Werden hilft weiter

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Der große Abschlusstanz mit Ullrich Indersmitten war eines der Highlights beim letzten Sommerfest im Löwental. Foto: Henschke

Das Große Treffen des Flüchtlingshilfe-Vereins in den Domstuben


Auf dem großen Treffen von „Werden hilft“ wurde überdeutlich, dass in Sachen Zuwanderung noch längst nicht das Ende erreicht ist und sich bei einigen Flüchtlingshelfern die Anfangseuphorie verflüchtigt hat. Diejenigen, die immer noch aufopferungsvoll für Menschen da sind, die in Not nach Deutschland kamen, sind weniger geworden. Aber umso engagierter.

Vorsitzender Stefan Dohrmann konnte aus den vielen Arbeitskreisen berichten lassen, in den Bereichen der Kleiderkammer und des Sports, über Sprachkurse, die bei den unbegleiteten Flüchtlinge in St. Kamillus gut ankommen, in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) noch nicht gestartet und am Volkswald weniger frequentiert sind. Der scheidende Volkswald-Leiter Dennis Figlus hatte eine Erklärung: „Viele sind bereits in professionellen Kursen untergekommen.“ Gleichzeitig stellte Figlus seinen Nachfolger im Heidhauser Zeltdorf vor. Mohamed Fakraoui freut sich auf seine Aufgabe und die gemeinsame Arbeit mit „Werden hilft“.

Sprechende Stifte

Sarah Cramer von der EAE warb für ihre Einrichtung: „Aufgrund der Fluktuation, die Menschen sind nur etwa eine Woche bei uns, ist es schwierig. Dennoch ist so einiges möglich. Zum Beispiel gibt es Ting-Stifte, die unheimlich gut ankommen. Man muss einfach nur die Bilder oder Buchstaben in dem Buch antippen und der Stift erklärt, erzählt kleine Geschichten oder singt Lieder, die zu den Abbildungen passen. So etwas wäre auch für Erwachsene denkbar, sicherlich ist kein klassischer Deutschunterricht möglich.“ Auch sportliche und künstlerische Projekte sähe Cramer gerne: „Vielleicht nicht kontinuierlich, aber zum Beispiel an einem Wochenende.“

Kaffee und ein freundliches Lächeln

Das Kunstteam hat immer wieder schöne Erfolge zu verzeichnen, in der künstlerischen Arbeit können die traumatischen Erlebnisse greifbar gemacht und so ein Stück weit verarbeitet werden. Am Volkswald läuft es so produktiv, dass Dea Tils die Idee vorstellte, demnächst im Bürgermeisterhaus, kombiniert mit Konzerten, eine Ausstellung mit „Flüchtlingskunst“ zu initiieren.
Ein Chor wurde gegründet, trifft sich regelmäßig samstags in der Jonagemeinde, das internationale Frauencafé im JUBB wird von den Ehemaligen vom Volkswald weiterhin besucht, da eine enge emotionale Anbindung die Frauen zusammengeschweißt hat. Hier soll auch in der EAE ein Versuch unternommen werden, über Frauenrechte und Möglichkeiten in Deutschland informiert werden: „Kaffee und ein freundliches Lächeln gibt es auch!“ Am 25. Juni ist ein Sommerfest im Volkswald geplant, im Löwental soll am 17. September gefeiert werden. Hier werden sicherlich die mit Ullrich Indersmitten einstudierten Tänze eine große Rolle spielen, es wird libanesisch und syrisch gekocht, gesungen, es gibt Sportangebote.
Für den 20. August lädt der FC Saloniki zu einem integrativen Fußballturnier nach Altenessen ein. Gemeinsame Ausflüge mit Flüchtlingen sollen unter anderem in die Basilika, nach Mülheim oder ins Neanderthal führen.

Menschliche Dramen

Einen großen Rahmen nehmen inzwischen die Patenschaften ein. Christiane Gregor konnte berichten, dass rund 60 Werdener sich hier engagieren: „Das hört sich viel an, ist es aber nicht. Neue Paten zu finden, fällt schwer. Immerhin stehen wir stadtweit noch sehr gut da.“ Die Paten sind extrem hilfs- und leistungsbereit und haben eine sehr innige Bindung zu ihren Schützlingen. Rund 70 Flüchtlinge konnten bereits in Wohnungen untergebracht werden, oft hat man mit schwierigen Abläufen und aufreibenden Behördengängen zu kämpfen. Das Thema „Familiennachzug“ birgt großes Frust- und Konfliktpotenzial, weiß Christiane Gregor: „Die Sehnsucht nach der Familie und die fehlende Transparenz der Entscheidungen zermürbt die Männer. Viele bekommen Depressionen, die ersten schmeißen schon das Handtuch und kehren zurück. Da spielen sich menschliche Dramen ab.“ Gut, dass die ehrenamtlichen Helfer zur Seite stehen, mit Rat und besonders in Sachen Wohnungssuche und Einrichtung mit kräftiger Tat: „Wir haben superaktive Paten!“

LVR-Klinik

Einige Helfer hatten die Hoffnung, dass durch die baldige Eröffnung der ehemaligen LVR-Klink als kommunale Flüchtlingseinrichtung das benachbarte Zeltdorf geschlossen werde. Diese Aussicht musste ihnen Thomas Römer nehmen, stellvertretender Leiter des Amtes für Soziales und Wohnen und für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig: „Wir brauchen händeringend jeden Platz. An der Barkhovenallee entstehen 236. Täglich kommen 35 neue Asylbewerber zu uns, da wir auf unsere Bitte hin in 2015 weniger aufgenommen haben, als unsere Verpflichtung war. Dies müssen wir nun nachholen, gleichzeitig aber versuchen, die Zeltdörfer mit ihren unwürdigen Bedingungen und hohen Kosten zu schließen. Zurzeit laufen die Verhandlungen mit dem zukünftigen Betreiber der LVR-Klinik, die eine Behelfseinrichtung ohne Selbstversorgung wird. Daher kann ich nicht mehr sagen. Aber Ihr ehrenamtliches Engagement ist selbstverständlich auch hier gewünscht!“
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