„Da müssen sie Prioritäten setzen!“

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Um die Toiletten der Ludgerusschule, hier das Provisorium, entfachte sich ein Streit. Foto: Henschke

Toiletten der Ludgerusschule sorgen für Streit in der Bezirksvertretung


Bei der Sitzung der Bezirksvertretung ging es um die Toiletten der Ludgerusschule. Hier hatte sich an einem geplatzten Ortstermin ein Streit zwischen Ortspolitik und städtischer Verwaltung entfacht. Die Schule geriet ungewollt und auch unverschuldet förmlich „zwischen die Fronten“.

Die Toiletten mussten wegen Baufälligkeit geschlossen werden, da die WCs der Turnhalle alleine nicht ausreichten, wurden zwei Sanitär-Container angemietet und auf dem Schulhof platziert. Dies ist fast zwei Jahre her, zwischendurch wurde eine Sanierung angedeutet, dann hieß es, es stünde ein Neubau der Toilettenanlage auf der Fläche des bisherigen Pausenhalle an. Die BV wollte vor Ort über den aktuellen Stand der Dinge informiert werden. Der erste Termin dafür war laut Politik erst zehn Minuten vorher durch die Behörde abgesagt worden. Nun reiste eine stattliche Zahl an Mitgliedern der Bezirksvertretung und auch die Kinderbeauftragte Tanja Schmitz ein zweites Mal an und nahm das Provisorium auf dem Schulhof in Augenschein. Es war bitter kalt, rund sechs Grad minus, nach einer gewissen Wartezeit wurde den Anwesenden klar, dass kein Vertreter der Verwaltung kommen würde. Bei der Begehung des Containers stellte sich heraus, dass ein Radiator auf der Mädchentoilette nicht funktionierte. Dies nahm besonders die Kinderbeauftragte Tanja Schmitz zum Anlass, ihren Unmut über die „Tatenlosigkeit“ des zuständigen Amtes für Immobilienwirtschaft zu äußern.

Zustand der Grundschulen

Zur BV-Sitzung war Amtsleiter Ingo Penkwitt erschienen und wurde von Bezirksbürgermeister Dr. Michael Bonmann gefragt: „Wie sehen sie den Zustand der Grundschulen im Bezirk, besonders der Schmachtenbergschule, der Schule Mintarder Weg und der Ludgerusschule?“ Penkwitt bat um Verständnis für seine Behörde: „Die Bauunterhaltung städtischer Immobilien ist kein freudiges Thema. Wir berichten regelmäßig dem Bauausschuss und weisen darauf hin, dass wir aus finanziellen Gründen nur noch die Verkehrssicherungspflicht gewährleisten können. Dazu kommt noch personeller Abbau, der zu immensem Personalmangel führte.“
Zur Ludgerusschule erklärte der Amtsleiter: „Wir mussten die historischen WCs sperren und waren nicht informiert, dass die Heizung im Container ausgefallen war. Dafür hätte es aber keines Ortstermins bedurft.“

"Zustände nicht tragbar"

Dr. Michael Bonmann antwortete scharf: „Die Zustände allgemein sind nicht tragbar. Da ging es doch nicht nur um eine Heizung. Wir müssen auch an unsere Kinder denken. So eine Ausschreibung für Sanierung oder Neubau kann doch nicht so schwer sein – da muss endlich was passieren. Da müssen sie Prioritäten setzen!“ Ulla Lötzer hielt nüchtern fest: „Der Rat hat zu massiv Personal abgebaut und selbst bei steigenden Flüchtlingszahlen nicht reagiert. Die BV sieht hygienisch einwandfreie Verhältnisse als wichtig an!“ Daniel Behmenburg nahm die Verwaltung in Schutz: „Die Kürzungen sind geschehen, der Rat muss da die Prioritäten ändern. Der Ortstermin war ja nicht nur wegen der Heizung. Die Frage war doch, warum da so lange ein Provisorium rumsteht!“
Stefan Sülzer hakte nach: „Vor über einem Jahr sind aufgebrachte Eltern an uns herangetreten. Auf unsere Anfrage kam die Antwort, die Ausschreibung laufe. Dann hieß es plötzlich, ein Neubau sei geplant. Getan hat sich jedoch seit fast zwei Jahren nichts. Laut Hausmeister schimmelt es dort bereits!“

132 Millionen Euro

Baudezernentin Simone Raskob vermittelte: „Es wird zurzeit nur Verkehrssicherung betrieben. Das Provisorium ist den fehlenden Mitteln an Personal und Finanzen geschuldet. Schimmel wäre aber zum Beispiel ein Hygieneproblem, das würde sofort geändert. Aber wir wussten davon nichts…“
Ingo Penkwitt machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Die öffentliche Verwaltung hat jetzt noch zusätzliche Aufgaben übernehmen müssen. Wir schieben bereits einen Bauunterhaltungsberg von 132 Millionen Euro nur für die dringendsten Bedarfe vor uns her. Das ist kein Versagen der Verwaltung, sondern der Sachstand.“ Auf spontane Reaktionen während seines Vortrages reagierte Penkwitt ungehalten: „Es ist nicht angemessen, dass man sich darüber lustig macht!“ Simone Raskob sprang ihm zur Seite: „Hier erleben Sie den Frust eines Amtsleiters.“
Ob und wann die Toiletten der Ludgerusschule saniert oder komplett neu erstellt werden, blieb unbeantwortet.
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