffekt für die Eltern, weiß Reich-Püttmann mittlerweile: „Vater und Mutter hatten dann abends Ruhe vor uns Kindern und Zeit für sich.“
Anfang der 50er Jahre stand man am Weihnachtstag ganz früh auf: „Noch vor fünf Uhr ging es raus aus den Federn“, erinnert Monika Reich-Püttmann sich, „zur erleuchteten St. Ludgerus-Kirche, die Christmette besuchen. Schon aus der Ferne hörte man frohe Klänge, der Kirchenchor und die Posaunen schmetterten von der Empore ‚Ehre sei Gott in der Höh‘ herunter.
Erst um 5 Uhr das Hochamt, dann noch die Kommunion und zwei stille heilige Messen, das dauerte immerhin rund zwei Stunden.“ Dann durfte die kleine Monika endlich wieder heim und ihre Geschenke auspacken: „Ab sieben Uhr morgens konnte ich dann in den Tag hineinspielen…“
Bis Anfang der 60er ging es so vonstatten, das Weihnachtsfest in Werden. Dann kam mit Dechant Hans Kalmund die entscheidende Wende. „Eigentlich schade, als er 1963 die Leitung der Propsteigemeinde St. Ludgerus übernahm, änderte er das.“ Kalmund legte die Christmette auf 24 Uhr am Heiligabend. Und immer noch schwingt bei Monika Reich-Püttmann leichte Trauer mit: „Früher war das schöner…“

Monika Reich-Püttmanns Weihnachts-Lieblingslied:
„Heiligste Nacht! Heiligste Nacht! Finsternis weichet, es strahlet hernieder lieblich und prächtig vom Himmel ein Licht; Engel erscheinen, verkünden den Frieden. Friede den Menschen! Wer freuet sich nicht?“
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