Werden sein Kleinod

Anzeige
Die fünf Betonpfeiler sind eine Herausforderung, die der Freundeskreis mutig annimmt. Foto: Bangert
 
Das Dingerkushaus ist auch im Regen ein Kleinod. Foto: Bangert

Freundeskreis feiert Wiedereröffnung und Sommerfest am Dingerkushaus

Ob es vor 200 Jahren auch geregnet hat? Das kleine Städtchen Werden lag da noch verträumt fernab der Welt. Am 1. Juli 1817 starb 92-jährig Johann Everhard Dingerkus, Kanzleidirektor der Abtei. Sein Gartenhaus hat die Jahre überdauert und strahlt in neuem Glanze.

Dunkle Wolken über ihrem spätbarockem Kleinod sind die leidgeprüften Retter des Dingerkushauses bereits gewöhnt. So etwa war die drei Meter hohe und 50 Zentimeter denkmalgeschützte Mauer nach Bauarbeiten in der oberhalb gelegenen Brandstorstraße einsturzgefährdet.

Eine Herausforderung

Ein Teil des Gartens und der Treppe wurden abgesperrt, dann ein Sanierungskonzept umgesetzt. Fünf massive Stahlbetonpfeiler stützen nun die alte Bruchsteinmauer, die Stadt betonte: „Stützpfeiler sind eine traditionelle, schon im Mittelalter angewandte Technik zur Stabilisierung von Bauwerken.“ Ziegelmauerwerk zum Beispiel hätte den hohen Druckkräften nicht standgehalten, daher Stahlbeton. Was den zweiten Vorsitzenden Rolf Sachtleben bekümmert: „Optisch sind die fünf Stelen eine Herausforderung.“ Die Dingerkus-Freunde halten die gewählte Lösung weiterhin für einen zu radikalen Eingriff in die Substanz, doch man hat sich damit abgefunden und möchte das Beste daraus machen. So wurden treppabwärts Banner angebracht, unter anderem mit dem Konterfei von Dingerkus. Rankhilfen für Bohnen und Rosen wurden gesetzt, auch Ösen für die Anbringung eines Sonnensegels, so Ernst-Joachim Müller: „Im Sommer knallt hier nämlich ganz schön die Sonne.“ Der Stadt dankt der Freundeskreis für die gute Zusammenarbeit, die Arbeiten seien exzellent durchgeführt worden.


Eine Wiedereröffnung

Der Abschluss der Bauarbeiten wurde zum Anlass genommen, offiziell wiederzueröffnen. Freunde und Förderer wurden eingeladen, allen sollte gedankt werden, auch Oberbürgermeister Thomas Kufen staunte über den tollen Blick in den Garten. Im gegenüber liegenden Saal der evangelisch-landeskirchlichen Gemeinschaft fand eine Feierstunde statt, Studenten der benachbarten Folkwang-Universität boten Szenen aus dem Goethe-Musical. Vorsitzender Peter Bankmann: „Als wir 2010 mit 15 Gründungsmitgliedern den Freundeskreis ins Leben riefen, war nicht ganz klar, in welche Richtung sich unser Projekt entwickeln könnte.“ Der Freundeskreis konnte mit finanzieller Unterstützung der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege sowie der Alfred Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung die umfangreiche Gebäudesanierung im Frühjahr abschließen. Die Umgestaltung des Gartens wurde aus eigenen Mitteln mit Hilfe der inzwischen 90 Mitglieder realisiert: „Aber ohne die finanzielle Unterstützung der van Eupen Stiftung und der RWE AG wäre auch das nicht möglich gewesen.“ Peter Bankmann beobachtete eine höchst erfreuliche Entwicklung, da das Gartenhaus immer mehr aus seinem Dornröschenschlaf ins öffentliche Interesse rückt: „Musik- und Tanzveranstaltungen haben gezeigt, dass es hier eine ganz besondere Ausstrahlung gibt. Die sehr positive Resonanz nicht nur der Werdener Bevölkerung gibt uns eine Bestätigung, dass die Idee von Kunst und Kultur an historischem Ort angekommen ist und Zukunft hat in Werden.“

Ein „Schälgen Thee“

Auch Thomas Schmitz nahm den Gedanken auf und legte ein Büchlein über das historische Gartenhaus auf: In ansprechendem Format und mit bestens ausgewogenem Anteil an Information und wunderschönen Fotos liebevoll zusammengestellt. Hier ist unter anderem nachzulesen, was seine Tochter Maria Agnes an Dingerkus schrieb: „Meine und Mama ihre Freude ist wenn wir in unsren schönen garten, wo alles herrlich darinnen steht und wächst, gehen und die Nachtigall schlagen hören.“ Im einst riesigen Garten traf man sich auf ein „Schälgen Thee“ und Kaffee, es gab Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume sowie die Dicken Bohnen, die es Dingerkus angetan hatten. Auch 2017 sprießt und grünt es nach Herzenslust. Der Tag der offenen Tür musste zunächst einen kräftigen Regenguss verkraften, dann füllten sich Haus und Garten, es wurde musiziert, den Besuchern stilecht Tee, Kaffee und Kuchen kredenzt. Das Jahr der Europäischen Grünen Hauptstadt findet natürlich nicht ohne Dingerkus statt. Der Freundeskreis ist beteiligt. Die Termine hierfür sind stadtweit koordiniert und festgelegt für den 9. Juli und den 1. Oktober. Am 10. September ist Tag des offenen Denkmals.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.